Zuger Stadtarchitekt
Diese Lücke führt zu keiner Verzögerung bei der Stadtplanung

Kurz vor Weihnachten kommunizierte das Baudepartement den Abgang des Stadtarchitekten Christian Schnieper. Bereits zehn Tage später gab die Kaderperson ihren Schlüssel zum Stadthaus im ehemaligen Gebäude der Landis & Gyr ab.

Marco Morosoli
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Die Mitteilung, mit der das Baudepartement der Stadt Zug am 21. Dezember 2021 öffentlich machte, dass der Stadtarchitekt Christian Schnieper sein Amt zur Verfügung stelle, war ebenso professionell wie spröde. Solche Meldungen erreichen die Öffentlichkeit in regelmässigen Abständen. Auch die genannten Gründe, weshalb die involvierten Parteien entschieden haben, fortan eigene Wege zu gehen, ähneln sich jeweils. Im Fall von Christian Schnieper war, wie ebenfalls in der Medienmitteilung zu lesen ist, eine «Umstrukturierung im Baudepartement» der Auslöser für den Abgang.

Ein Bild aus vergangenen Tagen: Der Stadtarchitekt Christian Schnieper im Stadtbauamt.

Ein Bild aus vergangenen Tagen: Der Stadtarchitekt Christian Schnieper im Stadtbauamt.

Bild: Werner Schelbert (Zug, 7. Januar 2016)

Auf Anfrage sagt Eliane Birchmeier, Chefin des städtischen Baudepartements, zu Christian Schniepers Weggang, dass «aus Gründen der Vertraulichkeit» keine Stellung dazu bezogen werden könne. Immerhin lässt sich die Stadtzuger Bauchefin ein wenig in die Karte schauen: «Das Arbeitsverhältnis wurde im gegenseitigen Einverständnis aufgelöst.»

Die Suche nach einem neuen Stadtarchitekten beginnt noch im Januar 2022

Birchmeiers Blick ist derweil nach vorne gerichtet. Klar ist für sie: «Die Stelle des Stadtarchitekten beziehungsweise der Stadtarchitektin wird neu besetzt.» Die Stellenausschreibung soll noch in diesem Monat erfolgen. Dabei offenbart Birchmeier, dass die Stellenvakanz in Zug auch den entsprechenden Fachverbänden übermittelt werde. Bis eine Lösung für die Leitung der Abteilung Städtebau gefunden werde, übernehme Anne Pfeil diese Aufgabe. Sie ist die Stellvertreterin von Christian Schnieper. Die Stadtzuger Bauchefin versichert auch, dass die Stellenvakanz keine Auswirkungen auf die aktuell laufende Ortsplanung habe: «Die Revision der Ortsplanung unter der Leitung des Stadtplaners Harald Klein schreitet planmässig voran.»

Der gewesene Stadtarchitekt Christian Schnieper – er war in einem 80-Prozent-Pensum angestellt – trat seine Stelle am 1. September 2015 an. In seiner Funktion habe Schnieper, so Birchmeier, seit 2017 die planerischen Rahmenbedingungen für den Bebauungsplan Landis & Gyr und «unter anderem das Projekt Freiruum von Seiten der Stadt Zug unterstützt und gefördert». Als weitere wegweisende Projekte in der Amtszeit von Christian Schnieper nannte die Medienmitteilung vom 21. Dezember 2021 «das Stadtraumkonzept 2050 und die Neuorganisation der Schulraumplanung 2016/2017».

In den USA studiert und als Architekt gearbeitet

Wie aus einem Bericht der «Zuger Zeitung» vom 12. August 2015 hervorgeht, ist Christian Schnieper Inhaber eines Architekturbüros. Damals sicherte er vertraglich zu, dass sein Büro auf Mandate verzichten werde, welche zu einer Interessenkollision mit der Rolle als Stadtarchitekt führen könnten. Das besagte Büro existiert noch immer. Zudem sitzt Schnieper aktuell in drei Verwaltungsräten. Der gewesene Stadtarchitekt studierte in Scottsdale (US-Bundesstaat Arizona) an der Frank Lloyd Wright School of Architecture und schloss seine Studien mit einem Master ab. Er arbeitete später in Berlin und Los Angeles. Es dürfte spannend sein, welches Pflichtenheft der ihm Nachfolgende ausfüllen muss. Bei der letzten Vakanz auf dem Posten des Stadtarchitekten vor sechs Jahren konnte die Stelle erst acht Monate später besetzt werden.