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Wenn ein Elternteil hinter Gittern sitzt

Ist die Mutter oder der Vater im Gefängnis, kann das für Kinder traumatisch sein. Eine Schweizer Organisation fordert nun einen besseren Schutz der Rechte dieser Kinder. In den Strafanstalten im Kanton Zug ist man entsprechend ausgerüstet.
Carmen Rogenmoser

Ein Gefängnisaufenthalt oder die Untersuchungshaft sind Ausnahmesituationen – nicht nur für die direkt Betroffenen selber. Sondern auch für Angehörige und Freunde. Besonders schwer kann diese Zeit für Kinder sein. «Kinder haben ein Recht auf Kontakt zu den Eltern. Das scheint logisch, ist es aber nicht immer, wenn ein Elternteil im Gefängnis ist», schreiben Vertreter der Acat Schweiz (Aktion der Christen für die Abschaffung der Folter) im Begleitschreiben zur Petition «Kinder von Inhaftierten in der Schweiz: Ihre Rechte schützen» (siehe Box). Über 4500 Personen haben die Petition unterschrieben. Kürzlich wurde sie der Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren (KKJPD) übergeben.

Rund 9000 Kinder leben gemäss Bundesamt für Justiz schweizweit getrennt von ihren inhaftierten Eltern. Dürftig ausgestaltete Besuchsrechte und Besuchszeiten, die in die Schulzeiten fallen oder grosse Distanzen zwischen Gefängnis und Wohnort, darunter leiden viele Kinder.

Unterschiedliche Herangehensweisen

Auch in der Strafanstalt Bostadel in Menzingen oder der Zuger Strafanstalt gibt es Insassen, die Familie haben. «Kleinkinder verstehen in der Regel noch nicht, was es heisst, dass der Vater im geschlossenen Strafvollzug eine Strafe verbüssen muss und so verstehen sie auch nicht, wieso ihr Vater nach der Besuchszeit nicht mit nach Hause kommen kann», erklärt Andreas Gigon, Direktor der Strafanstalt Bostadel, die schwierige Situation der Kinder. Der Umgang damit ist vielfältig: «Gewisse Eltern erzählen ihren Kindern, dass der Vater im Gefängnis für die Familie arbeitet, andere versuchen, den Kindern in einer altersgerechten Sprache die Realität zu vermitteln.»

Die Herangehensweise sei unterschiedlich und auch vom ­soziokulturellen Hintergrund ­geprägt, so Gigon. Besonders schwierig seien Besuche von leiblichen Kindern, bei denen das Opfer die Kindsmutter ist oder war, und der Vater aber weiterhin das Besuchsrecht habe. «Bei derartigen seltenen Konstellationen finden die Besuche in Anwesenheit der Beistandschaft und allenfalls einer weiteren Fachperson, etwa eines Fachpsychologen, statt und werden sorgfältig vor- und nachbereitet.» Konkrete Zahlen, wie viele Kinder im Kanton Zug betroffen sind, gebe es nicht, bestätigt neben Andreas Gigon auch Toni Amrein, Leiter des kantonalen Amts für Justizvollzug.

Begleitung durch Erwachsene ist unerlässlich

Die Besuche sind strikt geregelt: In der Strafanstalt Bostadel können pro Besuchstag maximal drei Personen empfangen werden. «Wobei Minderjährige nur in Begleitung einer volljährigen berechtigten Person zum Besuchstag zugelassen werden», erklärt Gigon. Bei mehr als zwei leiblichen minderjährigen Kindern könne die maximale Anzahl der zugelassenen Personen pro Besuchstag auch höher ausfallen. Die Besuchszeiten seien auf das Wochenende sowie einzelne zusätzliche Feiertage gelegt. Andreas Gigon ergänzt: «So dass es für Kinder und Familien in der Regel möglich ist, ihre Angehörigen zu besuchen. Für die Kinder gibt es im Besuchsraum zudem eine separate Spielecke.» In der Strafanstalt Zug gibt es gar ein extra Familienzimmer. «Das wird genutzt, wenn Angehörige und Kinder die Inhaftierten besuchen», so Toni Amrein. Wie im Bostadel sind Minderjährige auch in der Zuger Strafanstalt auf die Begleitung einer berechtigten erwachsenen Person angewiesen.

Dass auf die Bedürfnisse betroffener Kinder Rücksicht genommen werden muss, bestätigt auch Alain Hofer, stellvertretender Generalsekretär der KKJPD. Die Petition der Acat Schweiz sei am Rande der Frühjahresversammlung in Bern entgegengenommen worden, so Hofer. «Die KKJPD nimmt die Forderungen und die geäusserten wichtigen Anliegen sehr ernst.» Die Petition werde nun inhaltlich analysiert und zeitnah den entsprechenden Gremien zum Entscheid über das weitere Vorgehen vorgelegt.

Die Forderungen von Acat

Vier Punkte verlangt die Acat Schweiz: Eine umfassende Datenerfassung und Studie zur Situation von Kindern inhaftierter Eltern; Gesetzgebung, Politik und Praxis nach den Empfehlungen des Europarats zu richten; diese Empfehlungen sollen den Behörden sowie den Kindern und ihren inhaftierten Eltern weitergegeben werden; und die Bereitstellung der nötigen Mittel, um betroffenen Kindern eine persönliche Beziehung zu den Eltern zu gewährleisten und ermöglichen.

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