Serie

Schönste Spaziergänge im Kanton Zug: Vom Paradies direkt in die Höll der Lorze entlang

An der Lorze zu spazieren ist inspirierend. Schade ist einzig, dass der Fluss so versteckt fliesst.

Marco Morosoli
Drucken
Teilen
Der Lieblingsspazierweg von Redaktor Marco Morosoli führt der Lorze entlang.

Der Lieblingsspazierweg von Redaktor Marco Morosoli führt der Lorze entlang.

Bild: Stefan Kaiser
(Zug, 11. Juli 2020)

Sonntag, die Sonne scheint. Der See lädt zum Bade. Daraus mache ich mir aber nichts. Da bin ich mit meinem Wohnungsnachbarn – und noch bei vielem mehr – einig. Er begleitet mich oft auf diesen Spaziergängen durch Zug und seine zugewandten Orte.

Erstaunlich ist, dass wir immer wieder sagen müssen: Das habe ich noch nie beobachten können. Kürzlich folgte ich mit meinem Nachbarn der Lorze entgegen ihrer Laufrichtung. An einer Stelle, an der das Lorzenufer nicht mit Grünzeug überwuchert ist, sahen wir einen grösseren Fisch. Dieser sprang über den Miniwasserfall auf die nächsthöhere Ebene. Fischer sind wir keine und tippen auf eine Forelle. Hinterher kommt uns meine Schwester und ihr Mann entgegen. Die beiden klären uns in Bezug auf den Fisch auf. Sie vermuten, dass wir eher einen Alet, der auch Döbel genannt wird, beim vorher beschriebenen Manöver gesehen haben. Das Fleisch dieser Kaltblüter sei essbar, aber die vielen Gräte des Alet würden dem Genuss eher im Wege stehen. Ich und mein Freund und Begleiter sind nur schon froh, dass wir diese Szene überhaupt sehen konnten. Für mich hat sie den Stellenwert eines Leuchtturms des Tages. So bezeichne ich spezielle Erlebnisse, welche dann in meinem Tagebuch Erwähnung finden.

Das Grün verdeckt die Sicht

Die Macher der neuen Lorze haben bei ihrer Arbeit leider völlig vergessen, dass Spaziergänger, Wanderer und allerlei anderes Freizeitvolk vielleicht auch gerne von diesem schönen Fluss mehr sehen möchten. Grünes Dickicht steht dem im Wege. Nur an einer Stelle am Ostufer der Lorze, in der Nähe der Brücke zwischen dem Pulverhüsli und dem Restaurant Freimann, können Erholungssuchende sich ohne akrobatische – und deshalb auch gefährliche – Turnübungen dem Lorzenufer ein wenig nähern. Toll ist dieser Platz vor allem deshalb, weil ein grosser Baum bei sengender Sonne wohltuenden Schatten spendet.

Wenn die Lorze schon visuell nicht wahrnehmbar ist, so ist das Fliessgewässer derzeit wenigstens akustisch wahrnehmbar. Ein Zeichen dafür, dass es in diesem Jahr wieder etwas mehr geregnet hat, aber immerhin ist eine gehörige Portion Nass vom Himmel gefallen. Trockene und allzu heisse Sommer sind meine Sache so oder so nicht. Ich könnte auch nie an einem Ort leben, wo immer die gleichen Verhältnisse herrschen. Einheitsbrei ist bei mir auch wettermässig nicht. Wie oft ich mit meinem Freund schon im Bereich der Lorze gelaufen bin, das weiss ich beim besten Willen nicht. In jedem Fall war es immer ein Quell der Freude.

Grüne Oasen in der Stadt

Ich bin aber auch oft alleine in diesem Gebiet unterwegs. Dann laufe ich meistens «unserem» Fluss nach Baar nach. Was sich dabei landschaftlich alles ändert, ist ganz grosses Kino. In gewissen Passagen zeigt es sich, dass selbst im städtischen Kanton Zug grüne Oasen nicht weit weg sind. Einfach mal loslaufen und über dies und das nachdenken, das ist für mich wie ein Befreiungsschlag im Eishockey. Gedanken ordnen auf lockere Art und Weise.

Zu den schönsten Lorzenabschnitten gehört sicher der Bereich in der Nähe des Sitzes der Korporation Baar Dorf. Dort hat zwar nicht die Natur bei der Gestaltung die Regie geführt, aber mittlerweile ist dies nicht mehr feststellbar. Dabei muss ich vorher immer noch kurz im Paradies vorbei. Dies schon deshalb, weil ich kurze Zeit später in Richtung Höll laufe. So komme ich nicht vom Regen in die Traufe, jedoch unvermittelt vom Paradies in die Höll. Ein steiler Abstieg. Als einer, der die Zahl der Schritte nicht zählt, weiss ich dann aber, dass dann etwas Kaltes genau das Richtige wäre. Doch bis ich im Restaurant Höll bin wartet auf mich oder uns ein Spiessrutenlauf. Unterwegs überholen oder kreuzen uns Zweiradfahrer, und das nicht immer auf die wohlwollende Art.

Die verdiente Belohnung folgt am Schluss

Da hätten wir wieder einmal das altbekannte Thema. Wer nimmt auf wen Rücksicht? Oftmals frage ich mich, ob es fortan angezeigt wäre, mir Rückspiegel zu kaufen. Diese müssten dann seitlich wie Kopfhörer angebracht werden. Immerhin gibt es im Restaurant Höllgrotten etwas zu trinken. In diesem Lokal, das auf Neuheimer Boden liegt, soll übrigens am Stammtisch intensiv über Baarer Politik debattiert werden. Zugegen war ich leider noch nie. Ich würde dort wohl auch keinen Platz bekommen, da bei solchen Zusammenkünften Journalisten des Teufels sind.

In dieser Serie stellen unsere Autoren ihren Lieblingsweg im Kanton Zug vor.