«Ich bereue die Anmeldung nicht» – zwei Studenten erzählen, wie sich der Semesterstart in Rotkreuz angefühlt hat

Am Montag begann das neue Hochschul-Semester. Für alle Module gibt es eine Liveübertragung per Zoom, damit die Studierenden auch von zu Hause aus dem Unterricht folgen können.

Fabian Gubser
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Estefania Otero (links) und Alvaro Keller studieren an der Hochschule Luzern, Standort Rotkreuz.

Estefania Otero (links) und Alvaro Keller studieren an der Hochschule Luzern, Standort Rotkreuz.

Bild: Stefan Kaiser (17. September 2020)

Corona führt zu einem neuen Alltag an den Hochschulen. In Rotkreuz, wo die Hochschule Luzern ihr Informatik-Departement und Teile des Wirtschaftsdepartements führt, gelten seit Montag neue Regeln.

Der Unterricht findet im Hybrid-Modell statt. Das heisst: Präsenz und Online-Formate werden kombiniert. Zudem gilt in allen Innenräumen eine Maskenpflicht. Diese ist jedoch lockerer als etwa an der Kantonsschule Zug. So muss keine Maske getragen werden, sobald ein fester Platz eingenommen worden ist, an dem der Abstand von 1,5 Metern eingehalten werden kann.

Wir sprachen in den spärlich besetzten Lernräumen der Hochschule mit zwei Studenten über ihren Semesterstart.

Von zu Hause aus mit dem Dozenten sprechen

Estefania Otero kommt aus Steinhausen, ist 24 Jahre alt und studiert im 3. Semester Information & Cyber Security.

«Die meisten Räume sind wegen der Abstandsregelungen neu nur noch für wenige Studenten zugelassen. Deswegen werden alle Module online per Zoom übertragen. Wer zu Hause das Modul verfolgt und eine Frage hat, spricht einfach in das Mikrofon und unterbricht kurz den Dozenten. Das ist ungewohnt, aber funktioniert nicht schlecht. Gewisse Dozenten erstellen auch ein Doodle, wo man sich für den Präsenzunterricht eintragen kann – eine gute Idee!

Weil bei mir gewisse Module erst spätabends stattfinden, finde ich es ganz praktisch, von meinen eigenen vier Wänden aus teilzunehmen. So kann man vorher noch kurz einkaufen gehen oder die Wäsche machen. Viele Kolleginnen und Kollegen haben ausserdem einen relativ langen Anfahrtsweg von bis zu eineinhalb Stunden. Andererseits bin ich schon erleichtert, endlich wieder vor Ort zu sein – so kann ich den Kontakt mit meinen Kolleginnen und Kollegen pflegen. Es war sehr anstrengend im letzten Semester, vor allem während der Lernphase, auf den Austausch verzichten zu müssen. Schade ist, dass wir vom Studentenverein bis jetzt keine Anlässe organisieren konnten. Das ist alles sehr kompliziert. Allerdings haben wir die Kommilitoninnen und Kommilitonen am Montag mit Getränken von Sponsoren begrüsst.»

Estefania Otero (links) und Alvaro Keller studieren an der Hochschule Luzern, Standort Rotkreuz.

Estefania Otero (links) und Alvaro Keller studieren an der Hochschule Luzern, Standort Rotkreuz.

Bild: Stefan Kaiser (17. September 2020)

Bis jetzt kein positiver Fall an den Schulen

Vor knapp vier Wochen startete im Kanton Zug die Schule. Bis jetzt kam es weder bei Lehrpersonen noch bei Schülerinnen und Schülern zu einem positiven Coronafall. Vereinzelt mussten Schülerinnen und Schüler nach Hause geschickt werden, weil sie Symptome aufwiesen.Einzelne Kinder mussten in Quarantäne geschickt werden.

Dies schreiben die Bildungs-und die Gesundheitsdirektion auf Anfrage in einer gemeinsamen Antwort. Ihr Fazit ist bis jetzt positiv: «Die Schutzkonzepte bewähren sich, der Unterricht findet in der «neuen Normalität»statt.» Das Amt für gemeindliche Schulen kontrolliere sowohl die Schutzkonzepte als auch deren Umsetzung. Bezüglich Schutzkonzepte gab es vor und während des Schulstarts zwölf Bemängelungen. So wurde etwa bei der Überprüfung eines Schutzkonzepts nicht ersichtlich, wann das Konzept den Schulangehörigen und Eltern kommuniziert worden ist. Oder es konnte vorkommen, dass ein Konzept keine ausreichenden Angaben zur Reinigung oder über die Quarantänebestimmungen für die Rückkehr aus Risikoländern machte. Seitdem seien die betroffenen Konzepte überarbeitet worden.

Beider Umsetzung der Massnahmen gab es bisher jedoch keinerlei Bemängelungen.

Drei Monitore zu Hause statt einer vor Ort

Der Oberwiler Alvaro Keller, 22 Jahre alt, begann am Montag das Bachelorstudium Wirtschaftsinformatik.

«Lange habe ich nicht gewusst, ob ich mich für das Studium anmelden soll – schliesslich wollte ich kein «Fernstudium» antreten. Ich wusste nicht genau, was auf mich zukommt. Jetzt fühle ich mich wohl – wenn man sich treffen will, geht das. Ich bin sehr froh, dass ich viele neue Studierende kennen gelernt habe, und bereue nicht, mich angemeldet zu haben. Sehr angenehm finde ich, dass die Dozenten sich immer erkundigen, ob uns noch etwas unklar ist. Denn sie sehen die fragenden Gesichter unter der Maske ja nicht, wenn wir etwas nicht verstanden haben. Auch wenn man zu Hause ein Seminar verfolgt, fühlt man sich so nicht ausgeschlossen. Die Dozenten achten auch zunehmend darauf, die Kamera so zu richten, dass man die elektronische Wandtafel sieht.

Bei gewissen Fächern – wie etwa dem Programmieren – ist es sogar komfortabler, von zu Hause aus arbeiten zu können. Dort bin ich mit drei Monitoren, Tastatur und Maus perfekt eingerichtet. An der Uni hingegen verfüge ich nur über meinen Laptop und der Platz ist beschränkt.

Ich hätte nichts dagegen, auf den Gängen keine Maske tragen zu müssen. Aber klar: Vorsicht ist besser als Nachsicht.»