Der selbstfahrende Minibus in Zug wurde gross angekündigt und still beerdigt

Die Testphase des autonomen Minibusses ist beendet – offenbar ist ein regulärer Betrieb unwahrscheinlich.

Fabian Gubser
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Zu langsam und unflexibel: Offenbar rechnet man nicht damit, dass der autonome Mini-Bus bald in den Linienbetrieb geht.

Zu langsam und unflexibel: Offenbar rechnet man nicht damit, dass der autonome Mini-Bus bald in den Linienbetrieb geht.

Bild: PD

Letzten Herbst kündigte die SBB an, dass die Testphase des Projekts «MyShuttle» im Dezember beendet werde. Jetzt erstellen die Verantwortlichen einen Schlussbericht über die Erfahrungen mit dem selbstfahrenden Bus. Vergangene Woche sagte allerdings Beat Weiss, Geschäftsführer des «Technologieclusters» Zug gegenüber unserer Zeitung, dass das Projekt aus folgenden Gründen eingestellt worden sei: «Die Shuttles waren zu langsam für den Normalverkehr und stiessen bei Hindernissen an ihre Grenzen.»

Ob dies nun das definitive Aus für den autonomen Minibus bedeutet und ob das Projekt früher als geplant beendet wurde, ist unklar – Beat Weiss war zuletzt nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Bei den SBB, die beim Projekt die Führungsrolle innehat, hält man sich bedeckt. «Das Pilotprojekt ‹MyShuttle› war von Anfang an zeitlich begrenzt. Es hat zum Ziel, den Kundennutzen und die Akzeptanz des selbstfahrenden Fahrzeugs zu ermitteln. Gleichzeitig wurde getestet, wie weit die Technologie im öffentlichen Verkehr einsatzfähig ist. Diese Ziele haben wir erreicht.», sagt SBB-Sprecher Raffael Hirt auf Anfrage. Über weitere Details werde man nach der Schlussauswertung informieren. Die ZVB verwies bei einer Anfrage unserer Zeitung nach dem aktuellen Stand des Projekts auf die SBB.

Die Ambitionen vor drei Jahren waren gross

Gross war der Hype, als der führerlose elektrische Bus im März 2017 auf dem Bahnhofplatz Zug präsentiert wurde. Mit dabei: SBB-CEO Andreas Meyer und der damalige Stadtpräsident Dolfi Müller. Letzterer sprach von Zug als «Pionierstadt», von einem der «spannendsten und cleversten Projekte», die man in Zug je hatte. Meyer sagte: «Wir wollen etwas zu Stande bringen, was es noch nicht gibt.» Die Präsentation fand statt, noch bevor alle nötigen Bewilligungen für den Testlauf eingeholt wurden. Trotzdem plante man, den Testbetrieb schon im Sommer zu starten. Verkehren sollte der Minibus zwischen dem Bahnhof und der V-Zug, wo aktuell deren Mega-Projekt «Technologiecluster Zug» entsteht. Der Minibus passte gut zum Technologiecluster Zug. Neben neuen Fabrikgebäuden umfasst dieses Projekt nämlich auch eine Art Parkhaus der Zukunft, das zurzeit gebaut wird. Dieses soll Mitarbeiter und Bevölkerung zum Umsteigen auf nachhaltige Transportmittel motivieren – wie eben auf den Minibus. Neben dem Technologiecluster Zug sind im Projektteam MyShuttle auch die SBB, die Firma Mobility Carsharing, die ZVB, und die Stadt Zug.

Ein anderer Minibus und ein verzögerter Start

Doch der Start des 2,7-Millionen-Projekts verzögerte sich. Die SBB und ihre Partner wechselten das Fahrzeug aus, da der anfangs ausgewählte Minibus aus Deutschland den Anforderungen nicht genügte. Ein Jahr später – im März 2018 – war das rote Fahrzeug aus französischer Produktion, erstmals auf den Strassen zu sehen. Erst im Januar 2019 durften dann Testkunden mitfahren – jeweils maximal sieben. Diese bestanden aus Mitarbeitenden von den Projektpartnern. Kritisiert wurde dabei die langsame Geschwindigkeit von 8 bis 13 Stundenkilometern. Gemäss Bewilligung wären maximal 20 Stundenkilometer erlaubt gewesen.

Im September 2019 hatte zum ersten Mal die Bevölkerung die Gelegenheit, den Minibus zu testen. Dabei äusserte sich Martin Küchler, Leiter Projekte bei den ZVB, selbstkritisch: «Das Projektziel war wirklich zu optimistisch.» Damit spielte Küchler auf den Wunsch an, der Minibus nur kurz nach Einweihung schon auf die Strasse zu schicken. Zu den Kundenreaktionen schrieb die SBB zum damaligen Zeitpunkt in einer Mitteilung, dass das Angebot auf ein «grosses Interesse» stosse und dass es ein «hohes Vertrauen» in das Fahrzeug und den Sicherheitsfahrer gebe. Allerdings habe das «verzögerte Anfahrtsverhalten» für Irritationen gesorgt und die Geschwindigkeit sei ebenfalls eine «Herausforderung». Ein Autor dieser Zeitung bemerkte bei einer Testfahrt ebenfalls einen abrupten Stopp, als ein Lieferwagen etwas gar nahe am Bus vorbeifuhr.

Auch in anderen Schweizer Städten sind autonome Minibusse unterwegs – seit 2016 beispielsweise in Sion. Dort fährt der durch die Post betriebene Bus sowohl durch eine Fussgänger-Zone als auch im Strassenverkehr.