Leserbrief

Ein unsinniger Weg wird erstellt

«Die Gegner wohnen angeblich zu weit weg», Ausgabe vom 11. März

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Der Gemeinderat Cham hat den Einspracheparteien die Legitimation der Einsprache gegen den Neubau des Bewirtschaftungs- und Fusswegs Städtlerwald-Pfad aberkannt. Damit hat die Behörde gewichtige und überzeugende Argumente gegen dieses unsinnige Bauprojekt auf elegante Art beiseite wischen können. Enttäuschend ist auch die Tatsache, dass die kantonalen Behörden (Direktion des Innern, Amt für Raumplanung und Amt für Wald und Wild) das Bauprojekt als Ausnahme bewilligen, obwohl 142 Quadratmeter Wald gerodet werden und ein ruhiger Einstand für Wildtiere, die im von der Bevölkerung stark frequentierten Städtlerwald wenig oder keine Ruhe mehr finden, durch einen völlig unnötigen Weg durchschnitten wird. Vielerorts werden grosse Anstrengungen unternommen, um für die Natur dringend notwendige Lebensräume zu schaffen. Aber im Bereich Pfad-Blegi soll mit einem unnötigen Weg ein wertvolles Stück Wald und Feld der Bequemlichkeit oder einem minimen Zeitgewinn geopfert werden.

Interessant ist ferner, dass auf dem Richtplan «Siedlung und Landschaft» der Gemeinde Cham aus dem Jahr 2007, genau dort, wo jetzt unbedingt ein Bewirtschaftungs- und Fussweg entstehen soll, ein Teilstück des kantonalen Wildkorridors eingezeichnet ist. Dieser Teil soll jetzt also in einen Weg umgewandelt werden, wohl in der Annahme, dass Wildtiere liebend gerne zusammen mit Wanderern, Bikern, Hunden, Reitern und Bewirtschaftungsfahrzeugen ihren Korridor zur und von der Wildtierüberführung (Baukosten seinerzeit rund 8 Millionen Franken) über die Autobahn benützen werden.

Der geplante Weg wird als Bewirtschaftungs- und Fussweg deklariert. Diese Bezeichnung entbehrt jeglicher Logik, da einerseits bereits zwei Wegvarianten bestehen, welche nördlich und südlich um das Feld und das Waldstück herumführen und von Fussgängern und Bewirtschaftungsfahrzeugen problemlos benützt werden können. Allerdings sind diese Varianten rund 500 Meter länger, was aber für Benützer des Langsamverkehrs keinen nennenswerten Zeitverlust bedeutet. Andererseits braucht der Jungwald, der als Kompensation für die Verbreiterung der Autobahn angepflanzt wurde, keine Bewirtschaftung, denn er soll ein dichter Naturwald bleiben und dem Wild Schutz und Ruhe bieten. Zudem wird die Bewirtschaftung des Städtlerwaldes über die Strasse vom Sportareal des Fussballklubs Cham her erschlossen. Der Gemeinderat argumentiert auch damit, dass der Weg im Rahmen der Ortsplanung von der Bevölkerung gewünscht wurde und für die Erschliessung des Städtlerwaldes aus nördlicher Richtung wichtig sei. Es fällt schwer, dies zu glauben, denn der Weg ist höchstens ein Gewinn für vereinzelte Autofahrer, die beim Parkplatz des Kleinkaliber-Schützenhauses an der Kantonsstrasse einen kurzen Halt einlegen, um vielleicht ihrem Vierbeiner eine vergnügliche Schnuppertour auf dem Wildkorridor zu ermöglichen.

Heini Bickel, Cham