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Die ersten Schirme kamen aus Zug

Ob Schattenspender oder Regenschutz: Schirme sind vielseitig einsetzbar. Die Stadt Zug ist der Ursprungsort der Schweizer Schirmindustrie. Mittlerweile gibt es nur noch in der Ostschweiz eine Schirmfabrik, die produziert.
Laura Sibold
Die Zuger Schirmfabrik bestand von 1848 bis in die 1970er-Jahre. (Grafik: Oliver Marx)

Die Zuger Schirmfabrik bestand von 1848 bis in die 1970er-Jahre. (Grafik: Oliver Marx)

Im Jahr 1848 begann Gottlieb Speck in der Stadt Zug als erster Unternehmer in der Schweiz mit der Herstellung von Schirmen für den Wiederverkauf. Dies belegen Artikel in den «Zuger Nachrichten» und dem «Zuger Volksblatt» aus 1948, die zum 100-jährigen Bestehen der Zuger Schirmfabrik erschienen. Produziert wurde zuerst an der Bahnhofstrasse 1, dann an der Neugasse 9. Die eigentliche Fabrikation wurde an der Pilatusstrasse 1 aufgenommen. Der Gründer leitete seine Schirmfabrik 55 Jahre lang.

Mit dem Tod von Gottlieb Speck am 28. Januar 1903 übernahm seine Witwe das Geschäft und verkaufte es sieben Jahre später an den Schwiegersohn des Gründers, Henry Städelin-Speck. Dieser weitete den Betrieb auf die Herstellung von Regenbekleidung aus, die unter dem Namen «Olseta» verkauft wurde.

Vom Gebrauchsartikel zum Modeaccessoire

Die ersten Schirme der Zuger Schirmfabrik unterschieden sich stark von jenen, die wir heute kennen. So wurden Mitte des 19. Jahrhunderts sogenannte Familienstücke verkauft, die mehreren Personen Platz boten. Die Schienen bestanden aus Fischbein und waren über eine Eisengabel mit dem Schieber verbunden. Als Überzug wurde schwere Lyoner Seide verwendet. In den 1880er-Jahren kam das eigentliche Schirmgestell – als Paragon bezeichnet – in den Handel und brachte einen Umschwung ins Gewerbe. Erst nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Schirm aber vom Gebrauchsartikel zum Modeaccessoire. Form und Farbe waren fortan kaum mehr Grenzen gesetzt und die Zuger Schirmfabrik musste sich auf raschen Absatz einstellen. Zum 100-Jahr-Jubiläum 1948 beschäftigte das Unternehmen rund 30 Arbeitskräfte, viele davon konnten nebst dem Firmen- auch ein persönliches Jubiläum von 20 bis 40 Dienstjahren feiern. Ab Mitte des 20. Jahrhunderts hatte die Zuger Schirmfabrik jedoch auch mit stärkerer Konkurrenz zu kämpfen. So bestanden im Jubiläumsjahr bereits zwölf Schweizer Schirmfabriken, die über 1000 Personen beschäftigten und jährlich 450 000 Schirme herstellten. Bald war der unabhängige Betrieb einer Zuger Schirmfabrik nicht mehr rentabel. Im Jahr 1965 wurde das Unternehmen zu einer Zweigniederlassung der Schnewlin AG, einer Schirmfabrik in Rüschlikon. 1973 wurde die Zuger Schirmfabrik von der H. Schindler & Co AG Zürich übernommen und 1977 schliesslich aus dem Handelsregister des Kantons Zug gelöscht.

Wirtschaftlicher Druck zeigte Folgen

Der wirtschaftliche Druck machte sich bei anderen Schirmfabriken ebenfalls bemerkbar. 1984 umfasste der Schweizerische Verband noch sechs Schirm- und einen Gestellfabrikanten, die rund 200 Personen beschäftigten und knapp 1,15 Millionen Regenschirme herstellten. Heute erinnert an der Pilatusstrasse 1 in Zug nichts mehr an die einstige Schirmindustrie und auch sonst ist das Gewerbe aus der Zentralschweiz verschwunden.

Mittlerweile gibt es in der Schweiz nur noch eine Schirmfabrik, die Strotz AG in Uznach. Sie ist eine der wenigen noch in Europa bestehenden Schirmfabriken. In den 1990er-Jahren wurde die Luft auch für die Strotz AG dünner – 98 Prozent der Produktion wurde nach Asien verlegt. Heute werden in Uznach laut Strotz AG jährlich noch rund 8000 Schirme hergestellt.

Die Serie «Zuger Gewerbe-Geschichte(n)» setzt sich mit Themen aus der wirtschaftlichen Vergangenheit auseinander. Quelle: Seltene Berufe und Menschen im Zugerland, Hermann Steiner, 1984.

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