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Diese Biere gehen an Zentralschweizer Festanlässen über die Theke

Ob Eichhof, Luzerner oder Baarer Bier: Die Biervielfalt in der Zentralschweiz ist gross. An den Volksfesten in der Region gibt es zahlreiche Biere von einheimischen Brauereien.
Doch den Lokalmatadoren zum Trotz: Die Veranstalter setzen keineswegs nur auf Bier von hier.
David von Moos
Eine Besucherin des Blue Balls Festival gönnt sich einen Schluck Bier. (Bild: Dominik Wunderli)

Eine Besucherin des Blue Balls Festival gönnt sich einen Schluck Bier. (Bild: Dominik Wunderli)

Alles andere als überschäumende Freude dürfte der Heineken-Brauerei Eichhof die neueste Nachricht bereitet haben. Wie am Montag bekannt wurde, setzt das Blue Balls Festival Luzern künftig auf ein Gebräu der Konkurrenz: Den Zuschlag erhalten hat die Winterthurer Brauerei Doppelleu Boxer.

Das Nachsehen hat Eichhof auch beim Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest 2019 in Zug, dem wohl grössten Volksfest des Landes. Ausgebootet wurde der Lokalmatador vom Bier-Giganten Feldschlösschen, der als «Königspartner» den Durst der Schwingfans löscht.

Wo wird was ausgeschenkt?

Auswahl von Grossanlässen in der Region Zentralschweiz
Bier Anlass
Eichhof Bossard-Arena Zug, Swissporarena Luzern, Heitere Openair Zofingen, Kleinfeld Restaurant «1944» SC Kriens, Innerschweizer Schwing- und Älplerfest Flüelen, Lozärner Altstadtfest, Luzerner Fest, Stanser Musiktage
Appenzeller Zentralschweizerisches Jodlerfest in Horw
Einsiedler Bier B-Sides-Festival Kriens
Baarer Bier Waldstock Openair Steinhausen, Zuger Seefest
Feldschlösschen Eidgenössisches Schwing- und Älplerfest Zug

Das kühle Blonde sorgt für rote Köpfe

Und auch beim grössten Luzerner Volksfest blieb Eichhof auf der Strecke. Vom 28. bis 30. Juni steigt in Horw mit dem Zentralschweizerischen Jodlerfest einer der ganz grossen Anlässe dieses Jahres. Erwartet werden gut 3000 Jodler, Fahnenschwinger und bis zu 70'000 Besucherinnen und Besucher. Für das leibliche Wohl sorgen in Horw 20 verschiedene Beizli sowie 17 Food- und Getränkestände. «Weil wir für den Betrieb der Festzelte verschiedene Horwer Vereine gewinnen konnten, ist Vielfalt und Überraschung garantiert», so OK-Präsident Thomas Zemp. Während den drei Festtagen werden gemäss den Veranstaltern rund 15'000 Würste, 5'000 Liter Wein und 4 Tonnen Brot über die Theke gehen. Beim Bier rechnen die Veranstalter je nach Wetter mit 25'000 bis 30'000 Liter.

Aber eben: Auch in Horw kommt der Gerstensaft nicht – wie viele erwarten dürften – aus der bloss einen Steinwurf entfernten Brauerei Eichhof, sondern aus der Ostschweiz. Ausgeschenkt wird am Zentralschweizerischen Jodlerfest vielmehr das Appenzeller Bier der Brauerei Locher AG.

Warum gibt's kein Bier aus der Region? Edgar Ming, der im 50-köpfigen Organisationskomitee für die Festwirtschaft verantwortlich zeichnet, sagt: «Grundsätzlich handelt es sich dabei um einen Geschäftsleitungsentscheid. Offeriert haben Feldschlösschen, Eichhof/Heineken und eben die Appenzeller. Alle drei haben ein vielseitiges Sortiment und ein gutes Angebot gemacht. Am Schluss hat wohl das Gesamtpaket den Ausschlag gegeben.»

Festbeizer blieb Entscheidung fern

Er selber sei für den Entscheid in den Ausstand getreten, hält Festbeizer Edgar Ming fest. «Ich komme aus der Gastroszene, kenne die Anbieter.» In der Winkelbadi in Horw, die Ming betreibt, wird Appenzeller Bier ausgeschenkt.

Auf die Frage, was aus seiner Sicht für das Ostschweizer «Importbier» spricht, wo sich die Brauerei Eichhof doch in unmittelbarer Nähe befindet, meint Festbeizer Edgar Ming: «Es sind letztlich immer verschiedene Faktoren. Schlussendlich ist es ein Entscheid, der gefällt werden muss.» Dieser sei nicht gegen die Brauerei Eichhof gerichtet. «Wir sind niemandem nachgerannt, sondern haben unter gleichwertigen Angeboten das für uns passende ausgewählt.»

Gab Sympathiebonus den Ausschlag?

Ming betont: «Ich persönlich habe nichts gegen Eichhof. Ich will nicht Partei ergreifen oder jemand schlechtreden. Aber es ist halt nun mal so, man kann nur einen Lieferanten berücksichtigen. Logisch, der eine ist dann vielleicht enttäuscht, der andere überaus glücklich. Einmal gewinnt man, einmal verliert man.»

Es sei aber auch nicht von der Hand zu weisen, dass bei gleichwertigen Angeboten möglicherweise ein gewisser Sympathiebonus der Ausschlag gegeben habe, so Ming weiter. «Bei einem Anlass wie dem unsrigen ist es sicher ein Kriterium, dass das Bier aus der Schweiz kommt.» Und es sei halt nun einmal so, dass Eichhof im Besitz von Heineken und damit eines multinationalen Konzerns ist. Bei der Brauerei Locher handle es sich um ein vergleichsweise kleines Familienunternehmen.

Ming sagt aber auch: «Der ganze Biermarkt ist halt im Umbruch.» Die Biervielfalt wachse, das Angebot und die Auswahl würden grösser.

«Deswegen muss man das Ganze aber nicht zu einem Bierkrieg heraufbeschwören.» Der Entscheid betreffe ja nur die Ausgabe in Horw. Am nächsten Zentralschweizerischen Jodlerfest kommen dann wohl wieder ein anderes Bier zum Zug.

Negative Reaktionen habe es bisher kaum gegeben. «Klar, es gibt Leute, die sich fragen, warum das Bier nicht aus der Region kommt. Grossmehrheitlich sind die Rückmeldungen aber positiv.» Appenzeller Bier werde in der Zentralschweiz schliesslich schon länger getrunken. «Es ist an vielen Orten in der Region erhältlich und erfreut sich grosser Beliebtheit.»

«Ausschlaggebend für den Entscheid zu Gunsten des Appenzeller Biers waren die Markenpositionierung, der emotionale Auftritt, die Volks-, Kultur- und Brauchtumsverbundenheit, die nachhaltige Produktionsstrategie auf Basis regionaler Produkte und auch die Firmengeschichte dieses Familienbetriebes», sagt Thomas Zemp, OK-Präsident des Zentralschweizerischen Jodlerfests, auf Anfrage. Es sei für die Geschäftsleitung kein einfacher Entscheid gewesen, dennoch sei er klar ausgefallen.

Dilemma der «Grossen unter den Kleinen»

Ob Zentralschweizerisches Jodlerfest oder Luzerner Blue Balls Festival: Solche regionalen Grossanlässe wären an sich nicht nur für Eichhof, sondern auch für andere regionale Brauereien eine attraktive Plattform – etwa für die Brauerei Baar AG. Wie Geschäftsführer Martin Uster auf Anfrage sagt, sei man zwar durchaus in der Lage, einen Anlass in der Grössenordnung des Zentralschweizerischen Jodlerfest zu stemmen. «Wir haben ja auch schon das Zentralschweizerische Jodlerfest 2010 in Baar und die Innerschweizerischen Schwing- und Älplerfeste 2009 in Baar und 2014 in Cham beliefert.» Man konzentriere sich aber klar auf Anlässe in der Region Zug. «Das ist unser Kernzielmarkt.» Deshalb suche man die Zusammenarbeit mit ausserkantonalen Anlässen nicht aktiv. Für entsprechende Anfragen sei man natürlich offen, prüfe dann aber die Zusammenarbeit mit lokalen Getränkehändlern. «Und diese brauchen entsprechende Kapazitäten in Sachen Mobiliar, Kühlinfrastruktur, Personal und so weiter. Grundsätzlich ist das für uns aber sehr aufwendig und deshalb auch finanziell wenig interessant.»

Noch kleinere Anbieter wie die Brauerei Luzern AG wiederum sind einem Grossanlass wie dem Zentralschweizerischen Jodlerfest in Horw oder dem Luzerner Blue Balls Festival schlicht nicht gewachsen. Das gibt Geschäftsführer David Schurtenberger auf Anfrage unserer Zeitung unumwunden zu: «Bei Events dieser Grössenordnung bringen wir uns nicht ins Gespräch. Diese beiden Anlässe sind eine Nummer zu gross für uns – sowohl von den benötigten Mengen als auch von der ganzen Infrastruktur her.»

«Klar, man könnte viel Bier ausschenken an prestigeträchtigen Anlässen», räumt Schurtenberger ein. «Aber es tut uns nicht weh. Es gibt viele andere Anlässe, an den wir uns präsentieren und unsere Biere unter die Leute bringen können. Für uns passt das so.»

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