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Kanton Uri bietet Unterstützung
für Lernzentrum in El Gouna

Im Rahmen eines Pilotprojekts wird der Kanton Uri das Lernzentrum El Gouna in Ägypten drei Jahre lang pädagogisch beraten und unterstützen. In dieser Zusammenarbeit sehen die Verantwortlichen eine Reihe von Chancen.
Urs Hanhart
Eliz Roth (links), die üblicherweise in Ägypten zur Schule geht, zusammen mit Urner Kindern beim Basteln. (Bild: Urs Hanhart, Andermatt, 11. April 2019)

Eliz Roth (links), die üblicherweise in Ägypten zur Schule geht, zusammen mit Urner Kindern beim Basteln. (Bild: Urs Hanhart, Andermatt, 11. April 2019)

In Andermatt nehmen momentan für einige Tage zwei Primarschülerinnen am Schulunterricht teil, die sonst im Lernzentrum El Gouna in Ägypten die Schulbank drücken. Erstklässlerin Eliz Roth war gestern Vormittag unter anderem damit beschäftigt, zusammen mit ihren Mitschülern riesige Ostereier zu basteln, und deren ältere Schwester Aline Roth zeigte ihren Kollegen von der dritten Klasse, wie man seinen eigenen Namen auf Arabisch schreibt. Eliz und Aline sind die Töchter des Schweizers Vahan P. Roth, der in der Finanzbrache arbeitet und aus beruflichen Gründen regelmässig zwischen der Schweiz und Ägypten pendelt. Im Januar 2017 gründete er zusammen mit seiner Frau und einem befreundeten Elternpaar eine deutsch- und englischsprachige Primarschule in El Gouna, das am Roten Meer liegt. Zurzeit nehmen dort rund 50 Schüler, hauptsächlich Ägypter, aber auch einige aus europäischen Ländern, darunter Kinder von Expats, am Unterricht teil.

Nun soll das Schulangebot bis und mit Sekundarstufe II schrittweise ausgebaut werden. Im Zuge dieser Erweiterung möchte die politisch und religiös neutrale Trägerschaft das Lernzentrum El Gouna in Anlehnung an die schweizerischen Bildungsstandards entwickeln. Zu diesem Zweck suchte das Lernzentrum beim Kanton Uri um pädagogische Beratung und Unterstützung nach. Die Affinität zum Kanton Uri hängt wesentlich mit dem Tourismusresort Andermatt zusammen. Es war denn auch der ägyptische Investor Samih Sawiris, der den ersten Kontakt des Lernzentrums El Gouna zur Urner Bildungs- und Kulturdirektion vermittelt hat.

Dreijähriges Pilotprojekt ab August 2019

«Die Zusammenarbeit mit dem Lernzentrum ist ein sehr interessantes Projekt, das wir in den letzten 15 Monaten vorangetrieben haben», sagte Bildungsdirektor Beat Jörg gestern an einer Medienkonferenz, die an der Kreisschule Andermatt abgehalten wurde. «Wir haben keine hoheitliche Beratungsaufsicht, sondern es geht darum, dem Lernzentrum Unterstützung zu bieten. Das Projekt steht rechtlich auf einem guten Fundament.» In einem ersten Schritt habe die Bildungs- und Kulturdirektion im Auftrag des Regierungsrates ein Vorprojekt erarbeitet. Basierend darauf habe der Regierungsrat kürzlich beschlossen, dass der Kanton Uri im Rahmen eines dreijährigen Pilotprojekts, das am 1. August 2019 gestartet wird, eine pädagogische Beratung und Unterstützung auf freiwilliger Basis für El Gouna zu leisten. Jörg bezifferte den Kostenaufwand auf maximal 19 500 Franken pro Jahr. An den Gesamtkosten von 58 500 Franken beteilige sich der Kanton zur Hälfte. In der Septembersession soll dem Landrat ein entsprechender Verpflichtungskredit beantragt werden. Die andere Hälfte der Kosten trägt die Trägerschaft des Lernzentrums El Gouna selber.

«Für unser Amt bietet dieses Projekt eine Riesenchance», betonte David Zurfluh, Vorsteher des Amts für Volksschulen.

«Wir können auch selber profitieren, indem wir beispielsweise in El Gouna etwas ausprobieren können, das bei uns komplizierter wäre und vielleicht auf Widerstand stossen würde.»

Ziel des Projekts sei es, ein gleichwertiges Bildungsangebot aufzubauen. Das Lernzentrum orientiere sich am Lehrplan 21 und habe eine vergleichbare Stundentafel wie im Kanton Uri. In den Hauptfächern würden Schweizer Lehrmittel eingesetzt.

Mehrwert auch für Uri

«Die Zusammenarbeit zwischen der Bildungs- und Kulturdirektion und El Gouna eröffnet eine Reihe von Chancen und einen bedeutenden Mehrwert auch für Uri», gab sich der Urner Bildungsdirektor überzeugt. So erhalte das Amt für Volksschulen eine wertvolle Möglichkeit, neue Formen der Beratung und Unterstützung zu erproben, was für allfällige künftige Aufsichtsaufgaben für Privatschulen in Uri fruchtbar werden könne. Für Lehrpersonen und Schüler entstünden zudem neue Möglichkeiten des Austauschs. «Und nebenher kann Uri mit seinem Engagement für das Lernzentrum El Gouna an einer international bedeutenden Tourismusdestination wirksame Standortpromotion betreiben», erklärte Jörg.

Starker Schweizer-Bezug als Hauptgrund

Vahan P. Roth, der Mitgründer des Lernzentrums El Gouna, sagte zur Motivation für die Schulgründung: «Wir waren mit dem Schulangebot am Roten Meer nicht so zufrieden. Deshalb haben wir beschlossen, etwas Eigenes aufzubauen. Da wir einen starken Schweiz-Bezug haben und der Bildungsstandard hierzulande sehr hoch ist, fiel die Wahl schnell auf die Schweiz. Die Zusammenarbeit mit dem Kanton Uri ist auch für uns ein sehr spannendes Projekt.» Man profitiere sehr von diesem Know-how-Transfer. Mit Blick in die Zukunft verriet Roth: «Wir streben ein organisches Wachstum unseres Lernzentrums an, mit maximal zwei zusätzlichen Klassen pro Jahr.» Ob und wie die Zusammenarbeit nach der dreijährigen Pilotprojektphase weitergeführt wird, ist laut Zurfluh noch offen. Eine Evaluierung gegen Ende der Pilotphase werde als Grundlage für entsprechende Entscheidungen dienen.

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