Schwyz ist bei erleichterten Einbürgerungen an der Spitze

Im Kanton Schwyz wurden seit der Einführung des neuen Gesetzes im Vergleich zur restlichen Zentralschweiz am meisten Personen erleichtert eingebürgert. Die Zahl ist mit 26 bewilligten Gesuchen dennoch gering.

Oliver Bosse
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Seit dem 15. Februar 2018, also einem guten Jahr, können sich Ausländerinnen und Ausländer der dritten Generation in der Schweiz erleichtert einbürgern lassen (siehe Box unten). Um nach dieser Zeit eine erste Bilanz ziehen zu können, wie sich das neue ­Gesetz bewährt, hat die Eidgenössische Migrationskommission (EKM) eine Studie in Auftrag gegeben, die sie dieser Tage veröffentlicht hat.

Die Studie zeigt: In der Schweiz wurden bis Ende Jahr 1065 Gesuche für eine erleichterte Einbürgerung eingereicht – 80 Prozent von Staatsangehörigen aus Italien, der Türkei, dem Kosovo und Spanien. Davon sind bisher 309 bewilligt worden.

Wenige Einbürgerungen in der Zentralschweiz

Aus dem Kanton Schwyz kam mit 37 nur ein Bruchteil der Gesuche. Allerdings wurde bereits 26 Personen aus Schwyz die Staatsbürgerschaft auf diesem Weg erteilt. Das sind 8,4 Prozent sämtlicher auf diesem Weg eingebürgerten Personen und die viertmeisten in der ganzen Schweiz.

In der restlichen Zentralschweiz sind die Zahlen deutlich niedriger: Im Kanton Luzern wurden acht Personen erleichtert eingebürgert, im Kanton Zug deren sechs. Die Kantone Uri, Ob- und Nidwalden sind in der Statistik gar nicht aufgeführt – vermutlich weil es dort noch keine erleichterten Einbürgerungen gab.

Am meisten erleichterte Einbürgerungen waren es im Kanton Aargau mit 121 Personen (39,2 Prozent). Vor Schwyz reihen sich sonst nur noch Solothurn mit 39 Personen (12,6 Prozent) und Basel-Landschaft mit 31 Personen (10 Prozent) ein.

Warum gerade Schwyz so weit vorne in der Liste ist, kann Sibylle Siegwart, stellvertretende Geschäftsführerin und Informationsverantwortliche bei der EKM, nicht beantworten. Sie erklärt allerdings, dass es sich beispielsweise bei allen Kantonen, die noch vor Schwyz liegen, um solche mit einer sonst eher restriktiven Migrationspolitik handelt.

Resultate nicht zufriedenstellend

Insgesamt stellten die Resultate der Studie die EKM nicht zufrieden, wie Siegwart weiter erklärt. «Wir würden es be­grüssen, wenn mehr Personen von ihrem neuen Recht Gebrauch machten», so Siegwart. «Schliesslich geht es um Leute der dritten Generation, die hier aufgewachsen und zur Schule gegangen sind.» Sie einzubürgern und ihnen damit auch das Abstimmen und Wählen zu ermöglichen, würde ihnen zu mehr Identifikation mit der Schweiz verhelfen.

Die EKM appelliert deshalb auch an die Gemeinden und Kantone, einen aktiven Beitrag bei der Verbreitung der notwendigen Informationen zu leisten.

Problematische Schulzeit der Eltern

Aber nicht nur die fehlende Kenntnis dieser Möglichkeit macht die EKM für den ihrer Ansicht nach noch zu kleinen Anteil Einbürgerungen der dritten Generation verantwortlich. «Die Anforderungen zur erleichterten Einbürgerung sind offensichtlich nicht optimal auf diese Einwanderungsgenerationen ausgerichtet», schreibt sie in einer Medienmitteilung zur Studie. Grund sei besonders ein Passus im neuen Gesetz. «Der Bericht zeigt auf, dass viele Interessierte nicht nachweisen konnten, dass ein Elternteil fünf Jahre die obligatorische Schule in der Schweiz besucht hat.»

Viele Grosseltern der dritten Ausländergeneration arbeiteten während Jahren als Saisonniers in der Schweiz. Der Familiennachzug war erst möglich, nachdem die Saisonbewilligung in eine Aufenthaltsbewilligung umgewandelt worden war.

Folglich zeigt sich auch, dass viele Eltern der Betroffenen erst als Jugendliche in die Schweiz kamen. Sie besuchten nur noch wenige Jahre die obligatorische Schule, hängten jedoch eine Berufsbildung an. «Die EKM empfiehlt aufgrund dieser Erkenntnis, die Berufsbildung bei den Eltern als Nachweis der Integration ebenfalls zu berücksichtigen und die entsprechenden Gesetzesbestimmungen anzupassen», heisst es in der Mitteilung weiter.