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Interview

Felix Immler ist der wohl einzige Sackmesser-Pädagoge weltweit

Er schnitzt Flöten, aber auch Skis: Felix Immler ist so etwas wie der Schweizer Sackmesser-Gott. Der 45-Jährige verrät, was er als Pädagoge bei Victorinox macht und was man mit einem Sackmesser alles machen kann.
Roger Rüegger
Felix Immler schnitzt in der Natur mit seinem Sackmesser unter anderem Flöten. (Bild: Benjamin Manser, Goldach, 5. April 2019)

Felix Immler schnitzt in der Natur mit seinem Sackmesser unter anderem Flöten. (Bild: Benjamin Manser, Goldach, 5. April 2019)

Es gibt einige seltsame Berufe. Sackmesser-Pädagoge gehört definitiv dazu. Die Bezeichnung sticht sogar unter Exoten heraus.

Felix Immler: Die weckt Aufmerksamkeit, nicht wahr? Die Bezeichnung habe ich erfunden. Sie könnten sich aber auch so nennen. Jeder kann sich so nennen. Ein bisschen Sackmesser-Pädagoge ist bereits, wer einem Kind einmal gezeigt hat, wie man einen Pfeilbogen schnitzt.

Sie haben schon etwas mehr im Repertoire als ein Pfeilbogen oder eine Steinschleuder?

Ja, denn es ist tatsächlich mein Beruf. Ich habe mir zum Beispiel ein Paar Ski mit dem Sackmesser geschnitzt. Die waren zwar etwa so fahrbar, wie wenn man zwei Einkaufswägeli an die Schuhe binden würde, aber ich war mit ihnen auf der Piste.

Was schnitzen Sie sonst so?

An einem mit Wasser betriebenem Poulet-Drehgrill hatte ich besonders grosse Freude.

Aber auch das Boot aus Schilf war eine interessante Übung.

Sehr schön, so etwas wollte ich hören. Seit dem TV-Geheimagenten MacGyver wissen wir ja, dass man mit einem Schweizer Armeemesser so gut wie alles hinkriegt, wenn man etwas Geschick mitbringt.

Den Spruch habe ich fast erwartet. Natürlich werde ich oft mit MacGyver angesprochen. Ich bin dazu verdammt, alles ausschliesslich mit dem Sackmesser herstellen zu müssen (lacht), vielleicht noch mit einer Schnur als Zusatzwerkstoff. Mir fehlt es aber tatsächlich nicht an Ideen.

Das Werkzeug von Felix Immler. (Bild: Benjamin Manser, Goldau, 5. April 2019)

Das Werkzeug von Felix Immler. (Bild: Benjamin Manser, Goldau, 5. April 2019)

Richtige Werkzeuge gebrauchen Sie aber nur im Notfall?

Ich nehme mir die Freiheit, im Alltag auch Werkzeuge zu benutzen. Erst kürzlich habe ich einen Schraubenzieher mit langem Schaft benutzt, als ich bei meinem Töff das Standlicht reparierte. Mit dem Messer war es einfach nicht möglich. Wobei der Kreuzschraubenzieher bei einem Victorinox-Messer einwandfrei ist.

Der Korkenzieher beim Offiziersmesser ist fast noch wichtiger. Brauchen Sie den auch hin und wieder?

Den kann man gut einsetzen, um das Mark bei einem Holunderast herauszuziehen. Etwa wenn man eine Flöte schnitzt.

(Bild: Benjamin Manser, Goldau, 5. April 2019)

(Bild: Benjamin Manser, Goldau, 5. April 2019)

Eine Flöte aus einem Holunderast? Daran habe ich jetzt nicht gedacht. Nein im Ernst. Wie sind Sie zum Sackmesserpädagogen geworden?

Ich bin Naturpädagoge. Während meiner Lehre als Mechaniker habe ich die Berufsmittelschule absolviert und mich später zum Sozialarbeiter ausbilden lassen. Einige Jahre habe ich in Heimen mit Kindern gearbeitet. Dort hat die Geschichte mit den Messern angefangen. Ich hatte zuvor immer Mühe, die Kinder zu motivieren, mit mir in die Natur zu gehen. Bis ich merkte, dass ich mit dem Messer – zum Beispiel, wenn ich eine Wurst fürs Feuer präparierte – ihre volle Aufmerksamkeit habe.

Messer und Kinder sind jetzt nicht die ideale Kombination.

Dachte ich zuerst auch. Wenn man Kindern aber den richtigen Umgang mit dem Messer beibringt, dann ändert sich die Sache. Ich biete eine Art Sackmesserprüfung an. Alle Teilnehmer erhalten nach dem Workshop ein Diplom, das kommt bei Kindern sehr gut an. Aber es dreht sich ja nicht nur um das Messer, sondern dass man mit dem Werkzeug wunderbare Dinge schnitzen kann.

Ich gebe auch Anregungen, was wir mit dem Material, das uns die Natur zur Verfügung stellt, herstellen können. Die Möglichkeiten sind unbegrenzt.

Damit verdienen Sie Ihre Brötchen?

Das tue ich. Als Selbstständiger war es allerdings sehr schwierig. Heute bin ich bei Victorinox angestellt. Man könnte mich als deren Markenbotschafter bezeichnen. Die Sackmesser-Workshops biete ich für die Firma an. Meistens werde ich von Lehrerteams, Schulklassen oder Elternvereinen gebucht. Wir bieten aber auch öffentliche Eltern-Kind-Workshops an. 2012 habe ich zudem das erste Sackmesser-Buch geschrieben.

Sagen Sie jetzt nicht, dass Ihnen die Schwyzer Messerschmiede einen Job als Sackmesserpädagogen angeboten hat!

Aktiv haben die das nicht. Aber mit mir haben sie einen gefunden. Als ich in der Primarschule in Schwyz einen Workshop durchführte, haben Leute der Victorinox diesen besucht. Danach wurde ich gefragt, ob ich solche Kurse für die Firma anbieten wolle. Ich zögerte keinen Moment.

Welche Funktion haben Sie sonst noch im Unternehmen?

Ich bin in der Marketingabteilung angestellt. Zu meinen Aufgaben gehört auch, einen Youtube-Kanal zu betreiben. Dieser hat 30'000 Abonnenten. Ausserdem habe ich soeben mein drittes Buch herausgegeben. Ausserdem fahre ich jetzt ein Auto mit der Aufschrift Victorinox. Mit diesem Schriftzug kann ich mir in der Innerschweiz fast alles erlauben. Zumindest kann ich fast überall durchfahren. Es ist fast gleichbedeutend wie ein Schild mit dem Schriftzug «Forstdienst».

Was halten Sie vom Spruch: E rächte Bueb het es Mässer im Sack?

In meinem Fall stimmt die Aussage.

Im der Armee haben wir eine spezielle Beziehung zum Messer entwickelt. Der Feldwebel war stets auf der Suche nach einem unsauberen Taschenmesser. Darf ich dieses im Geschirrspüler reinigen?

Würde ich nicht machen. Die Kunststoffschalen werden bei den hohen Temperaturen matt. Wenn man eines hat mit Metallgriffen, dann sollte man das Messer danach etwas einölen.

Beim Recherchieren im Netz habe ich beeindruckende Videos von Ihnen gesehen. Woher haben Sie die ganzen Ideen?

Mein Vater war ein sehr kreativer Mann. Als wir beim Camping einmal kein warmes Wasser hatten, fertigte er aus einem dünnen Kupferrohr und einem Feuer eine Warmwasserleitung an. Auch die Natur mit ihren Materialien bietet viele Möglichkeiten. Mit einigen Steinen, etwas Lehm und Ästen kann man aus einer simplen Feuerstelle einen perfekten Grill mit Wärmeabsonderung bauen.

Zum Schluss geben Sie uns bitte einen Schnellkurs im Umgang mit dem Sackmesser!

Wichtig ist, dass wir uns vor dem Schnitzen hinsetzen. Zweitens arbeiten wir immer vom Körper weg. Den Kindern erkläre ich zuerst, wie man ein Messer öffnet und wie es geschlossen wird. Und was viele nicht wissen: beim Schnitzen nehmen wir die kleine Klinge, und die muss immer scharf sein. Kinder entwickeln beim Schnitzen ein erstaunliches Vorstellungsvermögen. Erwachsene auch. Probieren Sie es einfach.

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