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Obwaldner Kantischüler verschmähen Mathe und Physik

Da rieben sich die Mathe- und Physiklehrer an der Kantonsschule Obwalden die Augen: Dieses Jahr hat nur ein einziger Schüler als Schwerpunktfach Physik und angewandte Mathematik gewählt. Nur für einen allein kann es keinen Unterricht geben.
Marion Wannemacher
An der Kantonsschule Sarnen fällt das Schwerpunktfach Physik und angewandte Mathematik im kommenden Schuljahr aus - dies, weil sich nur ein Schüler dafür angemeldet hat. (Bild: Philipp Unterschütz, 8. Mai 2018)

An der Kantonsschule Sarnen fällt das Schwerpunktfach Physik und angewandte Mathematik im kommenden Schuljahr aus - dies, weil sich nur ein Schüler dafür angemeldet hat. (Bild: Philipp Unterschütz, 8. Mai 2018)

In der dritten Klasse wählen die Kantonsschüler jeweils ihr Schwerpunktfach. Ihnen bietet sich in Sarnen eine breite Palette: Wirtschaft und Recht, Bio/Chemie oder Philosophie/Pädagogik und Psychologie, Italienisch und natürlich Physik und angewandte Mathematik (PAM). Letzteres findet eigentlich immer seine treuen Anhänger. In den vergangenen Jahren entschieden sich zwischen 11 und 15 Schüler für PAM. Dieses Jahr ist es nur einer.

«Wir waren total erstaunt und haben mit den Lehrpersonen geredet, die Physik und Mathematik unterrichten. Alle fühlten sich vor den Kopf gestossen», sagt dazu Rektor Patrick Meile. «Eigentlich ist nichts speziell oder anders als sonst, bis auf die Tatsache, dass in diesem Jahrgang vielleicht nicht so gute Mathematikschüler sind.»

Schüler wählen, was der Freund wählt

Möglicherweise beeinflussten sich aber auch die «Gspänli» gegenseitig, mutmasst er. Die Peergroup, also die Gruppe, die sich ein Jugendlicher aussucht, spiele in diesem Alter eine wichtige Rolle. Mit 14 oder 15 Jahren müssen sich die Obwaldner Kantonsschüler für ihr Schwerpunktfach entscheiden. In diesem werden sie entsprechend intensiv unterrichtet und wollen darin natürlich auch entsprechend «punkten».

Meile spricht im Zusammenhang mit dem Wahlverhalten der jetzigen Drittklässler gar von einem «Desaster». Denn so viel steht fest: «Wir können nicht einen einzelnen Schüler unterrichten. Im kommenden Jahr fällt PAM als Schwerpunktfach aus», sagt er. Nicht auszudenken, was passiere, wenn ein Schüler vom früheren Jahrgang die Klasse wiederholen müsse. «In diesem Fall müssten wir eine Lösung finden», sagt der Schulleiter.

Dabei legt die Kantonsschule Obwalden Wert darauf, vor allem die Mint-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) zu fördern. Regelmässig findet eine Tec-Night statt, an der Hochschulen, Unternehmen und die ETH Zürich aktuelle technische Themen präsentieren. «An unserer Projektwoche für die zweiten Klassen stellen wir Wettbewerbsaufgaben mit einem technischen Teil», betont Patrick Meile. Derzeit sei man daran, Maturaarbeiten bei Firmen wie Maxon zu ermöglichen oder Schüler zu Projekten in Firmenwerkstätten anzuleiten, die in der Kanti so nicht möglich wären. «Auch hoffen wir auf die Möglichkeit, dass technisch interessierte Schüler ihr Stage, den obligatorischen Aufenthalt in der vierten Klasse in einem französischsprachigen Gebiet, künftig vielleicht bei einer Tochterfirma einer ansässigen technischen Firma verbringen können», sagt er.

Und was macht jetzt Naël Houriet, der einsame PAM-Interessent? «Ich werde nun Wirtschaft und Recht als Schwerpunktfach nehmen.» Gegen Kostenübernahme durch den Kanton nach Luzern oder Stans zu wechseln ist für ihn keine Option. «Darunter leidet die Lebensqualität», sagt der 15-Jährige, der in Alpnach/Schoried lebt, wo er eine gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr habe. Auf jeden Fall finde er es «schade und schlecht», dass aus PAM nun nichts wird. «Ich möchte später an der ETH Lausanne ein naturwissenschaftliches Fach studieren», bedauert er. Dafür wäre PAM eine wichtige Grundlage.

Schulleitung hofft auf Ausnahme in diesem Jahr

Falls gewünscht, erfahre Naël in Mathematik die Förderung für Begabte oder könne eine Maturaarbeit im PAM-Bereich verfassen, verspricht die Schulleitung. Patrick Meile hofft auf jeden Fall, dass der jetzige Jahrgang ein «Ausreisser» ist. Falls nicht, müsse man über die Bücher gehen.

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