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Obwaldner Gerichtsfall: Kommt Weile, kommt Einsicht, kommt reduzierte Strafe

Diese Woche sass ein 24-jähriger Mann vor Kantonsgericht. Die Staatsanwaltschaft hatte ihn zehn Monate unbedingt ins Gefängnis bringen wollen. Nun kam es ganz anders, nicht zuletzt deswegen, weil das Verfahren im Drogenmilieu zu lang dauerte.
Markus von Rotz
Eine ähnliche CO2-Pistole wie diese benutzte der Beschuldigte. (Bild: Getty)

Eine ähnliche CO2-Pistole wie diese benutzte der Beschuldigte. (Bild: Getty)

Zehn Monate unbedingt beantragte die Obwaldner Staatsanwaltschaft gegen einen jungen Ausländer mit Aufenthaltsbewilligung F. So zumindest steht es in der Anklageschrift, die vom August 2016 stammt. An der Verhandlung diese Woche ist Oberstaatsanwältin Esther Omlin in Rücksprache mit der Kollegin, von der sie den Fall übernommen hat, davon aber abgerückt.

Nicht unwesentlich dafür ist das lange Verfahren. Die knapp drei Jahre seit Anklage würden «bei einem überblickbaren Sachverhalt mit Geständnissen zu allen vorgeworfenen Handlungen» gegen den Beschleunigungsgrundsatz verstossen, monierte der Verteidiger, was später auch der Einzelrichter anerkannte. Der Anwalt sah darin gar einen Strafmilderungsgrund. Doch der Hauptgrund für eine mildere Strafe liegt im Angeklagten selber: Der Mann habe sich gefasst, trotz engmaschiger Überwachung seines Kollegenkreises von damals sei er in den Datenbanken nie mehr aufgetaucht, sagte Omlin vor Gericht. Sie stelle ihm eine gute Prognose. «Er ist heute schon auf dem Weg der Besserung, sodass eine unbedingte Freiheitsstrafe ihn wieder aus dem sozialen Umfeld herausreissen und die schon eingetretene Resozialisierung in hohem Mass gefährden würde.»

Mit echt aussehender Pistole Opfer bedroht

Neben Betäubungsmitteldelikten (Eigenkonsum und Verkauf) war der Hauptanklagepunkt eine Nötigung mit Raub. Der Angeklagte hatte mit Kollegen einen jungen Einheimischen in Giswil in eine Falle gelockt und ihm Betäubungsmittel, die er ihm vorgegeben hatte, abkaufen zu wollen, mit vorgehaltener Pistole abgenommen. Das war eine ungeladene CO2-Pistole, sah aber echt aus, wie die Oberstaatsanwältin mit einem Exemplar zeigte. Auch ohne klare Lebensgefahr zähle nur, «ob das Opfer von der Ernsthaftigkeit dieser Gefahr ausgegangen war,» meinte sie.

Er habe heute keinen regelmässigen Kontakt mit den damaligen Kumpanen, man grüsse sich aber, wenn man sich auf der Strasse treffe, sagte der Angeklagte. Er hat sich laut Verteidiger beim Hauptgeschädigten entschuldigt und ihm eine freiwillige Genugtuungssumme von 200 Franken bezahlt. Der zog inzwischen seine Zivilklage zurück. Der Angeklagte gehe seit 2016 einer Arbeit nach. Er habe auch die Drogensituation so im Griff, dass er die verkehrspsychologischen Tests bestand und die Autoprüfung machen könne, was beruflich neue Perspektiven eröffne, betonte sein Verteidiger. Der Angeklagte sagte im Schlusswort: «Ich entschuldige mich für alles, was ich gemacht habe, und schaue nun nur mehr nach vorne.» Das nahm ihm auch der Richter ab, warnte aber gleichzeitig: «Wenn noch mal was geschieht, müssen Sie auf jeden Fall ins Gefängnis. Dann wird es nicht mehr anders gehen. Nehmen Sie das ernst.» Der Einzelrichter glaubt an die gute Prognose, hat aber zur nun bedingten Strafe von 10 Monaten, wie sie die Staatsanwaltschaft neu verlangte, eine Probezeit von drei Jahren verhängt. Mit der langen Verfahrensdauer sind es nun quasi sechs Jahre Bewährungszeit. Er dürfte es akzeptieren, entspricht doch das Strafmass dem, was der Verteidiger in einem vereinfachten Verfahren wollte, was wegen des Antrags auf unbedingt aber nicht ging.

Der Angeklagte quittierte die Tatsache, dass er nicht hinter Gitter muss, mit einem Lächeln. Gleichwohl hat er noch lange zu beissen, bis er die Kosten, allein 8400 Franken für den Kanton, abgestottert hat.

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