Nidwalden
Der bekannteste Polizeifotograf der Schweiz ist tot: Arnold Odermatt starb an den Folgen von Alzheimer

Im stolzen Alter von 96 Jahren ist der Nidwaldner Polizeifotograf Arnold Odermatt verstorben. Seine Bilder zeigen schonungslos Autounfälle. Doch ihnen haftet etwas Ästhetisches an. Sicher ist: So schnell wird der Fotograf nicht vergessen gehen.

Anian Heierli
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Er suchte nicht die schönsten Motive. Im Gegenteil: Der Nidwaldner Fotograf Arnold Odermatt war der bekannteste Polizeifotograf der Schweiz. Mit seiner Kamera vom Typ Rolleiflex lichtete er vor allem Autounfälle ab. Dennoch wirken viele seiner Schwarzweissbilder wie Kunst. Ihnen haftet etwas Ästhethisches an.

Polizeifotograf Arnold Odermatt konnte auch Portraits. Hier zeigt er sich selbst in einem Bildband.

Polizeifotograf Arnold Odermatt konnte auch Portraits. Hier zeigt er sich selbst in einem Bildband.

Bild: Nadia Schärli (Stans, 10. 12. 2016)

Nun ist Arnold Odermatt am Samstag an den Folgen einer Alzheimererkrankung verstorben, wie die «Neue Zürcher Zeitung» mitteilt. Im Alter von 96 Jahren. Seinen letzten Geburtstag feierte er am 29. Mai. In einem Interview mit der «Luzerner Zeitung» sagte der Fotograf noch zu Lebzeiten:

«Fotografie war der Ausweg. Bei meinem Eintritt in die Kantonspolizei Nidwalden vor über 70 Jahren bekam ich die Aufgabe, Autounfälle mit Bleistift und später mit Tusche zu skizzieren.»

Doch Zeichnen, das konnte er nach eigenen Angaben nie. Deshalb entschied er sich – gegen den Willen und zum Entsetzen seines Vorgesetzten – für die Fotografie. Zum Glück: Später wurde der damalige Vorgesetzte von einem Richter gelobt. Wegen der Einführung der Fotografie bei der Ermittlungsarbeit.

Odermatt war eines von 11 Kindern

Geboren wurde Arnold Odermatt 1925 in Oberdorf. Er hatte 10 Geschwister. Sie lebten davon, was der Garten und der Stall hergaben. Der Vater war Kantonsförster und als Kavallerist fast immer im Stall. Die Mutter kümmerte sich um Kinder, Haus, Garten, das Geld und die Steuern. Ursprünglich lernte Odermatt Konditor. Doch er litt unter einer Mehlstauballergie und musste sich wohl oder übel umorientieren.

Mit Fahrrad, Photokamera, Schreibmaschine und Handschellen aus zweiter Hand fing er also bei der Polizei an. Damals mussten sich die jungen Beamten noch selbst ausrüsten.

Das Spezielle an den Unfallbildern des ehemaligen Polizisten ist die Sicht von oben. Das unterscheidet seine Werke auch von denen der Pressefotografen. Als Polizist hatte er die Möglichkeit, seinen VW-Bus mitten auf die Strasse zu stellen, um von oben herab zu fotografieren. Zudem wurde die Autobahn für seine Fotografien immer wieder auch komplett gesperrt. Denn bei aller Ästhetik, die seinen Werken anhaftet, waren diese in erster Linie Bilder für die Ermittlungsarbeit.

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