Kämpfer gegen Atom-Wellenberg lösen sich auf

Das Komitee für die Mitsprache des Nidwaldner Volkes bei Atomanlagen hat erreicht, dass ein Atomendlager im Wellenberg kaum mehr ein Thema sein dürfte. Der Vorstand hält den Vereinszweck für erreicht.

Martin Uebelhart
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Der Wellenberg, hier von Sinsgäu/Oberrickenbach aus gesehen. (Bild: PD)

Der Wellenberg, hier von Sinsgäu/Oberrickenbach aus gesehen. (Bild: PD)

An der kommenden Generalversammlung Ende Juni beantragt der Vorstand das Komitee für die Mitsprache des Nidwaldner Volkes bei Atomanlagen (MNA) aufzulösen. «Der Vorstand ist der Ansicht, dass der Verein den Zweck seiner Existenz erfüllt hat», sagt Peter Steiner. Der Stanser ist seit den Anfängen Mitte der 1980er-Jahre dabei und präsidiert das MNA seit 1998. Der Antrag auf Auflösung geschehe im Wissen, dass der ehemals von der Nagra favorisierte Standort Wellenberg/Nidwalden objektiv nicht mehr in Frage kommen könne, auch wenn er laut Beschluss des Bundesrats leider vorläufig in der Liste der Papabili verbleibe, schreibt Steiner in der Einladung zur GV.

Opposition gegen die Auflösung erwartet er nicht: «Wir haben unsere Mitglieder im Vorfeld zur beabsichtigten Vereinsauflösung befragt. Es gab keinen Widerspruch.» Heute zählt das MNA 150 Mitglieder. «In den Hochzeiten zwischen 1990 und 2005 waren es gegen 800», hält Steiner fest.

Den Verein «mit gutem Gewissen» auflösen

Für Peter Steiner liegt die grosse Leistung des MNA darin, die Möglichkeit geschaffen zu haben, dass sich die Nidwaldner Bevölkerung zu Atomkraft-Belangen an der Urne äussern kann, wenn sie den Kanton betreffen. «Das haben vor uns bis vor Bundesgericht hart erkämpfen müssen», blickt Steiner zurück. «Die erste Abstimmung 1995 haben wir eher knapp mit 52 Prozent zu unseren Gunsten entscheiden können.» Die zweite im Jahr 2002 sei dann mit knapp 58 Prozent gegen den Sondierstollen am Wellenberg etwas deutlicher ausgefallen.

Die bisher letzte Abstimmung fand vor gut einem Jahr statt. Die Regierung beantragte in einer Stellungnahme dem Bund, den Wellenberg definitiv als Standort für ein Atom-Endlager aufzugeben. Die Nidwaldnerinnen und Nidwaldner unterstützten dies mit über 89 Prozent Ja-Stimmen. Dies zeige, dass der Widerstand gegen ein solches Lager im Kanton mittlerweile durch das ganze Volk gehe, meint Steiner. «Das ist für uns auch eine grosse Befriedigung, sodass wir jetzt den Verein mit gutem Gewissen auflösen können.» Ohne den Widerstand des MNA und weiterer Organisationen wäre das Lager längst im Bau, ist er überzeugt.

Die Generalversammlung entscheidet neben der Auflösung des Vereins auch über die Verwendung des Vermögens. Es soll zu je einem Drittel der Schweizerischen Energiestiftung, dem WWF Schweiz und Greenpeace vermacht werden. «Das wird allerdings nicht so viel sein», sagt Steiner. Gut 40'000 Franken stecken in einem Darlehen an die Genossenschaft für erneuerbare Energien Nidwalden. «Die Genossenschaft, die ein Solarkraftwerk im Stanser Acherli betreibt, hat das MNA 2006 begründet», so Steiner. Nach dem Willen des Vorstands soll das Darlehen nun in eine Schenkung umgewandelt werden. «Die Genossenschaft wird weiter bestehen und so auch einen MNA-Vereinszweck, nämlich das Eintreten für die Nutzung erneuerbarer Energien anstelle der Atomenergie, weitertragen», hält Peter Steiner fest. Bei einer allfälligen Liquidierung der Genossenschaft würde ein Gewinn ebenfalls an die vorgenannten Organisationen verteilt. «Sie haben uns bei den Abstimmungskämpfen von 1995 und 2002 mit erheblichen personellen und finanziellen Mitteln unterstützt.»

2000 Franken sollen zudem an die Herausgeber des Nidwaldner Kalenders gehen. Dies könnte nach der Meinung des Vorstands die Wahrscheinlichkeit des Erscheinens eines Rückblickes auf die bewegte Zeit erheblich vergrössern. Die Redaktion des Nidwaldner Kalenders habe bereits im vergangenen Jahr die Möglichkeit sondiert, den Kampf um den Wellenberg in seiner Publikation zu beschreiben.

Künftige Einwohner müssten eingreifen

Sollte der Wellenberg in der Zukunft wieder ein Thema werden, liege es an den dannzumaligen Einwohnerinnen und Einwohnern, sich neu zu organisieren, so Steiner. Und er ist völlig überzeugt davon, «dass sie dazu willens und auch befähigt sein werden».