Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

«Flammen schossen 20 Meter in die Höhe»: Familie mit zwei Kindern stirbt bei Flugzeugabsturz in Hergiswil

Nach dem Flugzeugabsturz am Lopper steht die Fliegerszene der Zentralschweiz unter Schock. Bei den vier Todesopfern soll es sich um zwei Erwachsene und zwei Kinder handeln. Die Oldtimer-Air-Flugparade wurde aus Pietätsgründen abgesagt.
Thomas Heer
Ein Helikopter transportiert Löschwasser, um den Brandherd nach einem Kleinflugzeugabsturz am Lopper in Hergiswil im Kanton Nidwalden zu löschen. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Ein Helikopter transportiert Löschwasser, um den Brandherd nach einem Kleinflugzeugabsturz am Lopper in Hergiswil im Kanton Nidwalden zu löschen. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Der Absturz eines Kleinflugzeugs in Hergiswil erschüttert die ganze Region: Der Unfall vom Samstag hat mehrere Todesopfer gefordert. Die Nidwaldner Polizei teilte am Abend mit, dass es sich bei den Insassen um eine Familie – die Eltern und zwei minderjährige Kinder – aus der Region handelt. Die vier wollten mutmasslich in die Ferien fliegen: Sie waren jedenfalls am Samstagmorgen kurz nach 9.30 Uhr auf dem Flugplatz in Kägiswil Richtung Frankreich gestartet.

Dem Vernehmen nach soll es sich beim Unfallpiloten um einen Kadermann der Pilatus Flugzeugwerke AG handeln. Deren Sprecher Jérôme Zbinden will dies weder bestätigen noch dementieren. Die Polizei sagt zur Identität der Todesopfer nichts. Die Fahnen vor dem Privathaus der Familie stehen auf Halbmast.

Augenzeuge: Vermutlich einen Baum touchiert

Es war kurz vor 10 Uhr am Samstagmorgen, als Eduard Keiser damit beschäftigt war, die reifen Äpfel von einem Baum abzulesen. Der 58-jährige Augenzeuge stand auf einer Leiter, sein Blick war nach oben gerichtet. Keiser erinnert sich: «Ich sah, wie das Flugzeug über die Krete des Loppers flog und unmittelbar danach in Schieflage geriet. Ich hoffte, der Pilot könne das Flugzeug noch abfangen.» Dem war aber nicht so. Keiser vermutet, dass der Pilot auf der Krete einen oder mehrere Bäume touchierte. Der Flieger jedenfalls rammte Sekundenbruchteile später in ein bewaldetes Gebiet am nördlichen Lopper.

Keiser, der wenige Stunden nach dem Unglück erschüttert vor seinem Haus in seinem Garten sitzt, erzählt weiter: «Ich hörte den Aufprall des Flugzeugs. Kurz danach kam es zu einer Explosion. Die Flammen schossen 20 bis 30 Meter in die Höhe.» Aufgrund dieses Anblicks war sich der Augenzeuge sofort bewusst, dass diesen Absturz niemand überlebt hatte. «Daher begab ich mich», so Keiser weiter, «auch nicht an den Unglücksort.» Der Hergiswiler telefonierte sofort der Feuerwehr, die aber bereits Kenntnis vom Unfall hatte.

Waldbrandgefahr wegen der enormen Trockenheit

Beim Absturz des Kleinflugzeugs ist das Umland an der Absturzstelle in Brand geraten – bei der derzeitigen Trockenheit bedeutet das höchste Alarmstufe. Schliesslich warnen die Behörden schon seit Tagen vor Waldbrandgefahr. Bevor die Einsatzkräfte zum Unfallort vorrücken konnten, musste daher das Feuer von einem Helikopter gelöscht und der Zugang zur Absturzstelle freigeräumt werden. Das Flugzeug erlitt Totalschaden und brannte vollständig aus. Die Löscharbeiten konnten gegen Mittag erfolgreich abgeschlossen werden. Die Bergung des Wracks war am späteren Nachmittag noch immer in Gang. Grund: Die Absturzstelle befindet sich oberhalb des Gehöfs Hüsli 1 in einem schwer zugänglichen Waldstück.

Einsatzkräfte bei der Rengg in Hergiswil. (Bild: Manuela Jans-Koch)

Einsatzkräfte bei der Rengg in Hergiswil. (Bild: Manuela Jans-Koch)

Im Einsatz standen nebst der Polizei auch die Rega, die Feuerwehren von Stans und Hergiswil, der Rettungsdienst, die Alpine Rettung Schweiz, die Schweizerische Unfalluntersuchungsstelle (Sust) sowie Helikopter eines privaten Unternehmens zu Löschzwecken.

Trauer bei der Motorfluggruppe Pilatus

Die Bundesanwaltschaft ermittelt zusammen mit der Sust, der Staatsanwaltschaft und der Kantonspolizei Nidwalden die Absturzursache. Die Polizei sucht Zeugen des Unfalls. Personen, die Hinweise zum Absturz machen können, sollen sich unter der Telefonnummer 041 618 44 66 melden. Der Flugzeugabsturz hatte bisher keine grösseren Auswirkungen auf den Strassen- oder Schienenverkehr am Lopper.

Die Oldtimer-Air-Flugparade am Stanserhorn, die am Samstagnachmittag hätte stattfinden sollen, wurde «aus Pietätsgründen» auf den 15. September verschoben. Jürg Balsiger, Direktor der Stanserhornbahn, begründete die Verschiebung auf Anfrage mit dem Unglück in Hergiswil. Die Betroffenheit in der Fliegerszene sei sehr gross. Man sei mit den Gedanken bei den Opfern und ihren Angehörigen. Wie man hört, standen auch Mitarbeiter des Flughafen-Towers in Buochs unter Schock. Diese hätten sich nicht im Stande gefühlt, die Oldtimer-Air-Flugparade zu überwachen. Auch die Motorfluggruppe Pilatus MFGP trauert um die Toten. Auf der Website heisst es: «Wir trauern um den Verlust der Insassen der am 4.8.2018 verunglückten HB-EZW und sprechen den Angehörigen unser tiefstes Beileid aus.»

Die Absturzstelle liegt oberhalb von Hergiswil in einem Waldstück (Bild: Radio-Pilatus-Hörer Daniel)

Die Absturzstelle liegt oberhalb von Hergiswil in einem Waldstück (Bild: Radio-Pilatus-Hörer Daniel)

Oberhalb von Hergiswil löscht ein Helikopter das Feuer, das der Flugzeugabsturz verursacht hat. (Bild: Leserreporter)

Oberhalb von Hergiswil löscht ein Helikopter das Feuer, das der Flugzeugabsturz verursacht hat. (Bild: Leserreporter)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.