Nach 400 Jahren ziehen Ob- und Nidwalden einen Schlussstrich unter einen alten Fischereistreit

In der Seeenge von Stansstad darf wieder gefischt werden. Damit wird eine Vereinbarung zwischen Nid- und Obwalden aus dem Jahre 1632 aufgelöst.

Matthias Piazza
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Die Seeenge in Stansstad ist kein Fischereischongebiet mehr.

Die Seeenge in Stansstad ist kein Fischereischongebiet mehr.

Bild: Matthias Piazza (Stansstad, 28. Mai 2020)

Die Nidwaldner fischen den Alpnachersee leer – und die Obwaldner gehen leer aus. Dieser Ansicht waren zumindest die Obwaldner im 17. Jahrhundert. Sie fühlten sich von den Nidwaldnern benachteiligt, weil diese ihrer Meinung nach bei der Seeenge in Stansstad zu viele Fische an Land zogen und der Fischfang im Alpnachersee dadurch weniger attraktiv war. Dieser Streit ging offenbar so weit, dass es den Ratsvorsitzenenden der beiden Halbkantone irgendwann zu bunt wurde. Im Jahr 1632 trafen sie eine Vereinbarung, wonach in diesem Gebiet jegliches Fischen verboten sei. Gestützt auf diese Vereinbarung erklärte der Nidwaldner Regierungsrat 1969 die Seeenge an der sogenannten Lopp unterhalb der Lopperbrücke zum Schongebiet.

Nun ziehen die beiden Kantone einen Schlussstrich unter das 388 Jahre alte Kapitel. Mit dem Einverständnis des Kantons Obwalden hat der Nidwaldner Regierungsrat diese Vereinbarung aus dem 17. Jahrhundert und den Beschluss von 1969 aufgelöst, wie er in einer Mitteilung vom Donnerstag schreibt. «Wir sind an der Revision des kantonalen Fischereigesetzes. Dabei nutzten wir die Gelegenheit, diesen alten Zopf abzuschneiden und das fast 400 Jahre alte Kriegsbeil zu begraben», sagt dazu Justiz- und Sicherheitsdirektorin Karin Kayser. Allerdings dürfte sich nach ihrer Einschätzung der Einfluss für die Fischer in Grenzen halten. Vor allem wegen der Schifffahrt. Das Setzen von Fischnetzen und anderen Fischereigeräten durch Berufsfischer ist nur unter Auflagen möglich. Und das Angeln vom Ufer aus ist bereits heute gestattet.

«Für Hobbyfischer könnte die Seeenge attraktiv werden»

Auch Simon Rohrer, Präsident der Seefischer Nidwalden, misst der Seeenge keine grosse Bedeutung für die Berufsfischerei zu. «Aber für Hobbyfischer könnte die Seeenge noch attraktiv sein, da sich dort einige der wenigen Stellen befinden, wo der Vierwaldstättersee nicht tief ist, was sich besonders in den Sommermonaten positiv auf die Vegetation auf dem Seegrund auswirkt.» Er geht darum davon aus, dass die Fischer nun vermehrt an der Lopp anzutreffen seien, jetzt, wo nicht mehr nur das Freiangeln erlaubt sei, sondern auch das Spinnfischen. Dabei werden Beuteimitate so verlockend vorgeführt, dass der Raubfisch zum Anbiss verleitet wird. Der Köder täuscht durch rotierende, taumelnde oder ruckartige Bewegungen ein lebendes, geschwächtes oder verletztes Fischchen vor.

Dass es im 17. Jahrhundert zwischen den beiden Kantonen wegen der Fischerei zum Streit gekommen ist, kann sich Simon Rohrer gut vorstellen. «Solche Rivalitäten kenne ich aus eigener Erfahrung», meint er mit einem Schmunzeln. «Es kommt schon vor, dass wir ganz genau beobachtet werden, wenn wir mit unserem Boot mit Nidwaldner Nummernschild im Obwaldner Teil des Alpnachersees fischen.» Aber grundsätzlich habe man schon keine mittelalterlichen Zustände mehr auf dem See. «Wir Fischer pflegen in den sozialen Netzwerken oder auch unter den Fischereivereinen kantonsübergreifende Freundschaften.»