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Wollen Sie wirklich wissen, woran Sie sterben werden?

In Luzern debattieren zurzeit Wissenschaftler über die neusten Entwicklungen der Genforschung. Neben der Medizin rücken ethische Fragen in den Fokus.
Robert Knobel
Die Gentechnik für die menschliche Gesundheit hat in jüngster Zeit grosse Fortschritte gemacht. (Symbolbild: Christian Beutler/Keystone)

Die Gentechnik für die menschliche Gesundheit hat in jüngster Zeit grosse Fortschritte gemacht. (Symbolbild: Christian Beutler/Keystone)

Die chinesischen Zwillinge Lulu und Nana sorgten im vergangenen November weltweit für Schlagzeilen: Ihre Gene waren so manipuliert worden, dass sie nicht an Aids erkranken konnten, obwohl ihr Vater HIV-positiv ist. «In 20 Jahren werden die beiden Mädchen ihre Gene möglicherweise an ihre Kinder weitergeben. Und dann stellen sich ganz neue Fragen», sagt Toni Cathomen, Professor für Zell- und Gentherapie in Freiburg im Breisgau. Dürfen die Gene eines Menschen künstlich verändert werden? Wenn ja, wie wirkt sich dies auf die Nachkommen aus? Für die Theologin Ruth Baumann-Hölzle ist klar:

«Gentechnik ist gerechtfertigt, wenn sie kranken Menschen hilft und wenn dadurch nicht kommende Generationen geschädigt werden.»

«Genetik – Chance und Dilemma»: Dies ist das Motto der Trendtage Gesundheit, die unter dem Patronat des Kantons Luzern stehen und am Mittwoch begonnen haben. Während zwei Tagen treffen sich Fachleute aus den Gebieten Gesundheit und Medizin im KKL, um sich über die neusten Entwicklungen in der Forschung – aber auch über ethische Fragen – auszutauschen.

Gute Gene werden «eingeimpft»

Fakt ist: Die Gen-Forschung hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht. Theoretisch sei es heute beispielsweise möglich, bei einem Embryo im Reagenzglas den Gendefekt Trisomie 21 zu korrigieren, sagte Toni Cathomen in seinem Referat. Doch nicht nur beim werdenden Leben können Gene «therapiert» werden. So gibt es laut Cathomen neuerdings die Möglichkeit, Patienten mit Bluterkrankheit die «guten» Gene, die ihnen fehlen, in die Leber einzuimpfen. Gentherapien sind heute allerdings noch extrem teuer – sie können mehrere hunderttausend Franken pro Patient kosten. Cathomen plädiert dafür, sich davon nicht abschrecken zu lassen. «Wenn ein Patient geheilt wird, vermeiden wir auf der anderen Seite hohe Krankheitskosten.»

Doch die Genetik spielt nicht nur bei der Behandlung von Krankheiten eine zunehmend wichtige Rolle. Das Wissen um die Gene hilft auch bei der Prävention. Die Gen-Analyse hat in den letzten Jahren ebenfalls grosse Fortschritte gemacht. So lässt sich etwa das Risiko, an einer Herzkrankheit zu sterben, dank der Gen-Analyse viel genauer beziffern als früher.

Es gibt ein «Recht auf Nichtwissen»

Doch welche Folgen hat es, wenn eine Person plötzlich über seine Gene definiert wird? Wie geht jemand mit dem Wissen um, dass er Träger einer Erbkrankheit ist, die irgendwann ausbrechen wird? Ruth Baumann pocht auf ein «Recht auf Nichtwissen». Denn Informationen über unsere Gene betreffen nicht nur uns selber, sondern möglicherweise auch unsere Familie, welche nach einem positiven Gentest eines Mitglieds plötzlich pauschal auf der Verdachtsliste steht.

Theologe Thomas Wallimann von der Schweizer Bischofskonferenz ruft derweil in Erinnerung:

«Wir gehen davon aus, dass mehr Gesundheit mehr Glück bedeutet. Es gibt aber Menschen, die uns das Gegenteil beweisen.»

Gregor Zünd, CEO des Zürcher Unispitals, hebt derweil die segensreiche Wirkung des zunehmenden Wissens hervor. «Stellen Sie sich vor, wir können einem Asthmapatienten voraussagen, dass er in sechs Stunden einen Anfall haben wird. Dann kann er die nötigen Vorkehrungen treffen.»

Ruth Baumann warnt gleichzeitig davor, in einen «Gesundheits-Totalitarismus» zu verfallen. «Ich habe die Freiheit, Dinge zu tun, die mir nicht gut tun.»

Wer sein Gen-Risiko kennt, lebt gesünder

Über die psychologische Wirkung von Gentests hatte Jeanette Erdmann, Direktorin des Instituts für Kardiogenetik an der Universität Lübeck, Spannendes zu berichten: Wer weiss, dass er ein genetisch hohes Risiko für Herzkrankheiten hat, lebt gesünder. Das hat eine Studie in Finnland herausgefunden. So fühlten sich 90 Prozent der Betroffenen motiviert, künftig gesünder zu leben. 14 Prozent haben aufgrund ihrer Gen-Analyse aufgehört zu rauchen, 13 Prozent senkten ihr Gewicht.

Mehr Informationen: www.trendtage-gesundheit.ch

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