Kehrtwende der Stadt Luzern: Wochenmarkt findet bis Mitte April nicht mehr statt

Trotz gegenteiliger Anweisung des Bundes fand in Luzern am Dienstagvormittag der Markt statt. Doch die Stadt hat reagiert – und sagt künftige Märkte bis am 19. April ab.

Julian Spörri
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Trotz Corona-Virus und der «aussergewöhnlichen Lage» fand am Dienstagmorgen der Wochenmarkt in der Stadt Luzern wie gewohnt statt: Die Kundschaft schlenderte durch die Stände. Händler verkauften ihre Waren: Fleisch, Käse, Gemüse, Brot und Blumen standen im Angebot. Die Corona-Krise hatte keine direkten Auswirkungen auf den Marktbetrieb –Gesprächsthema Nummer 1 war sie dennoch. «Habt ihr heute weniger Kundschaft?» war eine häufig gestellte Frage, die über die Ladentheke gewechselt wurde.

Bilder: Patrick Hürlimann

«Heute sind zwar weniger Menschen auf dem Markt», sagte Astrid Bühlmann, die mit ihrem Floristik-Geschäft Baumnuss vor Ort war. «Aber ich habe sogar mehr Blumen verkauft als sonst an einem Dienstag.» Vermutlich würden die Leute nochmals zugreifen, weil es vielleicht das letzte Mal sei, so Bühlmann. «Während der Frühlingszeit haben viele Menschen das Bedürfnis, eine Pflanze für den Balkon oder drinnen zu kaufen, zumal man jetzt aufgrund der Corona-Massnahmen mehr zu Hause ist.»

Veranstaltungen sind vom Bund verboten

Überraschend war, dass am Markt überhaupt noch Blumen verkauft werden durften. Ihr Blumen-Geschäft in der Buobenmatt darf Bühlmann nämlich ab sofort nicht mehr öffnen. Gemäss Bund gelten infolge des Corona-Virus seit Mitternacht neue Regeln, so dass alle Läden und Märkte geschlossen bleiben müssen. Nur die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln, Medikamenten und Waren des täglichen Gebrauchs ist gestattet. Zudem sind öffentliche und private Veranstaltungen verboten.

Ein Blumenstand am Wochenmarkt vom Dienstag.

Ein Blumenstand am Wochenmarkt vom Dienstag.

In der Medienmitteilung des Bundesrates vom Montag wurde die Öffnung von Märkten eigentlich explizit verboten. Bei der Stadt Luzern hiess es auf Anfrage, dass Märkte wie Flohmärkte und Monats-Warenmärkte selbstverständlich unmittelbar ausgesetzt worden seien. Die neue Verordnung sei so interpretiert worden, dass der Wochenmarkt weiter stattfinden könne, zumal er «Lebensmittel oder Gegenstände für den täglichen Bedarf» anbiete, sagte Mario Lütolf, Leiter Stadtraum und Veranstaltungen, am Dienstagmorgen. Aufgrund der kurzfristigen Vorgabe habe man nicht über genügend Vorlaufzeit für eine abschliessende Klärung verfügt.

Mit kantonalen Fachstellen hat die Stadt darum abgeklärt, ob ihre Interpretation richtig war. Am Nachmittag fiel die Entscheidung, dass der Markt bis am 19. April vorläufig nicht weiter stattfinden kann. Lütolf sagt:

«Unsere Interpretation des Wochenmarktes als Beitrag zur Grundversorgung wird durch die Vorgabe des Bundes nicht gestützt.»

«Auch die Vertreter des Kantons haben uns dies zwischenzeitlich wissen lassen. Selbstverständlich tragen wir diesen Entscheid solidarisch mit.» Die Markthändlerinnen und Markthändler seien auf schriftlichem Weg informiert worden.

Für Markthändler geht es um die «Existenz»

Auf dem Wochenmarkt sei als Massnahme aber auf die Hygiene- und Präventionsmassnahmen gemäss Bundesamt für Gesundheit (BAG) hingewiesen worden, so Lütolf. «Die Markthändler selber sind hoch sensibilisiert für die entsprechenden Vorsichtsmassnahmen.» Dies sahen auch die Angesprochenen so: «Das Abstandhalten von zwei Metern wird auf dem Markt problemlos eingehalten», sagte ein Fleisch- und Käse-Verkäufer, der nicht genannt werden will. Er hoffte vergebens, dass der Markt weiterhin stattfindet: «Es wäre ein Witz, wenn Lebensmittelläden noch verkaufen dürfen, aber der Wochenmarkt geschlossen wird. Für mich geht es um die Existenz.»

Auch bei der Metzgerei Bürgisser aus Willisau sieht man keinen Unterschied zwischen dem Markt und einem Lebensmittelladen. «Der Markt ist sehr wichtig, weil das Verkaufslokal der Metzgerei nicht in Stadtnähe liegt», sagten die Verkäufer. Immerhin lief der heutige Tag erfreulich: «Dass es auf dem Markt weniger Leute hatte, wurde dadurch aufgewogen, dass die Besucher mehr gekauft haben.»

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