Vertragsabschlüsse in letzter Minute erschweren Luzerner Schulabgängern den Start ins Berufsleben

Wer noch keine Lehrstelle hat, muss sich sputen: In den letzten Wochen vor Lehrbeginn stehen viele Jugendliche noch immer ohne Lehrvertrag da. Ein kurzfristiger Abschluss eines solchen birgt aber Risiken – bis hin zur Vertragsauflösung.

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(pd/dvm) Bis Ende Mai bewilligte die Dienststelle Berufs- und Weiterbildung 3328 Lehrverträge, etwa gleich viele wie im Vorjahr. Noch sind vielerorts die Lehrstellen-Suche sowie die entsprechenden Vertragsabschlüsse aber noch am Laufen. Erfahrungsgemäss dürften in den letzten zehn Wochen vor Lehrbeginn weitere 1200 Lehrverträge dazu kommen, wie das Bildungs- und Kulturdepartement des Kantons Luzern am Dienstag mitteilte.

So werde es im Sommer bei der Bewilligung der Lehrverträge sowie der Klassenplanungen wiederum zu Engpässen kommen. Schwerwiegender als die administrativen Folgen später Vertragsabschlüsse sind mögliche Probleme für die Lehrlinge selber. Der Abschluss von Lehrverträgen in letzter Minute verunmöglicht dem Kanton zufolge die Begleitung der künftigen Lernenden durch den Betrieb und «birgt vermehrt das Risiko von Lehrvertragsauflösungen in der Probezeit». Frühzeitig abgeschlossene Lehrverträge hingegen würden es den Lehrbetrieben erlauben, mit ihren künftigen Lernenden nach der Vertragsunterzeichnung in Kontakt zu bleiben und mit Zielsetzungen auch Einfluss auf den Verlauf und die Leistungen des 9. Schuljahres zu nehmen. «Der Einstieg in die Berufliche Grundbildung wird dabei beiden Seiten erleichtert», hält die Bildungsdirektion fest.

Abbild der wirtschaftlichen Situation im Kanton

Bei der Lehrstellensituation setzen sich die Trends der vergangenen Jahre fort. Einerseits gibt es Berufe mit grosser Nachfrage, jedoch praktisch keine freien Lehrstellen mehr. Dies ist laut dem Kanton beispielsweise im Informatikbereich, im Bereich Fachangestellte Gesundheit und im KV der Fall. «In diesen Branchen sind die Lehrstellenzahlen auf hohem Niveau stabil». Andererseits gebe es Berufe mit gutem oder grossem Angebot, die aber zu wenig Bewerbungen aufweisen würden. Dazu gehörten das Gastgewerbe, die Haustechnik, Metall- und Maschinenindustrie, die Auto- und Carrosserie-Branche, das Baugewerbe, die Coiffeurbetriebe, wie auch die Lebensmittelbranche allgemein sowie einzelne Branchen im Detailhandel.

Die Lehrstellensituation im Kanton Luzern ist grundsätzlich stabil, wie der Mitteilung weiter entnommen werden kann. Seit Jahren sinken zwar die Lernendenzahlen in der Berufsbildung. Dies aber nicht in dem Ausmass, wie die Abgängerzahlen der Schülerinnen und Schüler aus der Volksschule. Dafür gibt es laut dem Bildungsdepartement Gründe: «Der KMU-Kanton Luzern ist attraktiv für junge Menschen und kann auf eine hohe Ausbildungsbereitschaft der Betriebe zählen, welche ihren Ausbildungsauftrag ernst nehmen und die Lernenden mit Engagement und guter Betreuung zum erfolgreichen Abschluss führen.» Die hohe Qualität der Berufsbildung führe auch dazu, dass die Zahl der Lernenden mit ausserkantonalem Wohnort konstant hoch bleibe.