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Tödliche Messerstiche in Littau: Staatsanwaltschaft fordert lebenslänglich für Mord

Am Donnerstag startete vor dem Luzerner Kriminalgericht der Prozess zum Mordfall in Littau 2016. Ein Portugiese hat seine Ehefrau mit 15 Messerstichen getötet. Er handelte laut der Anklage aus Rache und Eifersucht. An der Verhandlung erinnerte er sich an viele Details, nur nicht an die Tat.
Roger Rüegger
Hier beim Restaurant Ochsen in Littau soll der Beschuldigte seine Frau umgebracht haben. (Bild: Nadia Schärli, Littau, 12. November 2016)

Hier beim Restaurant Ochsen in Littau soll der Beschuldigte seine Frau umgebracht haben. (Bild: Nadia Schärli, Littau, 12. November 2016)

«Du Monster», hat ein aufgebrachter Besucher des Luzerner Kriminalgerichts dem Beschuldigten hinterher gerufen, als dieser den Saal in Begleitung zweier Polizeibeamter verliess. Der Staatsanwalt beantragte für den 58-jährigen Portugiesen eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes an seiner Ehefrau.

Bei der Verhandlung ging es nicht darum, ob der Beschuldigte die Tat am 12. November 2016 verübt hatte, sondern ob er diese geplant hatte und warum. Also ob es Mord oder vorsätzliche Tötung war. Fakt ist, dass der Vater einer Tochter und eines Sohnes, seine Familie zerstörte, indem er seine Frau vor dem «Ochsen» in Stadtteil Littau mit 15 Messerstichen getötet hatte.

Im Spital mit dem Tod gedroht

Der Staatsanwalt sprach von einer «besonders skrupellosen und verwerflichen Tat, die aus extremem Egoismus, Rache und krankhafter Eifersucht begangen wurde». Der Familienvater habe seiner Frau vorgeworfen, ein Verhältnis mit einem Landsmann gehabt zu haben. «Dieses Verhältnis fand aber nur im Kopf des Beschuldigten statt», schilderte der Anklagevertreter. Ein Blumenstrauss und ein Schokoladenherz, welche Spitalbesucher seiner Frau während eines Klinikaufenthaltes mitgebracht hätten, seien für den Mann der Beweis für ihre Untreue gewesen. Er habe ihr im Spital gedroht, sie umzubringen.

Ehefrau wollte sich vom Beschuldigten trennen

Seine Eifersucht habe ihn wiederholt zu gewaltsamen Übergriffen gegenüber seiner Frau getrieben. Die Frau habe zwei Mal die Trennung von ihm verlangt, diese aber wieder zurückgezogen. Nach ihrem Klinikaufenthalt sei sie nicht ins gemeinsame Schlafzimmer zurückgekehrt, sondern habe das Zimmer des ausgezogenen Sohnes bezogen. Nun habe der Beschuldigte realisiert, dass sie es ernst meine mit der Trennung. Das sei vier Tage vor seiner blutigen Abrechnung gewesen.

Der Beschuldigte betrat den Gerichtssaal mit gesenktem Kopf, ohne einen Blick auf die Besucher zu werfen. Es waren etliche Angehörige seiner Familie anwesend, auch seine erwachsenen Kinder, die als Privatkläger auftraten. Bei der Befragung durch die Richter wurde eine Dolmetscherin beigezogen. Mehrere Male raunten einige Landsleute des Beschuldigten bei Aussagen. Einerseits, weil Antworten oder Fragen nicht korrekt wiedergegeben wurden, andererseits ob deren Inhalt. Die Frage nach dem Motiv und wie die Tat vonstatten ging, beantwortete der Mann nicht. Er erinnere sich nicht, sagte er jedes Mal. Jedoch wusste er genau, dass er mit einer 50er-Note zwei Kaffee bezahlt hatte und später von der Polizei festgenommen wurde. Den Staatsanwalt befremdete dies:

«Wie kann es sein, dass man sich an Banalitäten erinnert, aber relevante Dinge aus dem Gedächtnis verschwunden sind?»

Der Beschuldigte bestritt auch Tätlichkeiten gegen seine Frau. Die Polizei sei zwar aufgetaucht, aber es seien nie gravierende Dinge gewesen. Seine Frau habe aus Mücken Elefanten gemacht und jeweils schnell die Polizei gerufen. Der Staatsanwalt betont, dass die Kinder andere Aussagen machten. Dass ihr Vater häufig auf die Mutter losgegangen sei. Auch mit einem Messer.

In Portugal habe er gar auf sie geschossen.

Der Verteidiger beantragte eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren für vorsätzliche Tötung. Die Tat sei nicht geplant gewesen. Sein Mandant sei aus gesundheitlichen Gründen mit 41 aus dem Berufsleben ausgeschieden und habe IV bezogen. Das habe ihm psychisch zugesetzt und sein Wesen verändert. Die Eheleute hätten sich auseinandergelebt. Dies habe dazu geführt, dass er glaubte, seine Frau habe eine Beziehung mit einem anderen. Am 12. November 2016 habe dies zum Eklat geführt.

Die zwei Kinder des Ehepaars forderten von ihrem Vater eine Genugtuung von je 55'000 Franken. Der Anspruch auf eine Genugtuung wurde vom Beschuldigten anerkannt.

Am Ende der Verhandlung sagte der Beschuldigte, es tue ihm leid, was er der Familie angetan hatte. Einige Angehörige brachen in Tränen aus, andere wurden wütend. «Monster!»

Das Urteil wird zu einem späteren Zeitpunkt mündlich eröffnet.

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