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Schweinestall in Meggen: Gezanke um Gestank spitzt sich zu

Jetzt äussert sich der Gemeinderat zur zerfahrenen Situation um den Bauernhof der Familie Hofer – und spricht ihr eine Mitschuld zu. Für Landwirt Kaspar Hofer sind das «freche Unterstellungen».
Roman Hodel und Kilian Küttel
Dieser Schweinestall der Bio-Bauern Kaspar (rechts) und Balthasar Hofer muss weg. (Bild: Pius Amrein, 17. Juni 2019)

Dieser Schweinestall der Bio-Bauern Kaspar (rechts) und Balthasar Hofer muss weg. (Bild: Pius Amrein, 17. Juni 2019)

Der Fall der Megger Bio-Bauernfamilie Hofer schlug hohe Wellen: Weil sich ein Nachbar wegen des Gestanks des Schweinestalls wehrte, muss dieser weg. Er liegt viel zu nahe an der Wohnzone – was allerdings schon seit Jahrzehnten der Fall ist. Kommt dazu: Ein Neubau kostet mindestens eine Million Franken – das kann sich die Familie nicht einfach so leisten. Deshalb läuft eine Spendenaktion (wir berichteten).

Als Sündenbock steht vor allem die Gemeinde da, weil sie Land so nahe beim Bauernhof eingezont hat. Diese kontert nun mit einer Medienmitteilung, die sie am Donnerstagvormittag verschickt und in der sie von «Fakten statt Emotionen» schreibt.

Hofer spricht von alten Geschichten

Die Gemeinde wehrt sich dagegen, die Hauptschuldige zu sein – und zeigt auf, dass die Familie Hofer die Situation mitverantwortet. Denn diese habe in den Jahren 1957 bis 1966 knapp 7000 Quadratmeter Land ihrer Liegenschaft verkauft – unterhalb des Schweinestalls. Es ist jenes Land, auf dem mehrere Villen und Einfamilienhäuser stehen. Zum Zeitpunkt der ersten Zonenplanung im Jahr 1977 war diese Landfläche laut der Gemeinde bereits mehrheitlich überbaut. «Die Gemeinde musste diese also zwangsläufig einer Bauzone zuweisen», heisst es weiter. Für Landwirt Kaspar Hofer kann es das nicht sein. Auf Anfrage sagt er:

«Das Land hat meinem Grossvater gehört, damit habe ich nichts zu tun.»

Dass die Gemeinde so alte Geschichten «hervorkrame» zeige, dass sie «nichts anderes in der Hand hat.»

Doch das hat die Gemeinde. Namentlich kritisiert sie die Schweinehaltung an sich. In der Mitteilung heisst es: «1957 wurde auf dem benachbarten Grundstück gegenüber dem Stall bereits ein Wohnhaus erstellt. Auch wenn zum heutigen Zeitpunkt nicht mehr nachvollzogen werden kann, ob damals bereits eine Schweinehaltung durch die Familie Hofer betrieben wurde, ist davon auszugehen, dass diese in einem geringen Ausmass stattfand.»

Hat der Bauer den Betrieb umgestellt oder nicht?

Belegt sei, dass die Familie den Tierbestand im Jahr 2015 erhöht hat – auf 20 Zuchtschweine und zwei Eber. In den Jahren 2012 bis 2014 waren es lediglich sieben Mastschweine gewesen. Die Zahlen beruhten auf der Selbstdeklaration der Familie an den Kanton.

Anders sieht dies der Megger Landwirt. Kaspar Hofer spricht von «frechen Unterstellungen»:

«Wir haben 1996 unseren Betrieb auf Bio umgestellt. Seither hatten wir immer 20 Sauen.»

Jeweils in zwei Gruppen unterschiedlicher Entwicklung. Sobald eine Zehnergruppe das Gewicht von 80 Kilogramm erreichte, habe man sie schlachten lassen und zehn neue Tiere angeschafft.

Aus Sicht des Gemeinderates jedenfalls hat eine Umstellung von sieben auf 22 Tiere stattgefunden. Deshalb sei die Geruchsbelastung gestiegen, was schliesslich dazu geführt hat, dass sich der Nachbar mit einer Klage beschwert hat. Als ihn unsere Zeitung telefonisch erreicht, kommt Nachbar Daniel Wirth schnell auf die Umstellung zu sprechen: «Wichtig ist, dass es eine Umstellung von Mast- auf Zuchtschweine gegeben hat.»

Nachbar erlebt Telefonterror

Um dies zu untermauern, legt er das Formular zur Berechnung der Mindestabstände bei Tierhaltungsanlagen vor, das der Kanton zur Verfügung stellt. Dabei haben Mastschweine bei Vor- und Endmast sowie Aufzucht einen Belastungsfaktor von 0,2. Multipliziert mit 7 gibt das einen Wert von 1,4. Bei Zuchtschweinen liegt der Wert pro Tier zwischen 0,3 und 0,35. Bei einem Stall mit 16 tragende Mutterschweinen, vier säugende Mutterschweinen und zwei Ebern kommt Wirth auf einen Wert von 6,8:

«Die Belastung hat sich also fast verfünffacht. Das haben in der Berichterstattung der letzten Tage wahrscheinlich einige nicht verstanden.»

Vielleicht ein Grund, weshalb die letzte Zeit schwierig für Wirth und seine Familie war. Es sei zu Anfeindungen gekommen – weniger im Dorf als viel mehr übers Telefon:

«Wir haben es mittlerweile abgeschaltet und brauchen es nur noch, wenn wir selber jemanden anrufen wollen.»

Bis in die frühen Morgenstunden habe es zeitweise fast ununterbrochen geklingelt. Wirth ist noch eines wichtig: «Ich sage es nochmals: Ich bin nicht der einzige, der sich am Gestank stört. Auch andere Anwohner sagen das Gleiche. Und meine Klage hat den Ausschlag für die Stallschliessung nicht gegeben, sondern lediglich beschleunigt, wie das der Gemeinderat festhält.»

Gemeinde zweifelt Einkommensanteil an

Zurück zur Mitteilung: Laut dieser legte die Familie Hofer mehrmals dar, dass die Schweinehaltung in etwa die Hälfte des landwirtschaftlichen Einkommens ausmache. Aufgrund der eingereichten Unterlagen und der Strukturen des Betriebes sei jedoch ersichtlich, dass die Haltung von lediglich 20 Zuchtschweinen und zwei Ebern nicht einen Anteil von 50 Prozent des landwirtschaftlichen Einkommens ausmachen könne, sondern deutlich weniger. Worauf Hofer erwidert: «Auch das stimmt nicht. Meine 24 Kühe machen etwa 80 000 Franken meines Einkommens aus, für die Sauen sind es über 100 000 Franken.»

Dass die Gemeinde erst jetzt ihre Sicht der Dinge so detailliert schildert, hat laut Gemeindeammann Hans Peter Hürlimann seine Gründe:

«Wir sind stets um Zurückhaltung bemüht und schätzen ein gutes Einvernehmen im Dorf – doch was wir in den letzten Wochen erlebt haben, ist beispiellos.»

Noch nie sei die Gemeinde in diesem Ausmass mit negativen Mails, Telefonaten und Schreiben eingedeckt worden. «Und das nicht nur aus der Region Luzern, sondern der ganzen Schweiz und sogar aus dem Ausland», so Hürlimann. Deshalb habe sich die Gemeinde entschieden, die Fakten detailliert aufzuarbeiten und die Öffentlichkeit zu informieren. «Es ist wichtig zu wissen, dass auch die Familie Hofer ihren Anteil an der Ist-Situation trägt», so Hürlimann.

Bauer bringt die Anwälte ins Spiel

Trotzdem: Wie bereits von Gemeindepräsident Urs Brücker (GLP) angekündigt, werde sich die Gemeinde nächste Woche mit der Familie Hofer treffen und nach möglichen Lösungen suchen. Hürlimann: «Daran ändert sich nichts, denn auch der Gemeinderat bedauert es sehr, dass sich die Familie in ihrer Existenz bedroht fühlt.»

Kaspar Hofer sagt, er werde an diesem Treffen teilnehmen - begleitet von seiner Anwältin. Für ihn gibt es nur eines: «Ich habe der Gemeinde meinen Lösungsvorschlag dargelegt. Sie sollen mich meinen neuen Stall bauen lassen, dann habe ich meinen Frieden.»

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