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Stadt Luzern will Quartierarbeit für ältere Menschen verstärken

Das Angebot an ambulanten Dienstleistungen für die ältere Bevölkerung soll verstärkt werden. Damit könnten langfristig Gesundheitskosten gespart werden, argumentiert der Stadtrat.
Hugo Bischof
Tamara Renner, Co-Präsidentin des Vereins Vicino Luzern, und der Luzerner Stadtrat Martin Merki vor dem provisorischen Vicino-Pavillon im Bleichergärtli im Quartier Hirschmatt/Neustadt in der Stadt Luzern. Bild: Nadia Schärli (Luzern, 6. Mai 2019)

Tamara Renner, Co-Präsidentin des Vereins Vicino Luzern, und der Luzerner Stadtrat
Martin Merki vor dem provisorischen Vicino-Pavillon im Bleichergärtli im Quartier Hirschmatt/Neustadt in der Stadt Luzern. Bild: Nadia Schärli (Luzern, 6. Mai 2019)

Mit dem Bericht und Antrag «Quartierarbeit für ältere Menschen» präsentiert der Luzerner Stadtrat einen weiteren Mosaikstein seiner Alterspolitik. Er schlägt dem Stadtparlament vor, mit dem Verein Vicino Luzern eine Leistungsvereinbarung im Umfang von 400000 Franken jährlich abzuschliessen. Vicino (italienisch «nahe» und «Nachbar») unterstützt ältere Menschen im Quartier, fördert Nachbarschaftshilfe und Freiwilligenarbeit, und vernetzt die vielfältigen Akteure im Altersbereich (Spitex, Pro Senectute, Viva Luzern und so weiter). Stadtrat Martin Merki (FDP), Vorsteher der Sozial- und Sicherheitsdirektion, sagte an einer Medienkonferenz:

«Ältere Menschen sollen in ihrem vertrauten Umfeld möglichst lang, möglichst sicher und selbstständig leben können.»

Auslöser für den Bericht ist eine vom Stadtparlament überwiesene Motion. Sie verlangt die bedarfsgerechte Weiterentwicklung der Quartierarbeit für alle Generationen.

Präventives Angebot wird ausgebaut

Luzern gehört seit vielen Jahren zu den Schweizer Städten mit den meisten Senioren (zusammen mit Basel und Schaffhausen). «Ein Fünftel der Stadtluzernerinnen und Stadtluzerner ist heute 65-jährig und älter», sagte Paolo Hendry, Abteilungsleiter Alter und Gesundheit der Stadt Luzern. «Dieser Anteil wird zunehmen; für die damit zusammenhängenden Herausforderungen braucht es neue Lösungsansätze.» Neben dem Bedarf an stationärer und ambulanter Pflege sowie Unterstützungsangeboten – wie hauswirtschaftliche Dienstleistungen, Mahlzeitendienste oder die Entlastung pflegender und betreuender Angehöriger – würden präventive Massnahmen immer wichtiger.

Mit der Schaffung der Anlaufstelle Alter und dem Pilotprojekt «Gutscheine für selbstbestimmtes Wohnen» wurde das präventive Angebot in den letzten Jahren ausgebaut. Ergänzend dazu sollen nun die Nachbarschaftshilfe und Freiwilligenarbeit gefördert werden. Gegründet wurde der Verein Vicino Luzern 2016 durch dreizehn noch heute im Vorstand vertretene Mitgliederorganisationen, alle im Alters- und Gesundheitsbereich und in der Stadt Luzern tätig. Ein erster «Vicino»-Treffpunkt wurde im Bleichergärtli im Quartier Hirschmatt/Neustadt eingerichtet – in einem provisorischen Pavillon neben der ABL-Grossüberbauung Himmelrich. Stiftungen und Mitgliederorganisationen des Vereins Vicino Luzern finanzierten den Aufbau; auch die Stadt leistete einen Beitrag. Nach Abschluss der Bauarbeiten wird es einen festen Treffpunkt im Himmelrich geben.

Weitere Standorte in Littau und im Würzenbach

Das Projekt der Nachbarschaftshilfe soll nun schrittweise ausgeweitet werden. Im Juni wird ein zweiter Standort im Gebiet Littau Dorf eröffnet, im Zusammenhang mit der Überbauung Neuhushof der Wohnbaugenossenschaft WGL. Ein dritter Standort wird im Sommer/Herbst im Gebiet Würzenbach realisiert, voraussichtlich auf dem Vorplatz der ehemaligen Poststelle. Der bestehende Pavillon aus dem Bleichergärtli wird zu diesem Zweck hierher gezügelt. Längerfristig ist im Würzenbach eine Variante im Zusammenhang mit der neuen Nutzung des Schulhauses Schädrüti denkbar. Bis 2021 sollen weitere «Vicino»-Standorte im Wesemlin und im Gebiet Langensand/Matthof entstehen. Im Wesemlin mussten die Pläne wegen der Verzögerungen beim Bau des Quartierzentrums der Katholischen Kirche aber etwas zurückgestellt werden.

Pro Standort wird mit Betriebskosten von 160000 Franken pro Jahr gerechnet (80-Prozent-Personal-Stelle, Miete, Verwaltung). Dazu kommen jährlich 120000 Franken für die Geschäftsstelle und die übergeordneten Verwaltung. Die Standortkosten betragen 480000 Franken (bei drei Standorten), respektive 800000 Franken (bei fünf Standorten). Der Aufbau der Standorte soll durch Beiträge von Stiftungen finanziert werden, der Betrieb durch Eigenmittel und Eigenleistungen, Unterstützungsbeiträge der Stadt sowie die Beteiligung der Wohnwirtschaft. «Die Zusammenarbeit mit der Immobilienwirtschaft soll verstärkt werden», betont Stadtrat Merki.

«Die Dienstleistungen von Vicino Luzern können als wichtiger Standort- und Marktvorteil gewertet werden.»

Für Stadtrat Merki ist klar: «Mit dem jährlichen Beitrag von 400000 Franken können wir langfristig Gesundheitskosten sparen.» Der Betrag entspreche etwa 1,1 Prozent der jährlichen Ausgaben für die Pflegefinanzierung. Die Pflege-Restkosten, welche die Stadt zu tragen hat, könnten bei gleich bleibenden Rahmenbedingungen von heute jährlich 33,1 Millionen Franken in den kommenden Jahren weiter ansteigen. Es sei deshalb sinnvoll, «das Angebot an ambulanten Dienstleistungen auszubauen und die vorgelagerten präventiven Massnahmen zu stärken». Bisher zahlt die Stadt jährlich rund 1,7 Millionen Franken für präventive Massnahmen.

Mit Smartphone und Tablet zum «Digi-Treff»

Gemäss Tamara Renner, Co-Präsidentin des Vereins Vicino Luzern, gab es am «Vicino»-Standort Bleichergärtli in der zweiten Jahreshälfte 2018 knapp 300 Kontakte pro Monat. Besonders gut genutzt werde das Angebot von über 85-Jährigen, darunter deutlich mehr Frauen als Männer. Der Verein bietet im Bleichergärtli zahlreiche Dienstleistungen an. Ein Beispiel ist der «Digi-Treff» jeden Mittwochmorgen: Quartierbewohner kommen mit ihren Smartphones, Tablets und Laptops in den Pavillon und lösen gemeinsam ihre «digitalen Probleme»

Immer mehr Personen sind über 80-jährig

Gemäss neusten Prognosen wird der Anteil der über 65-Jährigen an der Gesamtbevölkerung der Stadt Luzern bis 2045 um etwa 50 Prozent zunehmen, der Anteil der über 80-Jährigen gar um mehr als 65 Prozent (siehe Grafik). Die Bevölkerung der Stadt wird im gleichen Zeitraum um 9,4 Prozent auf etwa 89000 Personen ansteigen.

Der Anteil der über 80-Jährigen ist in den einzelnen Quartieren unterschiedlich gross. Am höchsten ist der Anteil in den Gebieten Obergrund/Allmend (13,2 Prozent) und Langensand/Matthof (11,1 Prozent). Im Gebiet Langensand/Matthof ist dies besonders bemerkenswert, da dort keine Alters- oder Pflegeinstitution beheimatet ist (deren Bewohner sind in der Statistik inbegriffen). Interessanterweise findet in Quartieren mit einem hohen Anteil älterer Bewohner öfters als anderswo eine Verjüngung von unten her statt. So ist etwa das Gebiet Wesemlin/Dreilinden mit einem relativ hohen Anteil älterer Personen (9 Prozent) seit einiger Zeit auch bei Familien mit kleinen Kindern wieder sehr beliebt. Der Anteil der unter 20-Jährigen beträgt hier 18,8 Prozent. Das ist ein überdurchschnittlicher Jugendquotient. Ähnlich sind die Verhältnisse im Gebiet Langensand/Matthof (Jugendquotient 15,4 Prozent, Altersquotient 11,1 Prozent).

Stetig steigend ist der Anteil älterer Menschen in der Stadt Luzern, die zu Hause wohnen. Bei den 85- bis 89-Jährigen sind es 80 Prozent, bei den 94-Jährigen 61 Prozent. Erst bei den über 95-Jährigen liegt die Quote der Heimbewohnerinnen und -bewohner leicht höher als der Anteil jener, die zu Hause wohnen. (hb)

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