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Stadt Luzern auf dem Weg zur 100-Prozent-Tagesschule: Bürgerliche tasten sich vor

Soll die Mittagsbetreuung in den städtischen Schulen zum Standardmodell werden? Ja, finden die Linken, während die Bürgerlichen skeptisch sind. Doch bei CVP und FDP ist das letzte Wort dazu noch nicht gesprochen.
Robert Knobel
Über Mittag in der Schule bleiben und verköstigt werden – geht es nach dem Luzerner Stadtparlament, soll die Anzahl Hortplätze merklich erhöht werden. (Symbolbild: Keystone/Georgios Kefalas)

Über Mittag in der Schule bleiben und verköstigt werden – geht es nach dem Luzerner Stadtparlament, soll die Anzahl Hortplätze merklich erhöht werden. (Symbolbild: Keystone/Georgios Kefalas)

Die Zahl der «Tagesschüler» in der Stadt Luzern hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Heute besuchen 36 Prozent der Kindergärtner und Primarschüler mindestens einen Tag pro Woche einen Schülerhort. Dort erhalten sie ein Mittagessen – was den Eltern erlaubt, berufstätig zu sein.

Bisher hat der Stadtrat jeweils das Ziel verfolgt, dass in den einzelnen Schulhäusern Hortplätze für 40 Prozent der Schüler zur Verfügung stehen sollen. Doch es zeigt sich immer klarer, dass das Parlament hier einen deutlichen Zacken zulegen will. So hat es durchgesetzt, dass das St.Karli-Schulhaus nach Abschluss der Sanierung Hortplätze für mindestens 60 Prozent der Schüler anbieten muss (wir berichteten).

Dasselbe fordert die parlamentarische Bildungskommission nun für das Schulhaus Littau Dorf. Dort steht ebenfalls eine Totalsanierung an. Und wie im St. Karli ist die Kommission nicht zufrieden mit dem stadträtlichen Vorschlag, Plätze für nur 40 Prozent der Schüler anzubieten. Es ist davon auszugehen, dass die Forderung auch im Parlament eine Mehrheit findet. Denn dieses will eigentlich noch viel weiter gehen. Es hat nämlich im Februar 2019 eine Motion der GLP überwiesen, wonach der Stadtrat eine 100-Prozent-Quote anstreben soll. Das wäre ein radikaler Systemwechsel: Die Ganztagesbetreuung würde zum Standard – wer dies nicht wünscht, muss sein Kind extra abmelden. Solche Pläne verfolgt zurzeit auch die Stadt Zürich.

Im Luzerner Stadtparlament folgten die Meinungen zur Tagesschul-Frage weitgehend dem klassischen Links-Rechts-Schema: Linke und GLP sind für flächendeckende Tagesschulen, die Bürgerlichen dagegen. Allerdings ist davon auszugehen, dass hier noch einige Bewegung in die Positionen kommt. Schon bei der Abstimmung zur GLP-Motion gab es zwei Abweichler bei der FDP, darunter Parteipräsident Fabian Reinhard. Er findet es richtig, dass der Stadtrat nun ein «Luzerner Modell» für eine Tagesschule ausarbeiten wird und sagt:

«Wichtig ist, dass das Modell breit abgestützt ist. Deshalb soll der Stadtrat die Bildungskommission mit einbeziehen, und am Ende braucht es sicher auch eine Volksabstimmung.»

Auch wenn die FDP die Motion im Februar mehrheitlich abgelehnt hat, so werde sich die Partei sicher nicht gegen eine Weiterentwicklung des Betreuungssystems stellen, glaubt Fabian Reinhard.

CVP-Präsidentin blitzte bei der Partei ab

Auch die CVP ist bei der Tagesschul-Frage offenbar gespalten. In Zürich war die CVP treibende Kraft hinter dem Pilotversuch mit der 100-Prozent-Tagesschule. Und auch in der Stadt Luzern wollte die abgetretene CVP-Präsidentin Andrea Gmür das Thema mehrmals aufs Tapet bringen, wurde aber von der CVP-Fraktion im Stadtparlament zurückgebunden. So sagte Fraktionschefin Mirjam Fries bei der Ratsdebatte im Februar: «Gut möglich, dass es in ein paar Jahren Sinn macht, die Tagesschule für alle einzuführen. Im Moment funktioniert das Luzerner Modell aber zur Zufriedenheit der meisten Eltern und Schüler.» Die neue CVP-Präsidentin, Karin Stadelmann, will das Thema Tagesschulen «innerhalb der Partei nochmals diskutieren», wie sie sagt. Stadelmann betont gleichzeitig, dass ein blosser Mittagstisch noch keine Tagesschule macht. Sie sagt:

«Hinter einer Tagesschule steht ein pädagogisches Konzept. Das müsste einmal in den Vordergrund von Diskussionen gestellt werden.»

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