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Sogar Jean Nouvel ist interessiert am neuen Luzerner Theater

Zum Neubau oder der Erweiterung des Luzerner Theaters gibt es noch viele offene Fragen. Eine Info-Veranstaltung lieferte einige Erkenntnisse. Zumindest der Standort ist demnach geklärt.
Hugo Bischof
Das heutige Luzerner Theater am Theaterplatz. Seine Zukunft ist ungewiss, ein Neubau möglich. (Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 21. September 2018)

Das heutige Luzerner Theater am Theaterplatz. Seine Zukunft ist ungewiss, ein Neubau möglich. (Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 21. September 2018)

Sowohl ein Neubau als auch eine Erweiterung des jetzigen Theatergebäudes wären auf dem heutigen Theaterplatz in Luzern möglich. Das ergab eine Testplanung der Stadt. Am Dienstagabend informierten Stadt und Kanton Luzern nun über den derzeitigen Stand der Planung. Rund 100 Personen besuchten die öffentliche Veranstaltung in der Theaterbox, stellten Fragen und gaben Anregungen.

Standort

Offiziell ist der Standort-Entscheid noch nicht gefallen. Ganz klar in der Pole-Position ist der heutige Theaterplatz. Sowohl Stadtpräsident Beat Züsli als auch Regierungsrat Reto Wyss sprachen sich überraschend deutlich für diesen Standort aus. «Ich bin überzeugt, wir haben den Standort über die Testplanung gefunden», sagte Züsli. «Die Standortfrage ist mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit geklärt», betonte Wyss. «Der Theaterplatz wird bei der Bevölkerung auf grosse Zustimmung stossen.»

Standort-Bedenken

Kritik aus dem Publikum am Standort Theaterplatz kam einzig vom Luzerner Architekten Daniele Marques, dem Erbauer der Swissporarena. «Die Standortfrage ist zu schnell abgehakt», sagte er. Natürlich gehöre das Theater in die Stadt, «diese ist aber grösser, als viele denken». Man solle den Standort «nochmals diskutieren». Die städtische Kulturbeauftragte Rosie Bitterli bezeichnete die Standortsuche als «heisse Frage».

Perimeter

«Ist eine Bebauung bis direkt ans Reussufer möglich?», lautete eine Frage aus dem Publikum. Der Planungsperimeter sei für die Testplanung bewusst offengehalten worden, antwortete Stadtarchitekt Jürg Rehsteiner. Rein theoretisch sei eine Bebauung bis zum Reussufer möglich, allerdings gebe es ja noch die Velo-Achse und beispielsweise den Markt. Wie mit der Uferzone umgegangen wird, kann erst ein künftiger Architekturwettbewerb zeigen. Diverse Voten aus dem Publikum zeigten, dass eine Bebauung bis ans Reussufer eher kritisch beurteilt wird.

Heutiges Theatergebäude

Ein externes Gutachten im Zusammenhang mit dem letztlich gescheiterten Projekt Salle Modulable habe gezeigt, dass das heutige Theatergebäude «nicht schützenswert» ist, sagte Regierungsrat Wyss. Man werde diesem Thema aber weiterhin Beachtung schenken.

Raumprogramm

«Vorrangig ist vor allem die Vergrösserung des Orchestergrabens», betonte Birgit Aufterbeck Sieber, Stiftungsratspräsidentin des Luzerner Theaters. Die heutige Situation sei «unwürdig». Auch die Sichtbedingungen für die Zuschauer genügten den Anforderungen längst nicht mehr. Mit Fotos illustrierte der technische Betriebschef des Luzerner Theaters, die engen, «für ein vernünftiges Arbeiten völlig ungenügenden» Platzverhältnisse im heutigen Haus.

Neubau oder Erweiterung

Auch diese Frage ist noch nicht entschieden. Die heutige Theaterleitung spricht sich klar für einen Neubau aus. Nur ein Neubau könne die aktuell schwierige Situation verbessern.

Wer entscheidet?

Zuständig ist die Stadt, nicht der Kanton. Und zwar sowohl für den Standort-Entscheid als auch für den Entscheid Neubau oder Erweiterung. «Wir werden dem Stadtparlament einen Planungsbericht unterbreiten», sagte Stadtpräsident Beat Züsli. «Das Stadtparlament kann diesen dann gutheissen oder ihn zur Überarbeitung zurückweisen.» Wann dieser Planungsbericht erstellt wird, steht noch nicht fest.

Investitionskosten

«Es ist zu früh, eine Zahl zu nennen, wie viel der Bau kosten wird», sagte Regierungsrat Reto Wyss. Er hütete sich, eine Schätzung zu machen, und sprach vom «Fluch der ersten Zahl». Zudem: «Die entscheidende Grösse sind nicht die Investitions-, sondern die Betriebskosten.»

Betriebskosten

Heute zahlt die öffentliche Hand (Stadt, Kanton Luzern, umliegende Kantone) jährlich gut 20 Millionen Franken an das Luzerner Theater. Im neuen Theater dürfte es ähnlich viel sein. Rosie Bitterli stellte dazu eine hypothetische Rechnung auf: «Fünf Jahre Betriebskosten würden somit beispielsweise 100 Millionen Franken Investitionskosten entsprechen.»

Nähe zur Jesuitenkirche

Wie nahe das neue Theater an die benachbarte Jesuitenkirche gebaut werden darf, ist umstritten. Die Testplanung zeigte unterschiedliche Möglichkeiten auf. Es gab Voten, die dafür sprachen, ganz nahe anzubauen.

Übergangszeit

Was passiert in der Zeit, wenn das alte Theater abgerissen ist und das neue noch nicht steht? «Der Theaterbetrieb wird zu 100 Prozent weitergeführt», versicherte Birgit Aufterbeck.

«Begrenzung ist auch Theater. Wir sind keine Schönheitsfarm. Wir befinden uns im Alltag, in der Realität.»

Zeitplan, weiteres Vorgehen

Fest steht, dass der Architekturwettbewerb erst dann ausgeschrieben wird, wenn der Entscheid Neubau oder Erweiterung gefallen ist. «Das ist eine klare Empfehlung der Testplanung, daran werden wir uns halten», sagte Rosie Bitterli. Das Interesse an einem offenen Wettbewerb dürfte gross sein. «Sogar KKL-Architekt Jean Nouvel hat sich bereits gemeldet», sagt Birgit Aufterbeck Sieber. «Es macht ihm Spass zu sehen, wie das neue Theater als Ergänzung zum KKL entstehen wird.» Ob er gar selber bauen will, ist reine Spekulation.

«Wir haben aus den Fehlern gelernt»

Nicht nur die Stadt, sondern auch der Kanton Luzern werden dereinst über die notwendigen Kredite für den Bau und den Betrieb des neuen Luzerner Theaters befinden müssen. «In der Stadt gibt es genügend Rückhalt für das Projekt der Theater-Erneuerung», sagte die Luzerner CVP-Nationalrätin Andrea Gmür-Schönenberger an der Info-Veranstaltung vom Dienstag. «Wie aber wird das Kantonsparlament auf die Abstimmung vorbereitet?», wollte Gmür wissen.

«Ich bin mir bewusst, dass die Wahrnehmung in der Stadt eine andere ist als im Kanton», sagte dazu Regierungsrat Reto Wyss. «Das ist ein Knackpunkt, daran arbeiten wir.» Erinnerungen wurden wach an die einst in Luzern geplante Salle Modulable. Das Projekt eines flexiblen Musiktheatergebäudes scheiterte 2016 nicht zuletzt am Stadt-Land-Graben.

«Kanton und Stadt Luzern sind gemeinsam und einvernehmlich unterwegs», betonte Reto Wyss. Bei der Salle Modulable ist einiges schief gelaufen. Das solle diesmal nicht mehr passieren, sagte die städtische Kulturbeauftragte Rosie Bitterli: «Wir haben aus den Fehlern gelernt.» Stadtpräsident Beat Züsli betonte: «Wir sind daran, vorwärts zu machen, aber wir wollen es sorgfältig machen.» Die Salle Modulable scheiterte auch daran, dass die Bevölkerung in Stadt und Kanton Luzern bis zuletzt nicht wusste, wie hoch die Betriebskosten sein würden. «Die Betriebskosten werden auch diesmal sehr entscheidend sein», sagte ein langjähriger Sponsor des Luzerner Theaters. Wichtig wird somit sein, dass im neuen Theater möglichst effizient gearbeitet werden kann, um Betriebskosten einzusparen. Peter Klemm, der langjährige technische Leiter des Luzerner Theaters, nannte dafür ein konkretes Beispiel: «Heute brauchen wir für das Verschieben von Kulissen zehn Personen. In einem zweckmässigen, zeitgemässen Neubau wäre das mit zwei Personen machbar.» (hb)

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