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Neues Waldreservat: Der Pilatus, ein Paradies fürs Auerhuhn

Am Pilatus zwischen Fräkmüntegg und Krienseregg entsteht ein Reservat für das bedrohte und schreckhafte Auerhuhn. Im Winter ziehen die Vögel nicht in den Süden, sondern schlafen auf den Bäumen – und haben deshalb ganz besondere Bedürfnisse.
Simon Mathis

Hinweis: In einer früheren Version dieses Textes hatten wir ein Bild von zwei Birkhähnen gezeigt. Wir entschuldigen uns für diesen Fehler.

Ein Auerhahn. (Bild: z.V.g.)

Ein Auerhahn. (Bild: z.V.g.)

Der Auerhahn ist der grösste Vertreter der Raufusshühner: bis zu 4,4 Kilo schwer und 87 Zentimeter Meter hoch kann er werden. Das Weibchen ist nur halb so gross, aber für ein Huhn durchaus stattlich. Trotz dieser Grösse bekommen selbst Vogelexperten das Tier kaum je zu Gesicht. Denn es ist äusserst scheu und zieht sich zurück, sobald sich etwas oder jemand nähert.

Auch auf der Fräkmüntegg bekommt man sie nur selten zu Gesicht. Trotzdem – oder gerade deshalb – entsteht bis zur Krienseregg ein Sonderwaldreservat, das dem Erhalt des Lebensraumes dient. Denn die Wälder am Fusse des Pilatus sind für das bedrohte und anspruchsvolle Auerhuhn ein Paradies. Ihre Leibspeise, die Heidelbeere, gedeiht hier reichlich. Die Mischung zwischen Moor und Wald ist auch für andere Tiere ideal: aussergewöhnlich viele Pflanzen und Pilze wachsen in dem Gebiet, das rund 210 Hektaren oder 200 Fussballfelder gross ist. Nicht nur der Auerhahn wird daher vom neuen Reservat profitieren, erklärte Bruno Röösli, Abteilungsleiter Wald bei der kantonalen Dienststelle Landwirtschaft und Wald (Lawa) am Montag auf dem Fräkmüntegg vor den Medien.

Löchrige und alte Wälder sind gefragt

Touristen, Biker, Schlittler und Schneeschuhläufer: Sie alle werden durch Infotafeln angehalten, das Auerhuhn nicht zu stören. Denn vor allem im Frühling und Winter treiben sich viele Menschen im Lebensraum des Huhns herum. «Wenn diese Störungen zu häufig auftreten, zieht sich das Auerhuhn endgültig zurück und der Lebensraum ist zerstört», erläuterte Pierre Mollet, Experte von der Vogelwarte Sempach.

Die Eingriffe in das Wald- und Moorgebiet sollen minimal bleiben. Für Wanderer, Jäger und Pilzsammler werde es keine zusätzlichen Einschränkungen geben, führte Röösli vom Lawa aus. Die wichtigste Massnahme betreffe den Wald. Hier hat das Auerhuhn ganz besondere Bedürfnisse. «Sie brauchen grosse, alte Bäume, um auf ihnen zu schlafen», sagte Mollet. «Der Wald darf aber nicht zu dicht sein, er braucht auch Lücken.» Dies deshalb, weil der ansonsten pflanzenfressende Vogel in den ersten Wochen seines Lebens Insekten verputzt – Raupen und Spinnen gibt es vor allem dort, wo es warm ist.

«Vergangenen Winter haben wir uns in Nidwalden und Luzern auf die Suche gemacht – und sehr viele Spuren gefunden», sagte Pierre Mollet von der Vogelwarte. Diese werden nun ausgewertet, um festzustellen, wo und wie viele Auerhühner sich im neuen Reservat tummeln.

Das neue Reservat am Fusse des Pilatus ist rund 210 Hektaren gross. (Bild: PD / Adrian Kempf)

Das neue Reservat am Fusse des Pilatus ist rund 210 Hektaren gross. (Bild: PD / Adrian Kempf)

Bund und Kanton zahlen 500 Franken pro Hektare

Das Aussetzen von Auerhühnern bringe in den meisten Fällen nichts, führte Mollet aus. Gezüchtete Auerhühner können die natürliche Nahrung nicht verdauen. Im Winter isst das Auerhuhn in der Wildnis nämlich Tannennadeln – im Gegensatz zu anderen Tieren zieht es nicht in den Süden. Ausserdem haben sie keine Ahnung, wie sie sich gegen Raubtiere verhalten sollen und werden deshalb bald Opfer von Füchsen und Habichten.

Eigentümer des Gebietes sind die Stadt Kriens sowie die Korporationen Horw und Luzern. Sie erhalten einmalig von Bund und Kanton 500 Franken pro Hektare, die sie für das Reservat zur Verfügung stellen. Massnahmen zur Aufwertung des Lebensraumes werden zusätzlich finanziert. «Die Beiträge sind willkommen», sagte Max Lang, Präsident der Korporation Luzern. Aber man mache es nicht wegen des Geldes, sondern für die Natur.

Mehrere Dutzend Auerhühner im Kanton Luzern

Das Auerhuhn (Tetrao urogallus) – gemeint sind Weibchen und Männchen – ist einer der grössten Hühnervögel Europas. Der Bestand nimmt in Europa konstant ab, auch in der Schweiz gilt das Auerhuhn als stark gefährdet.

Hierzulande gibt es rund 720 bis 940 Auerhühner. Die Vögel leben im Jura, in den Bündner Alpen und entlang des Alpennordrandes. Vor allem im Jura sinkt die Population stark, während sie im Alpennordrand stabil bleibt. Wie viele Auerhühner im Kanton Luzern leben, lässt sich laut Vogelwarte nicht genau beziffern. Man geht von ein paar Dutzend aus. In Europa liegt der Bestand zwischen 666'000 und 1 Million.

Das neue Sonderwaldreservat am Pilatus ist Teil eines bundesweiten Projekts zur Förderung der Waldreservate. Im Jahr 2012 bedeckten Reservate 4,8 Prozent der Schweizer Waldfläche. Bis im Jahr 2030 sollen es 10 Prozent sein, so lautet das waldpolitische Ziel des Bundes. (sma)

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