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Seewasser zum Heizen in Horw und Kriens – jetzt fahren die Bagger auf

Bis zu 6800 Haushalte können in Horw und Kriens ab 2020 mit Seewasser geheizt werden. Am Donnerstag starteten die Bauarbeiten für das 95-Millionen-Projekt. Diese sind eine grosse Herausforderung – aus mehreren Gründen.
Roman Hodel

«Hoffentlich treffe ich keine Hauptleitung», scherzte Stephan Marty, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Energie Wasser Luzern (EWL) am Donnerstag, als er den Bagger auf dem Sportplatz Seefeld in Horw bestieg:

(Bild: Roman Hodel, Horw 11. April 2019)

(Bild: Roman Hodel, Horw 11. April 2019)

Danach baggerte er im Erdreich – scharf beobachtet vom Horwer Bauvorsteher Thomas Zemp (CVP) und dem Krienser Stadtpräsidenten Cyrill Wiget (Grüne). Zur Beruhigung sei gesagt: Die Hauptleitung ist noch ganz.

Es war der symbolische Spatenstich für ein ambitiöses Projekt. Satte 95 Millionen Franken investiert die Seenergy Luzern AG – eine Tochterfirma von EWL – in ein See-Energienetz (wir berichteten).

Dank des Seewassers, das in der Horwer Bucht von einer Pumpe gefördert wird, können dereinst bis zu 6800 Haushalte in den Gebieten Horw-Mitte und Luzern-Süd (Kriens) mit Energie zum Heizen oder Kühlen versorgt werden. So wird das Netz aussehen:

Neben dem Horwer Fussballplatz, angedockt ans Garderobengebäude, entsteht bis im September 2020 die eigentliche See-Energiezentrale. Von dieser wird man nur etwa einen Zehntel oberirdisch sehen, der Rest liegt im Untergrund. Die Visualisierung zeigt die Zentrale (rechts mit der Glasfassade):

(Visualisierung: PD/EWL)

(Visualisierung: PD/EWL)

Ebenfalls diesen Monat starten die Bauarbeiten an den beiden Hauptverteilleitungen. Eine davon wird entlang der Ebenau­strasse ins Horwer Zentrum führen, die andere via Technikum- und -Ringstrasse bis zum Krienser Nidfeld. Deren Bau ist eine Herausforderung, wie Patrik Rust, Mitglied der Geschäftsleitung bei EWL, sagt: «Denn wir bauen mitten in einem dicht besiedelten Gebiet eine Leitung, die aus zwei Rohren mit je 0,6 Meter Durchmesser besteht.» Zu einem grossen Teil kommen die Rohre unter Strassen zu liegen, teilweise aber auch unter Privatgrundstücke. Die entsprechenden Verträge abzuschliessen und Konzessionen einzuholen, war gemäss Rust aufwendig – inzwischen sei aber alles unter Dach. Sicher ist: Die Bauarbeiten werden den Verkehr da und dort beeinträchtigen.

Voraussichtlich im Herbst 2020 kann Seenergy mit der Energielieferung beginnen: zuerst in den Gebieten Horw-Mitte und Ringstrasse, ab 2021 im Nidfeld. Von den angepeilten 6800 Haushalten sind bislang rund ein Viertel unter Vertrag. Darunter die Grossüberbauungen Schweighof und Nidfeld. «Mit weiteren Anrainern, meist Neubauprojekte, sind wir am Verhandeln», so Rust. Später werde man alle weiteren potenziellen Kunden anschreiben. Denn mit Blick auf die enormen Investitionen ist Seenergy auf möglichst viele Haushalte angewiesen. Rust sagt:

«Selbst wenn wir die 6800 rasch erreichen, werden wir erst in zirka 20 Jahren Geld verdienen mit diesem Netz.»

Der Businessplan sei gar auf 50 Jahre ausgelegt. «Der Bau eines solchen Systems ist teuer, deshalb kann es auch nur von einem grossen Energiedienstleister wie EWL realisiert werden», sagt er.

Gewiss, 95 Millionen sind viel Geld. Eine Investition aber, die sich nicht zuletzt für die Umwelt lohnen wird, wie EWL-Chef Marty vorrechnete: «Dank dieses Netzes können wir im Endausbau jährlich vier Millionen Liter Heizöl einsparen – das sind 200 Tanklastwagen voll.» Ein Haupteffekt, den auch der Krienser Stadtpräsident Cyrill Wiget (Grüne) herausstrich: «Wenn wir die Klimapolitik des Bundes ernst nehmen wollen, sind solche mutigen Projekte extrem wichtig.» Und der Horwer Bauvorsteher Thomas Zemp (CVP) sagte es so: «Der See bietet so viel CO2-freie Energie – also nutzen wir sie.»

Hier beim Sportplatz Seefeld wird die See-Energiezentrale gebaut (von links): Horws Bauvorsteher Thomas Zemp, Stephan Marty (EWL), Kriens' Stadtpräsident Cyrill Wiget und Patrik Rust (EWL). (Bild: Roman Hodel, Horw 11. April 2019)

Hier beim Sportplatz Seefeld wird die See-Energiezentrale gebaut (von links): Horws Bauvorsteher Thomas Zemp, Stephan Marty (EWL), Kriens' Stadtpräsident Cyrill Wiget und Patrik Rust (EWL). (Bild: Roman Hodel, Horw 11. April 2019)

Und so funktioniert die See-Energieanlage:

Eine Wasserpumpe fördert Seewasser aus der Horwerbucht in die Zentrale. Dort wird mittels Wärmetauscher Wärme oder Kälte vom Wasser an ein separates Versorgungsnetz übergeben. Danach fliesst das Wasser je nach Situation leicht kühler oder wärmer in den See zurück – laut Seenergy AG «unbedenklich» für das Ökosystem. Aus dem separaten Versorgungsnetz können die angeschlossenen Quartier-Zentralen nun Energie beziehen – oder abführen. Als Rückfallebene steht Erdgas zur Verfügung. Seewasser als Energielieferant ist nichts Neues: Am Inseliquai existiert seit über 30 Jahren eine solche Anlage. Zudem setzt man auch in Weggis seit 2018 auf See-Energie (wir berichteten).

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