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Das Hofleben der Schönbächlers in Rickenbach lässt sich im Netz mitverfolgen

Rund 150 Bauernbetriebe werben am Sonntag hierzulande für die Landwirtschaft. Darunter auch Familie Schönbächler, die mit Hilfe der sozialen Medien neue Kundschaft gewinnt – und auch Unwissen entgegenwirkt.
Evelyne Fischer
Inmitten ihrer Freilandschweine: Jasmin und Toni Schönbächler mit Finja (auf Arm), Nina und Eny (Bild: Pius Amrein, Rickenbach, 15. Mai 2019)

Inmitten ihrer Freilandschweine: Jasmin und Toni Schönbächler mit Finja (auf Arm), Nina und Eny (Bild: Pius Amrein, Rickenbach, 15. Mai 2019)

Werden es 150 Besucher sein? Oder eher 500? Jasmin und Toni Schönbächler-Businger mit Nina (4), Eny (3) und Finja (9 Monate) sind für jeden Fall gerüstet. Ihr Hof gehört zu den rund 150 Landwirtschaftsbetrieben hierzulande, die am Sonntag von 10 bis 16 Uhr im Auftrag des Schweizer Bauernverbands ihre Türen öffnen. Das Ziel: aufklären und sensibilisieren. Toni Schönbächler sagt:

«Seit 2012 vermarkten wir unsere Produkte direkt ab Hof, bedienen mittlerweile 300 Haushaltungen und müssen oft feststellen: Die Leute haben wenig Ahnung von der Landwirtschaft.»

Erst kürzlich habe ihn jemand gefragt, ob er ebenfalls Antibiotika zur Wachstumsförderung bei Tieren einsetze. «Dabei ist dies seit Ende der 90er-Jahre verboten», sagt der Rickenbacher kopfschüttelnd.

Hof Feldenmoos, 755 Meter über Meer. Rechts lugt der Landessender Beromünster hinter dem Wald hervor, links ist der Kirchturm von Rickenbach zu sichten. Hier bewirtschaften Jasmin (31) und Toni (32) Schönbächler zwölf Hektaren Land. Ein Kleinbetrieb. 100 Hochstammbäume, 18 Mutterkühe, 16 Freilandschweine, 60 Truten-Mastplätze. Im aargauischen Schmiedrued haben sie einen Schweinestall in Pacht und betreiben sogenannte arbeitsteilige Ferkelproduktion: Alle sechs Wochen erhalten Schönbächlers neue Muttersauen, die bei ihnen abferkeln. Nach vier Wochen Säugezeit und sechs Wochen Gruppenhaltung verlassen die Ferkel mit 25 Kilogramm den Hof und werden auf einem anderen Betrieb gemästet.

Berufswunsch Bauer seit Kindsbeinen an

Für Toni Schönbächler, der als Fünfjähriger mit seiner Familie von Einsiedeln nach Rickenbach zog, war immer klar: «Ich werde mal Bauer. Einen abwechslungsreicheren Beruf muss man suchen.» Er sei halt ein «Chnuschti», meint Jasmin Schönbächler, worauf dieser kontert: «Macher sagt man dem heute.»

Jasmin Schönbächler hingegen, Dreifamilienhaus-Kindheit in Grosswangen, fand:

«Heiraten ja, aber niemals einen Bauern!»

Da Amor anders entschied, nahm die Pflegefachfrau, die einen Tag pro Woche bei der Spitex im nahen Menziken arbeitet, ihr Schicksal selber in die Hand: Sie absolvierte den Lehrgang zur Bäuerin mit Fachausweis. «Damit ich mitreden kann», sagt sie und lacht. Daraus ergibt sich eine klare Arbeitsteilung: Für Fragen von der Weide bis zur Kühltruhe ist Toni Schönbächler zuständig, von da an bis zur Pfanne seine Frau. Verkauft werden Mischpakete ab 10 Kilo: Weideschwein für 20 Franken das Kilo, Naturabeef für 27 Franken. Trutenfleisch gibt’s für 25 Franken, auch in kleineren Mengen. Sie liefern von Aarau bis Schachen und in die Stadt Luzern. Jasmin Schönbächler sagt:

«Das erste Mal holen die meisten Fleisch selber ab. Sie wollen wissen, woher es stammt.»

Schönbächlers geben gerne Auskunft – auch am Sonntag. Besucher des Hoffestes parkieren bei der Mehrzweckhalle Kubus im Dorf und wandern dann gut 800 Meter den Hügel hoch, vorbei an Thementafeln, die Denkanstösse geben: von Neophyten über Pflanzenschutz bis zum Littering. Ein leidiges Thema, sagt Toni Schönbächler. Bei der einen Parzelle Land stehe ein Bänkli.

«Im Umkreis von 100 Metern finden wir dort von Aludosen über Pet bis hin zu Bierdosen alles.»

Seine Frau sagt: «Vordergründig schreit jeder nach Tierschutz, nimmt das Thema selber aber offensichtlich gar nicht ernst.» Eine ihrer Kühe habe ein Stück Plastik verschluckt und sei an inneren Verletzungen gestorben.

Solche Themen sprechen Schönbächlers auch auf Facebook, Twitter oder Instagram an, werben mit idyllischen Bildern gleichzeitig für neue Kundschaft, betreiben Imagepflege für den Bauernstand. Auf Kritik an der Landwirtschaft reagieren sie mit einer Einladung auf den Hof. Vorbei kommt allerdings selten einer. «Die Wertschätzung der Bauern nimmt stark ab, obwohl viele vor- und nachgelagerte Betriebe von der Landwirtschaft profitieren», sagt Toni Schönbächler. Das sei nicht immer leicht zu verdauen.

«Zum Glück erhalten wir über die Direktvermarktung viel positives Feedback, sonst würden wir schon längst in einer Sinnkrise stecken.»

Hinweis: Weitere Infos unter www.schönbächlers.ch.

Offene Hoftüren: Diese Betriebe machen mit

Am Sonntag, 2. Juni, findet der Tag der offenen Hoftüren statt. Im Kanton Luzern laden neben Jasmin und Toni Schönbächler aus Rickenbach weitere acht Höfe zum Besuch ein: Piroschka und Walter Birrer, Lingetli, Romoos; Erika und Theo Emmenegger, Alp Wittenlauenen, Sörenberg; Markus und Christine Gilli, Gass 10, Triengen; Helen und Edi Hess, Bendlismatte 1, Müswangen; Judith und Ueli Lustenberger, Neumättli, Steinhuserberg; Katja und Daniel Lustenberger, Bärüti, Romoos; Markus und Bernadette Widmer, Ermenseestrasse 14, Gelfingen; Stephan Wigger, Widacher, Dierikon.

Hinweis: Weitere Infos unter www.offene-hoftueren.ch.

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