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Restwasser bei Kraftwerken: Der Kanton Luzern lässt die Fische im Stich

Noch immer lassen fünf von zwölf Kraftwerken im Kanton Luzern den Fischen zu wenig Wasser. Das ist schweizweit ein äusserst tiefer Wert.
Evelyne Fischer
Kraftwerk-Besitzer Fritz Duss steht hinter dem Wasserrad, welches vor dem Kraftwerk Wasser zu einer Fischzucht umleitet. (Bild: Nadia Schärli, Entlebuch, 13. August 2019)

Kraftwerk-Besitzer Fritz Duss steht hinter dem Wasserrad, welches vor dem Kraftwerk Wasser zu einer Fischzucht umleitet. (Bild: Nadia Schärli, Entlebuch, 13. August 2019)

Das Gesetz ist so klar wie die Reuss – seit 1992: Wird aus einem Gewässer für ein Kraftwerk Wasser entnommen, muss für die Fische ausreichend Restwasser im Bett belassen werden. Für Wasserentnahmen, die früher bewilligt worden sind, gilt die Bestimmung, sobald die Konzession erneuert wird. In der Zwischenzeit müssen bestehende Restwasserstrecken saniert werden, soweit dies wirtschaftlich tragbar ist.

Die Frist für den Abschluss solcher Sanierungen ist Ende 2012 abgelaufen. Eigentlich. Doch bis heute ist die Pendenzenliste lang. Wie lang, prüft das Bundesamt für Umwelt (Bafu) regelmässig. Ende 2016 waren Dreiviertel der damals 980 sanierungspflichtigen Wasserentnahmen saniert. Ende 2018 waren es 87 Prozent von 1012 Kraftwerken, wie der jüngst veröffentlichte Bericht zeigt. Eines blieb in all den Jahren gleich: Der Kanton Luzern (58 Prozent) gehört zu den Schlusslichtern. Nur Neuenburg (46 Prozent) und Freiburg (40 Prozent) stehen noch schlechter da. Immerhin: Noch Ende 2016 lag der Anteil der sanierten Anlagen im Kanton Luzern bei 31 Prozent. Allerdings hat sich seither die Zahl der betroffenen Kraftwerke von 16 auf 12 reduziert.

Mangels Ressourcen gestaffelte Sanierungen

Dass noch immer fünf Sanierungen offen sind, begründet Philipp Arnold, Teamleiter Gewässer bei der Dienststelle Umwelt und Energie, wie folgt:

«Luzern ist kein Wasserkraftkanton mit sanierungsbedürftigen Grosskraftwerken. Restwassersanierungen wurden daher aus Ressourcengründen gestaffelt angegangen.»

Wasserentnahmen mit erster Priorität – etwa das Kraftwerk Perlen (Reuss) oder das Kraftwerk Emmenweid (Kleine Emme) – seien inzwischen gesetzeskonform. «Bei allen weiteren Anlagen soll dies im Laufe von 2020 der Fall sein.» Das Bafu habe diesbezüglich «verbindliche Umsetzungsfristen» verlangt. «Neukonzessionierungen sind nächstes Jahr beim Kraftwerk Gläng in Schötz, bei jenem der Trisa im Dorfbach Triengen sowie beim Kraftwerk Lehn bei der Wissemme in Escholzmatt geplant», sagt Arnold. Ebenfalls 2020 soll die Sanierung beim Kraftwerk in Büron erfolgen.

Aufgegleist ist auch das Verfahren zur Neukonzessionierung des Kraftwerks Farbschachen bei der Grossen Entlen in Entlebuch. Der Wasserkanal wurde 1711 für die einstige Tuchfabrik erstellt, 1864 wird erstmals eine Konzession zur Wassernutzung erwähnt, ein Kraftwerk ist seit 1905 verbrieft.

Fritz Duss beim Wasserfall der Grossen Entlen, wo das Restwasser in den Kanal läuft. (Bild: Nadia Schärli, Entlebuch, 13. August 2019)

Fritz Duss beim Wasserfall der Grossen Entlen, wo das Restwasser in den Kanal läuft. (Bild: Nadia Schärli, Entlebuch, 13. August 2019)

Seit 1992 gehört dieses Fritz Duss. Das Kraftwerk liefert Strom für 400 bis 450 Haushaltungen, im besten Fall sprudeln rund 950 Liter Wasser pro Sekunde durch die Turbinen. Duss sagt:

«Pro Jahr werden bis zu 1,2 Millionen Kilowattstunden ins Netz der CKW eingespiesen.»

230 Liter Restwasser pro Minute werden künftig verlangt, heute sind es deren 90. Um die Konzession zu behalten, ist die Sanierung Pflicht. Diese beläuft sich auf gegen 40'000 Franken.

«Wille des Volkes wird missachtet»

Der grosse Verzug sorgt bei Natur- und Umweltschutzorganisationen für Kopfschütteln. Mit Blick auf die Zentralschweizer Kantone sagt Hanspeter Steinmetz, Geschäftsführer der Gewässerschutzorganisation Aqua Viva: «Uri hat seine Sanierungspflichten erst 2014, also zwei Jahre nach Ablauf der Frist, erfüllt. Dass er dennoch als Musterschüler gilt, zeigt das Staatsversagen beim Thema Restwasser. Zug musste gar mit einer Beschwerde bei Bundesgericht angewiesen werden, die Wassernutzung mit einer Konzession nach heutigem Recht zu regeln.» Den entsprechenden Überblick über die Zentralschweiz finden Sie hier:

Man schade nicht nur den Gewässern, «sondern missachtet auch den Willen des Volkes». Das Problem akzentuiere sich überdies bei längerer Trockenheit, wenn die Wasserstände sinken. «Je geringer die Restwassermenge, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass ein Fliessgewässer trocken fällt oder überhitzt», sagt Steinmetz. «Gerade Kaltwasserfische wie Äsche oder Bachforelle haben damit Probleme. Ab einer Wassertemperatur von 25 Grad gelten sie als akut bedroht.» Bei steigenden Temperaturen würden sie daher versuchen, in höhere, kühlere Lagen zu wandern. «Oft stehen allerdings unüberwindbare Hindernisse im Weg.»

Stromproduktion sinkt durch Restwassersanierung

Auch Urs Brütsch, Verantwortlicher des Bereichs Wasser bei WWF Zentralschweiz, sagt: «Da wurde sehr vieles versäumt.» Weil die Verfahren oft langwierig seien und Betreiber kein Interesse zeigen, selber etwas zu unternehmen, habe er «ein wenig Verständnis» für den Verzug.

«Gerade deshalb sollten die Verantwortlichen bei den Kantonen aber ihren Job machen und die gesetzlichen Vorgaben einfordern.»

Betreffend Luzern erwähnt auch Brütsch die mangelnden personellen Ressourcen. «Der politische Wille fehlt. Und ich bin nicht optimistisch, dass sich dies mit dem neu zusammengesetzten Kantonsrat ändert.» Sollte die Frist von 2020 erneut verstreichen, werde WWF «rechtliche Schritte abklären». Bislang habe man zugewartet, weil die hängigen Sanierungen kleine Wasserkraftwerke betreffen.

Laut Hanspeter Steinmetz von Aqua Viva sind Bäche ohne oder mit zu wenig Restwasser aber nur ein Teil des Problems.

«Kraftwerke ohne Restwassersanierung produzieren mehr Strom und erzielen damit zusätzlichen Gewinn auf Kosten der Natur und der Allgemeinheit.»

Dies stelle eine Wettbewerbsverzerrung dar und benachteilige pflichtbewusste Betriebe. Steinmetz beziffert die Einbussen aufgrund der Restwasservorschriften gemäss einer Studie des Bafu auf durchschnittlich 5,6 Prozent.

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