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In Ebikon protestieren 50 Personen gegen eine Primarschul-Maskenpflicht, die es gar nicht gibt

Am Donnerstagmorgen haben sich in Ebikon rund 50 Personen versammelt, um gegen eine Maskenpflicht für Schüler ab der 5. Klasse zu protestieren. Eine solche war zwar geplant, wurde aber kurzfristig nicht umgesetzt.

Simon Mathis
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Am Donnerstagmorgen herrschte in Ebikon Aufregung. Um 8 Uhr versammelten sich vor dem Schulhaus Wydenhof rund 50 Erwachsene für eine unbewilligte Kundgebung, wie die Polizei mitteilt. Nach zweimaliger Abmahnung, den Platz zu verlassen, löste die Polizei die Kundgebung gegen 9.30 Uhr auf. Die durch die Polizei kontrollierten Teilnehmer werden an die zuständige Staatsanwaltschaft verzeigt. Eine Person wurde «zur Wahrung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung» vorläufig in Gewahrsam genommen, so die Polizei.

Die Personen protestierten gegen eine angebliche Maskenpflicht für Primarschüler in der 5. und 6. Klasse. Der Aufruf zur Kundgebung erfolgte über die sozialen Medien. In einer Nachricht, die unserer Zeitung vorliegt, heisst es irrtümlicherweise: «In Ebikon ist ab morgen ganztags Maskenzwang für alle Kinder ab der 5. Klasse! Wir wehren uns dagegen!» Mit der Kundgebung wolle man ein positives Zeichen setzen.

Quelle: Twitter/ @SaadedineAnita

«Dringliche Empfehlung», aber keine Pflicht

Nur: Ebikon kennt offenbar gar keine Maskenpflicht für Primarschüler. In einer Mitteilung vom 21. Oktober schreibt Rektor Ralph Späni, dass die Maskenpflicht nur für Lehrpersonen sowie Schüler der Sekundarstufe I gelte. «Von einer Maskenpflicht für die 5./6. Klassen sehen wir gegenwärtig ab», so Späni. Er wiederholt jedoch eine «dringliche Empfehlung», auch in diesen Stufen im Unterricht und in den Gebäuden bis Ende Oktober Masken zu tragen.

Personen protestieren gegen die angebliche Maskenpflicht.

Personen protestieren gegen die angebliche Maskenpflicht.

Bild: PilatusToday

Grund für die Verwirrung ist wohl, dass in den Gemeinden Ebikon, Root und Buchrain bis vor kurzem tatsächlich eine solche Maskenpflicht geplant war. «Ursprünglich wollten wir die Pflicht ab der 5. Klasse, da dies etwa dem Alter entspricht, in dem man auch im ÖV Masken tragen muss», erläutert der Rooter Gemeindepräsident Heinz Schumacher (FDP). Zu jener Zeit hatte der Kanton noch keine klaren Vorgaben gesetzt. Da die Regierung jedoch mittlerweile eine Maskenpflicht in der Sekundarstufe eingeführt hat, liess man die Pläne auf kommunaler Ebene kurzfristig fallen und übernahm die kantonalen Richtlinien.

Video: PilatusToday

Dies gilt nicht nur für Root und Ebikon, sondern auch für Buchrain. «Bei uns wurde die Maskenpflicht ab der 5. Klasse, die wir gestern kommuniziert haben, sozusagen in letzter Sekunde nicht in Kraft gesetzt», stellt Bildungsvorsteherin Mirjam Urech (CVP) am Donnerstag klar. Gegolten hätte sie ab Donnerstagmorgen. «Wir halten uns an die Vorgaben des Kantons», betont sie. Eine Maskenpflicht ab der 5. Klasse hätte ohnehin nur dann Sinn ergeben, wenn man sie gemeinsam mit Root und Ebikon koordiniert hätte, so Urech.

Praktisch keine Eltern aus Ebikon anwesend

Wie kam es überhaupt zum Plan, auch in der 5. und 6. Klasse eine Maskenpflicht einzuführen? Dazu muss man wissen, dass in Ebikon ein Sechstklässler und zwei Lehrpersonen eines Schulhauses positiv auf Covid getestet wurden. «Wir haben tagelang auf einen Bescheid des kantonalen Contact-Tracing gewartet, ich habe persönlich stundenlang in der Warteschlaufe ausgeharrt», erzählt Ralph Späni. «Die Sache drohte aus dem Ruder zu laufen.»

Weil die Anweisungen des Kantons auf sich warten liessen, sah sich Späni zum Handeln gezwungen. Er brachte die Idee aufs Tapet, eine temporäre Maskenpflicht für die 5. und 6. Klasse einzuführen, um die Sicherheit der Schüler nicht weiter zu gefährden. Aus den oben genannten Gründen habe man den Plan aber fallen gelassen. Ralph Späni erzählt:

«Unter den Personen auf dem Pausenplatz befanden sich praktisch keine Ebikoner Eltern von unseren Schulkindern. Die Personen sind offenbar von der ganzen Schweiz aus angereist».

Auch sei es bald nicht mehr um die Maskenpflicht gegangen, sondern um die Sorge der Corona-Skeptiker, in ihrer Freiheit beschränkt zu werden und dass ihre Grundrechte beschnitten werden. Man wurde durchaus auch respektvoll angesprochen, die Kundgebung sei keineswegs gewalttätig gewesen.

Als Grund für die Verwirrung ortet Späni einen Elternbrief vom 21. Oktober. Darin steht, dass die Schulleitung eine Maskenpflicht für die 5. und 6. Primarklassen «erwäge». Das habe in «gewissen Kreisen einen unbegründeten Wirbel» ausgelöst, so Späni.

«Solche Massnahmen sind unnötig und schädlich»

Eine Person, die bei der Kundgebung teilgenommen hat und anonym bleiben will, nimmt auf Anfrage Stellung. «Wir wollen nicht, dass Kinder und Jugendliche Masken tragen und in Quarantäne müssen», sagt die Person. «Wir halten solche Massnahmen nicht nur für unnötig, sondern sogar schädlich. Sie stehen in keinem Verhältnis zur wirklichen Gefahr.» Die Person widerspricht der Darstellung der Gemeinden: Die Maskenpflicht ab der 5. Klasse habe für die Schulen im Rontal noch bis Mittwochmittag gegolten.

«Offensichtlich wurden die Massnahmen angepasst, nachdem die Kundgebung über die sozialen Medien verbreitet wurde.»

Es freue sie, dass die Maskenpflicht für die Primar gekippt wurde. Es ginge ihr um verhältnismässige Massnahmen und die Unversehrtheit der Kinder. Die Polizei habe sich weitgehend korrekt verhalten. «Die Festnahme eines Kundgebungsteilnehmers fand ich jedoch unangemessen und grenzwertig.»

Hinweis: In einer früheren Version dieses Artikels hiess es, Root und Buchrain hätten ab der 5. Klasse eine Maskenpflicht eingeführt. Das ist nicht korrekt. Wir bitten Sie, diesen Fehler zu entschuldigen.

Die Polizei griff ein.

Die Polizei griff ein.

Bild: PilatusToday