Luzerner SVP im Freudentaumel: Aufs Debakel folgt die Genugtuung

Paul Winikers Glanzresultat lässt die sieben Sitzverluste der SVP vom 31. März vergessen. Darauf wurde das Glas erhoben – zunächst im Büro des Justiz- und Sicherheitsdirektors, später im Wilden Westen Luzerns.

Evelyne Fischer
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Mit Cüpli, Wein und Bier feierte Paul Winiker – im Bild mit Kantonsrätin Lisa Zanolla – die Wiederwahl. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 19. Mai 2019)

Mit Cüpli, Wein und Bier feierte Paul Winiker – im Bild mit Kantonsrätin Lisa Zanolla – die Wiederwahl. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 19. Mai 2019)

«Am 31. März haben wir eins auf die Kappe erhalten. Doch der Bevölkerung sind offensichtlich doch noch die Augen aufgegangen: Dieses Resultat ist eine grosse Genugtuung.» Markige Worte, immer wieder von Bravo-Rufen unterbrochen, machten am Sonntag Fredy Winigers Zufriedenheit greifbar. Nach den sieben Sitzverlusten im Parlament war Paul Winikers Wiederwahl für den SVP-Kantonsrat aus Kleinwangen die nötige Motivationsspritze, um sich auch im Herbst als Wahlkampfleiter ins Zeug zu legen. 65 887 Stimmen, in 79 Gemeinden auf Platz eins: Regierungsrat Paul Winiker hatte im zweiten Anlauf ein Glanzresultat erzielt.

Gefeiert wurde dieses im «Crazy Cactus» an der Baselstrasse, der Stadtluzerner Polterabend-Beiz par excellence, die im Besitz des früheren SVP-Grossstadtrats Max Vogel ist. Krawatte und Kittel hatte sich Winiker entledigt, als er zwischen Ranger, Riesenkaktus und SVP-Banner das Cüpli erhob und den zwei Dutzend Anwesenden für ihre Unterstützung dankte. «Wäre die bürgerliche Allianz auseinandergefleddert, hätte ich für die Herbstwahlen schwarz gesehen», sagte der Krienser und setzte einmal mehr zur Lobeshymne auf die Finanzstrategie an:

«Nur eine erfolgreiche Wirtschaftspolitik kann ökologische Massnahmen und den Sozialstaat finanzieren.»

Obwohl ihm die Feierlaune ins Gesicht geschrieben stand, kündigte der Justiz- und Sicherheitsdirektor an, nicht bis ins Morgengrauen Sitzleder zu zeigen. Schon am Montag um 8 Uhr kehre mit dem Feilschen um die Departementsverteilung der Ratsalltag zurück.

Mit Bier, Bürli und Wurst schon im Büro gefeiert

Zur familiären Entourage vor Ort gehörte Winikers Gattin Ina und der 96-jährige Onkel, die beiden Kinder hatten per Whatsapp gratuliert. An den Holztischen hatte sich ferner ein stattlicher Teil der Parteispitze versammelt: Kantonalpräsidentin Angela Lüthold-Sidler (Nottwil), Nationalrat Franz Grüter (Eich) oder auch Dieter Haller, Präsident der städtischen SVP.

Mit einigen hatte Winiker schon vor der Wahlfeier die Gläser klingen lassen: im Büro, bei Bier, Bürli und Schützenwurst. Volksnähe ist bei der SVP eben mehr als nur ein Lippenbekenntnis.

Frühere SVP-Vizepräsidentin warb für Konkordanz

Bereits zu den frühen Gratulanten gehörte Kantons- und Grossstadträtin Lisa Zanolla, die vor gut einer Woche als Vizepräsidentin der Kantonalpartei verabschiedet worden ist. Sie habe ein «bitzli» gezittert, meinte Zanolla im Regierungsgebäude.

«Bei der Werbung auf der Landschaft war Korintha Bärtsch klar die Nummer eins.»

Zanolla gehört dem Netzwerk «Frauen Luzern Politik» an, das Bärtsch zur Wahl empfohlen hatte. War Zanolla im Zwiespalt? «Ich kenne Bärtschs Qualitäten aus dem Grossen Stadtrat, habe aber von Anfang an kommuniziert, die Geschlechterfrage spiele für mich keine übergeordnete Rolle», sagte Zanolla. Dennoch habe sie in der Geschäftsleitung eine Wahlempfehlung für Winiker und Bärtsch angestossen. «Im Sinne der Konkordanz. Doch damit war ich alleine.»

Glücklich über die Wiederwahl Winikers zeigte sich ferner Kantonsrat Armin Hartmann. Er wird schon länger als möglicher Nachfolger Winikers gehandelt, falls dieser wie erwartet Ende Legislatur abtritt. Diesbezüglich gab sich der Schlierbacher zurückhaltend:

«Das Amt würde mich interessieren. Aber ich zerbreche mir nicht bereits den Kopf über etwas, das irgendwann in der Zukunft sein könnte.»