Wegen Tierquälerei verurteilt: Verteidiger von Springreiter Paul Estermann hat Berufung angemeldet

Das Bezirksgericht Willisau hat Paul Estermann, den Springreiter aus Hildisrieden, der mehrfachen vorsätzlichen Tierquälerei schuldig gesprochen. Der Verteidiger hat gegen das Urteil bereits Berufung angemeldet.

Evelyne Fischer
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Paul Estermann mit «Lord Pepsi». (Bild: Manuela Jans, Hildisrieden, 5. März 2016)

Paul Estermann mit «Lord Pepsi». (Bild: Manuela Jans, Hildisrieden, 5. März 2016)

Das Bezirksgericht Willisau hat Paul Estermann (56) der mehrfachen vorsätzlichen Tierquälerei schuldig gesprochen. Der schweizweit bekannte Springreiter aus Hildisrieden wird mit einer bedingten Geldstrafe in der Höhe von 16'000 Franken und einer Busse von 4000 Franken bestraft. Die Probezeit beträgt zwei Jahre.  

Estermann soll die Stute Castlefield Eclipse 2016 mit Peitsche und Sporen malträtiert haben, Bilder dokumentieren Schwellungen und Blutungen. Beim Hengst Lord Pepsi sollen Peitschenhiebe im Zeitraum von 2014 bis 2017 zu Hautaufplatzungen geführt haben.

Das am Freitag veröffentlichte Urteil liegt im Dispositiv vor und ist noch nicht rechtskräftig. Der Verteidiger hat Berufung angemeldet. Das Bezirksgericht wird das Urteil nun schriftlich begründen. Hält der Verteidiger an der Berufung fest, kommt der Fall ans Kantonsgericht. 

Strafmass gegenüber Anklage leicht erhöht

In seiner Kurzbegründung schreibt das Gericht, die angeklagten Sachverhalte seien «durch Zeugenaussagen, einen Tierarztbericht und Fotos bewiesen». Der Beschuldigte habe beim Trainieren der beiden Pferde «das zulässige Mass mittels starker Peitschenhiebe eindeutig überschritten» und «die körperliche Integrität und Würde» der Tiere mehrfach verletzt.

Staatsanwalt Georges Frey nimmt das Urteil zur Kenntnis. «Das Gericht ist unseren Anträgen gefolgt und zum selben Ergebnis gekommen wie die Strafuntersuchung.» Gegenüber der Anklage wurde das Strafmass sogar noch leicht erhöht: Der Staatsanwalt hatte eine bedingte Geldstrafe von 14'400 Franken und eine Busse von 3600 Franken gefordert.

Aufgrund des laufenden Verfahrens äussert sich Paul Estermann nicht zum Verdikt. Sein Verteidiger lässt via Sekretariat ausrichten, dass er keine Stellungnahme abgibt, solange das begründete Urteil noch nicht vorliegt.

Swiss Olympic hat das letzte Wort

An der Haltung des Schweizerischen Verbands für Pferdesport ändert sich vorderhand nichts: «Bis ein rechtskräftiges Urteil vorliegt, gilt die Unschuldsvermutung», sagt Präsident Charles F. Trolliet. Danach sei es an der Sanktionskommission, Massnahmen zu ergreifen. Offen ist, wie der Gerichtsfall eine mögliche Olympia-Teilnahme tangiert. Der Verband entscheidet nächsten Sommer, wer es in die Olympia-Mannschaft schafft. «Über die Qualifikation urteilt aber als letzte Instanz die Dachorganisation Swiss Olympic.»