Nottwil: Umstrittener Paraplegiker-Direktor Thomas Troger wird frühpensioniert

Zu hohes Salär, Machtkonzentration, Vetternwirtschaft: Die Vorwürfe gegen den Direktor der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung wogen zu schwer. Jetzt wird er frühpensioniert. Das wurde aber nicht allen so mitgeteilt.

Alexander von Däniken
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Der Dachverband der Rollstuhlfahrer, die Schweizer Paraplegiker-Vereinigung, sucht einen neuen Direktor. (Symbolbild: Sigi Tischler/Keystone)

Der Dachverband der Rollstuhlfahrer, die Schweizer Paraplegiker-Vereinigung, sucht einen neuen Direktor. (Symbolbild: Sigi Tischler/Keystone)

Die Mitteilung ist klein, die Ursachen gross: Die Schweizer Paraplegiker-Vereinigung (SPV) trennt sich von ihrem umstrittenen Direktor Thomas Troger. Das hat der Zentralvorstand, das strategische Gremium, an der ordentlichen Sitzung vom 21. März beschlossen, wie es auf der Webseite der SPV heisst. Die Vereinigung ist eine Partnerorganisation der Schweizer Paraplegiker-Stiftung mit Sitz in Nottwil und kümmert sich um die Belange der Querschnittgelähmten, nachdem diese das Zentrum verlassen haben.

Gegen Troger wurden in den letzten Monaten happige Vorwürfe laut. So bezog der Direktor der als Verein organisierten SPV ein Salär von 410'000 Franken pro Jahr. Eine angekündigte, schrittweise Kürzung auf 296'000 Franken vermochte die Wogen aber nicht zu glätten. Heinz Frei, bekannter Rollstuhlsportler und Präsident der Gönner-Vereinigung, sagte zum Beispiel: «Der Lohn von Thomas Troger stimmt noch immer nicht. Das Salär ist im Vergleich mit anderen Non-Profit-Organisationen zu hoch, wie unabhängige Studien belegen.» Die Gönner-Vereinigung ist in der Paraplegiker-Gruppe sozusagen die Finanzorganisation. Unsere Zeitung machte weitere Vorwürfe publik: Sie reichten von Machtkonzentration bis zur Vetternwirtschaft (Artikel vom 4. Dezember 2017).

Stiftung nahm Einfluss

Ob diese Kritik den Ausschlag gab, das Arbeitsverhältnis aufzulösen, dazu gibt die SPV auf Anfrage keine Auskunft. Auch nicht, ob die Stiftung als tragende Organisation der Gruppe auf diesen Entscheid gepocht hat. Gemäss Informationen unserer Zeitung war dies allerdings der Fall. Zu stark wurde der Stiftung die Gefahr des Imageschadens. Klar scheint, dass Troger sich dem Willen des Zentralvorstands beugen musste. So ist in der Meldung nicht einmal vom sonst üblichen «im gegenseitigen Einvernehmen» zu lesen, sondern von «sind übereingekommen».

Offen ist auch, wann Thomas Troger den Schlüssel abgeben muss. Er nimmt seine Funktion gemäss Internetmeldung «voraussichtlich bis zur Einarbeitung seiner Nachfolgerin/seines Nachfolgers wahr». Wie lange das dauert, konnte Evelyn Schmid, Leiterin Marketing und Kommunikation bei der SPV, auf Anfrage nicht sagen.

Merkwürdig erscheint die Kommunikation. Wie unsere Zeitung weiss, wurde im Intranet praktisch dieselbe Meldung publiziert wie im Internet. In den Briefen an die 27 Präsidenten der Rollstuhlclubs, welche der SPV angeschlossen sind und die auch die Delegierten stellen, tönt es anders. Die Auflösung des Arbeitsverhältnisses «erfolgt mittels einer vom Arbeitgeber gewünschten vorzeitigen Pensionierung». Evelyn Schmid bestätigt: «Der Inhalt dieses Briefes ist korrekt.» Die Pensionierung von Thomas Troger erfolge «reglementskonform durch die Pensionskasse SPG». Warum die Frühpensionierung nicht öffentlich gemacht wird, begründet Schmid mit einer «zielgruppengerechten Kommunikationsstrategie».

Ist Frühpensionierung überhaupt möglich?

Ob und wie hoch Trogers Abgang entschädigt wird, dazu nimmt Schmid keine Stellung. Die Frühpensionierung ist gemäss Vorsorgereglement der Schweizer Paraplegiker-Gruppe auf Antrag des Arbeitgebers dann möglich, wenn sie bis zu fünf Jahre vor der ordentlichen Pensionierung erfolgt. Troger (Jahrgang 1961) wird dieses Jahr erst 57 Jahre alt. Bis zum ordentlichen Pensionierungsalter würde die SPV gemäss Reglement die PK-Beiträge vollumfänglich zahlen. Eine Überbrückungsrente greift erst zwei Jahre vor der ordentlichen Pensionierung. Das alles schliesst eine Abgangsentschädigung aber nicht aus.

Die Meldung zur Trennung zwischen der SPV und Troger erfolgt nur wenige Wochen vor der Mitglieder-Versammlung der Gönner-Vereinigung. Ihr sind die 1,8 Millionen Mitglieder der Stiftung angeschlossen. Entsprechend verfügt die Gönner-Vereinigung über 77 Millionen Franken an Mitgliederbeiträgen und Spenden pro Jahr. Ein Teil des Geldes fliesst auch an die SPV.

An der Versammlung der Gönnervereinigung, die am 18. April stattfindet, dürften dem Vernehmen nach Anträge über die Causa Troger und die SPV gestellt werden. Auch innerhalb der SPV sollte das letzte Wort noch nicht gesprochen sein. Am 28. April findet die Delegiertenversammlung statt, wo sich die Vertreter der 27 Rollstuhlclubs wohl ebenfalls zum Fall Troger äussern. Unter anderem soll eine Statutenänderung zur Sprache kommen, wonach die Machtverhältnisse in der SPV-Führung abgeschwächt werden sollen. SPV-Sprecherin Evelyn Schmid: «Jeder Club darf Anträge stellen.»

Die Schweizer Paraplegiker-Stiftung wollte sich nicht zum Personalentscheid äussern. Dieser ist übrigens innerhalb der SPV-Geschäftsleitung nicht der Einzige. Gleichzeitig kommuniziert die Paraplegiker-Vereinigung die Frühpensionierung von Ruedi Spitzli. Der langjährige und intern geschätzte Bereichsleiter Rollstuhlsport Schweiz innerhalb der Geschäftsleitung geht per Ende November auf eigenen Wunsch.

Für Spitzli sucht die SPV bereits einen Nachfolger. Betreffend Thomas Troger wird der Zentralvorstand «zu gegebener Zeit einen Antrag auf Ernennung einer neuen Direktorin/eines neuen Direktors an die Delegiertenversammlung stellen». Fortsetzung folgt.