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Inferno in der Notre-Dame weckt Erinnerungen an Brand der Kapellbrücke

Der Brand der Kathedrale in Paris ruft Erinnerungen zum Inferno der Kapellbrücke wach, das vor bald 26 Jahren Luzern und die Welt mitten ins Herz traf. Feuerwehrkommandant Theo Honermann erinnert sich.
Larissa Haas
In der Nacht vom 18. August 1993 brannte beinahe die komplette Kapellbrücke nieder. Bild: Str/Keystone (Luzern)

In der Nacht vom 18. August 1993 brannte beinahe die komplette Kapellbrücke nieder. Bild: Str/Keystone (Luzern)

Die Bilder von Passanten auf der Strasse, die ihren Blick fassungslos auf das ­lodernde Dach der Kathedrale Notre-Dame richten, gingen am Montagabend um die Welt. Sie alle schauten zu, wie Teile des 850-jährigen Gotteshauses verschwanden. Das Ereignis versetzte Frankreich in einen Schockzustand – und die ganze Welt trauert mit.

Diese Situation holt in der Schweiz Erinnerungen an jene Nacht vom 18. August 1993 zurück, als die Weltöffentlichkeit auf Luzern und ihr brennendes Wahrzeichen im Herzen der Stadt schaute. Die Kapellbrücke wurde damals fast restlos zerstört, lediglich das Grundgerüst sowie 25 der 111 Gemälde aus dem 17. Jahrhundert, die an den Giebeln hingen, blieben unversehrt. Theo Honermann, Feuerwehrkommandant der Stadt Luzern, war damals bei der Brandbekämpfung dabei. Auch ihn wühlt das Geschehen in Paris auf, gerade weil er die Parallelen zum Brand in seiner Heimatstadt erkennt.

«Zwar habe ich in all den Jahren um einiges schlimmere Brände mit Verletzten und Toten erlebt, der Kapellbrücke-Brand hat mich emotional aber sehr berührt.» Unvergessen bleibt das mediale Echo, in dem sich die Welt mit Luzern solidarisierte. Für Honermann hatte dieser Medienrummel allerdings noch eine tiefer greifendere Bedeutung: «Plötzlich schalten sich selbst ernannte Experten ein und spekulieren, was man bei der Brandbekämpfung hätte besser machen sollen.» Der Feuerwehrkommandant hält inne und fährt mit einem Gedanken an seine Berufsgenossen in Frankreich fort: «Ich hoffe, dass diese mediale Aufmerksamkeit für die beteiligten Rettungskräfte nicht zur grossen Belastung wird.»

Die Lehren aus dem Kapellbrücke-Brand

Notre-Dame ist mehr als eine Touristenattraktion. So ist es auch bei der Kapellbrücke, deren symbolischen Wert weit über ihre Funktion als Postkartensujet hinausgeht. Das dürfte auch ein Grund gewesen sein, weshalb nach dem verheerenden Brand die Sicherheit der Brücke massiv verbessert wurde. Honermann sagt, dass insgesamt 37 Brandmelder verlegt wurden. Zudem ziehe sich ein 203 Meter langes Wärmekabel über die ganze Brücke, das Temperaturveränderungen registriere. Weiter wurden Brandschutzgläser montiert, damit sich ein Feuer nicht wieder so schnell ausbreiten könne. Zudem sei die Brücke ­videoüberwacht. Auf Sprinkleranlagen habe man aus denkmalpflegerischen Gründen aber bewusst verzichtet. Diese seien angesichts der kurzen Reaktionszeit der Feuerwehr nicht nötig, so Honermann: «Innert fünf Minuten wären wir bei einem Brandfall vor Ort.»

Auch in der Kathedrale Notre-Dame fehlte, womöglich aus demselben Hintergedanken wie in Luzern, eine Wassersprinkleranlage, die das Feuer vielleicht hätte eindämmen können. Wie gross das ganze Ausmass der Zerstörung, insbesondere im Innern des Gebäudes, tatsächlich ist, ist noch unklar. Dem französischen Kulturminister Franck Riester zufolge konnten rund 30 Prozent der Objekte gerettet werden, dies auch dank dem Einsatz mutiger Feuerwehrmänner, die sich unter herabfallenden Deckenteilen in die Kathedrale wagten. Einige der wertvollen Stücke sollen nun ins Pariser Museum Louvre gebracht werden.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach bereits in den Stunden, in denen die Feuerwehrmänner noch mit den letzten Löscharbeiten beschäftigt waren, vom baldigen Wiederaufbau des so bedeutenden Baudenkmals.

Nach nur acht Monaten wieder aufgebaut

Auch in Luzern stand man entschlossen hinter dem heruntergebrannten Wahrzeichen: Nach nur acht Monaten war die Holzbrücke restauriert und die 25 geretteten Gemälde hingen wieder an den Giebeln – begleitet von verkohlten Bildtafeln und leeren Jochen, die heute an das historische Ereignis erinnern.

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