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Interview

Zuger Amateurfunker Wolfgang Sidler: «Nordkorea ist tot»

Wolfgang Sidler aus Hünenberg ist lizenzierter Amateurfunker. Der 56-Jährige erklärt, warum sein zeitintensives und kostspieliges Hobby auch im Handyzeitalter immer noch eminent wichtig ist – und welche Ecken der Welt schwierig erreichbar sind.
Turi Bucher
Wolfgang Sidler mit seiner Funkanlage. (Bild: Boris Bürgisser, Hünenberg 3. April 2019)

Wolfgang Sidler mit seiner Funkanlage. (Bild: Boris Bürgisser, Hünenberg 3. April 2019)

Wolfgang Sidler, Wolfgang Sidler. Hier Turi Bucher. Bitte melden, bitte melden. Roger.

Wolfgang Sidler: Sie haben wahrscheinlich zu viel TV geschaut. So meldet man sich allenfalls in Spielfilmen oder noch beim Militär an. Wir lizenzierte Amateurfunker melden uns mit unserem Rufzeichen an. Das wäre bei mir HB9RYZ. Also: Hotel Bravo Neun Radio Yankee Zulu ruft …

Wie bitte? HB9RYZ? Geht’s nicht noch ein bisschen ­komplizierter?

Sorry, da kann ich nichts machen. Das HB ist eine Landeskennung und bedeutet Helvetischer Bund, der Rest wurde mir bei der staatlichen Prüfung für die Amateurfunker-Lizenz zugewiesen.

Was wird bei dieser Prüfung getestet?

1983, als ich Elektronikerlehrling war, habe ich die Prüfung absolviert. Getestet und gefragt werden vom Bakom die Funktechnik, Elektrotechnik, die gesetzlichen Grundlagen und Verhaltensweisen beim aktiven Funken.

Da war bei Ihnen sozusagen der Funke übergesprungen.

Bis 1985 war ich sehr aktiv, habe auf dem Dach des Elternhauses sogar zwei Antennen selber installiert. Via Satellit war ich mit Funkern aus 69 anderen Ländern in Verbindung. Zu einer Zeit, als es noch kein Internet gab. Aber dann kam ich in die Arbeitswelt und hatte keine Zeit mehr fürs Funken.

Wie bitte? Keine Zeit mehr für Ihr geliebtes Hobby?

Ja, keine Zeit mehr. Ich war damals in der Computerbranche tätig, arbeitete als IT-Security-Officer in New York und im Oman, danach auch als stellvertretender Datenschutzbeauftragter des Kantons Luzern.

Und wie haben Sie zu den Amateurfunkern zurück­gefunden?

Ich weiss es noch genau. Am 6. März 2016, nach mehr als 30 Jahren, habe ich mir gesagt: «Ich brauche ein Hobby.» Ich habe kurz nachgedacht und dann kam der Geistesblitz: «Ich habe ja schon ein Hobby!» Natürlich habe ich mir dann alles neu gekauft, das Modernste, was es für das Funken gibt.

Das hat sicher einen Batzen Geld gekostet, oder?

Ein Einsteigerequipment lässt sich schon für 500 bis 1000 Franken erwerben. Mein neue Anlage, nun ja … die hat schon rund
25000 Franken gekostet. Sie beinhaltet die neusten Geräte und Antennen.

Je teurer die Funkanlage, umso …

… mehr können Sie das Gras wachsen hören. Das heisst, umso bessere Empfangsqualität können Sie für den Funkkontakt herstellen. Und je grösser die Antenne und deren Empfindlichkeit ist, umso grösser ist die Chance, dass Sie jemanden in Australien oder in Alaska erreichen können.

Nun wollen Sie zusammen mit einem Luzerner Funkerkollegen auf einer Höhe von 1600 Metern eine Antenne installieren. Wieso und wo? Und: Ist das überhaupt ­erlaubt?

Das Problem für alle Amateurfunker weltweit sind die elektromagnetischen Störungen, vor allem in den bewohnten Gebieten. Verursacht werden diese Störungen auf der Kurzwelle durch sogenannten Elektrosmog, und der nimmt massiv zu. Mit zwei drehbaren Kurzwellen-Antennen auf einem 18 Meter hohen Turm werden wir über die modernste, remotebetriebene Amateurfunkanlage in der Schweiz verfügen. Die Bewilligung vom Bakom ist auf dem Weg, deshalb darf ich auch noch nicht sagen, wo in der Zentralschweiz die Antennen stehen werden.

Sie haben aber auch Hilfe mittels eines Supersatelliten.

Dieser Satellit heisst Oscar-100, gehört Katar und wurde am
15. November 2018 von Florida aus mit einer Space-X-Rakete ins All geschickt. Dank eines Amateurfunk-Transponders an Bord des Satelliten sind wir Amateurfunker gratis mit dabei. Am
6. März habe ich als einer der ersten Schweizer über diesen Satelliten gefunkt. Mit einem Franzosen. Unterdessen war ich schon mit 28 Ländern in Kontakt. Brasilien, Südafrika, Thailand und so weiter. Andere schauen über Satellit TV, ich funke.

Ihr schönstes Erlebnis als Funker?

2017 habe ich an einem einzigen Tag 25 Länder erreicht … Argentinien, Neuseeland, Tutti Frutti. Ohne Internet, autonom via Kurzwelle. Oder 2007 bin ich von Italien aus auf einem Autofrachtschiff der Grimaldi-Linie mitgereist und hatte meine portable Funkanalage dabei. Ich gehe also zum Kapitän hoch und sage ihm, ich möchte funken. Etwas widerwillig erlaubt er mir, die Antenne zu installieren. Da ist mir etwas Wunderbares gelungen: Es gab eine Funkverbindung Land-Luft-Wasser. Ich befand mich auf Wasser in Gibraltar und war in Verbindung mit dem Piloten eines Frachtflugzeuges über Frankreich und einem Funkerkollegen in Affoltern. Eines ist mir aber noch wichtig zu erwähnen ...

Der Kanal ist frei für Sie ...

Wir Amateurfunker haben auch einen öffentlichen Leistungsauftrag. Wenn es irgendwann einmal ein «Blackout» geben wird, einen Zusammenbruch der Stromversorgung, des Internets, der Kommunikation, dann kommen wir in der Schweiz mit dem Notfunk den Gemeinden zur Hilfe. Dieses Szenario üben wir drei- bis viermal pro Jahr mit batteriebetriebenen Ausrüstungen. Zudem haben wir beim Roten Kreuz humanitäre Einsätze in Krisengebieten.

Das Amateurfunken hat sogar eine sportliche Note in Form von Expeditionen oder Funk von Berggipfeln. Wer seltene Verbindungen von einsamen, unbewohnten Inseln oder Berggipfeln belegen kann, brilliert.

Richtig. Auf der Länderliste befinden sich momentan 340 Länder und unbewohnte Inseln. 250 davon habe ich schon erreicht. Was man zurzeit nicht erreichen kann, ist Nordkorea, wo das Amateurfunken nicht erlaubt ist. Nordkorea ist tot.

Ihr Funkerfreaks, Ihr lebt schon ein bisschen– vorsichtig gesagt – in Eurer eigenen Welt.

Nein, da widerspreche ich, wir sind keine Nerds. Unsere Gemeinschaft ist sehr breit gestreut, wir sind zum Teil auch wissenschaftlich unterwegs. Auch Ärzte, Anwälte und so weiter funken. Sogar Könige. Juan Carlos, der 2014 als König von Spanien abgedankt hat, ist ein Amateurfunker und verfügt nun wieder über mehr Zeit für sein Hobby. Ein Vergleich: Ein Fischer oder Jäger geht auch nicht in die Migros oder in den Coop, um seinen Fang zu kaufen. Er geht raus in die Natur. Genauso interessiert uns Funker, wie Kommunikation von hier nach dort funktioniert, wie man ohne Internet oder Whatsapp on the air sein kann.

Hinweis: Das Treffen der Schweizerischen Funkamateure zum 90-Jahr-Jubiläum des Verbandes mit freiem Zugang für Interessierte findet am 17. August im Casino Zug statt.

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