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Neues Luzerner Museum im alten Zeughaus: Disput im Kantonsparlament ist vorprogrammiert

Die Idee der Luzerner Regierung, das geplante «Luzerner Museum für Natur und Gesellschaft» im alten Zeughaus unterzubringen, kommt bei einer Mehrheit der Kantonsratsfraktionen gut an. Linksgrün kritisiert die Prioritätensetzung der Regierung derweil lautstark.
Evelyne Fischer
So sieht der heutige Standort aus: Das Naturmuseum und das Historische Museum am Kasernenplatz. (Bild: Boris Bürgisser, 22. Januar 2018)

So sieht der heutige Standort aus: Das Naturmuseum und das Historische Museum am Kasernenplatz. (Bild: Boris Bürgisser, 22. Januar 2018)

«Wir wollen in Luzern ein Museum schaffen, das die aktuellen Themen zu den Leuten bringt. Die Bevölkerung soll auch zukünftig ein attraktives und zeitgemässes Bildungs- und Kulturangebot erhalten.» Dies sagte Regierungsrat Reto Wyss (CVP) im November, noch als Bildungs- und Kulturdirektor. Am Mittwoch verkündete er als Finanzdirektor zusammen mit Nachfolger Marcel Schwerzmann (parteilos), dass das neue «Luzerner Museum für Natur und Gesellschaft» ab 2024 im alten Zeughaus auf dem städtischen Musegghügel installiert werden könnte. Plan B wäre eine Variante im Natur-Museum (Artikel vom 3. Juli).

Die frei werdenden Gebäude des Historischen und des Natur-Museums in der Pfistergasse an der Reuss kämen für das Kantonsgericht in Frage. Das Zeughaus sei dafür ungeeignet, sagt Wyss:

«Diese Variante wurde geprüft. Das Haus lässt sich nur schwerlich für Büros verwenden. Die Räume weisen für ein Grossraumbüro einen zu kleinen Anteil an Tageslicht auf. Da das Zeughaus unter Denkmalschutz steht, darf die Gebäudehülle nicht verändert werden.»

Aufgrund der grossen Raumtiefen und wenigen Fenster eigne sich das Zeughaus aber «sehr gut» für ein Museum. Cony Grünenfelder, kantonale Denkmalpflegerin, kann sich derzeit zum Thema nicht äussern, da sie die Nutzungsanforderungen für das geplante Museum noch nicht im Detail kenne.

Positiver Tenor von CVP, SVP, FDP und GLP

Beim Zeughaus würden Investitionen von rund 18 Millionen Franken nötig, rund die Hälfte fürs Museum. «Erste, informelle Gespräche» hätten mit der Denkmalpflege bereits stattgefunden, sagt Marcel Schwerzmann. «Welche baulichen Massnahmen möglich sind, wird die Studie zeigen.» Diese soll bis im Frühsommer 2020 vorliegen.

«Sobald der Standort des Museums geklärt ist, wird die Vernehmlassung für die Anpassung des Kulturförderungsgesetzes gestartet.»

Obwohl die Parlamentsdebatte noch in weiter Ferne liegt, ist der Disput zwischen den bürgerlichen Fraktionen und Linksgrün vorprogrammiert. Dies zeigt eine Umfrage. CVP, SVP, FDP und GLP begrüssen die Pläne der Regierung. Andreas Moser, FDP-Fraktionschef aus Luzern, bewertet die Pläne der Regierung «positiv» und «prüfenswert». Kantonale Gebäude sollen «bespielt» werden, sagt auch SVP-Fraktionschef Urs Dickerhof (Emmenbrücke). «Es wäre falsch, teilweise leer stehende Bauten nicht zu nutzen. Das alte Zeughaus passt für ein Museum.» Gleich sieht dies CVP-Fraktionschef Adrian Nussbaum (Hochdorf), der auch von der Idee einer Gerichtsmeile angetan ist:

«Denn das Kantonsgericht muss zentral gelegen und verkehrstechnisch gut erschlossen sein. Die heutige Situation des Kriminal- und Kantonsgerichts ist alles andere als optimal.»

Einem Museum im Zeughaus ebenfalls nicht abgeneigt ist Michèle Graber, Fraktionschefin der Grünliberalen (Udligenswil). «Die Idee ist eine vertiefte Analyse wert, auch wenn die Regierung etwa bezüglich der Erschliessung bereits Schwachpunkte erkannt hat.» Die Frage der Erreichbarkeit könne eine Chance für kreative Ideen sein und stelle sich ebenso bei den geplanten Aussenstationen des Museums auf der Landschaft. Auch Dickerhof glaubt, dass die Regierung diesen Punkt ernst nimmt und «entsprechende Massnahmen plant».

Dass die steile Strasse den Zugang für Behinderte und Familien mit Kindern erschwert, erachtet die Familienpartei CVP nicht grundsätzlich als Nachteil. Nussbaum hält fest: «Es geht hier nicht um die Frage nach einer Priorisierung von Gericht oder Museum. Es geht vielmehr um die Suche nach einer sinnvollen Nutzung kantonaler Gebäude.» Genau hier setzt die Kritik der Grünen an. Fraktionschefin Monique Frey (Emmen) sagt:

«Der Regierung geht es eher um die Nachnutzung des Zeughauses, denn um ein zeitgemässes Museumsangebot.»

Da die Museen in erster Linie Publikumsverkehr hätten, sei die Lage auf dem Musegghügel ungeeignet. Grosse Skepsis diesbezüglich teilte schon gestern die SP mit und kündigte einen Vorstoss an. Frey sagt: «Das Zeughaus ist nicht an den ÖV angeschlossen und für Gehbeeinträchtigte kaum erreichbar. Dies liesse sich nur mit enormen Investitionen verbessern, etwa mit einem unterirdischen Lift-Zugang.» Beim Historischen Museum stelle sich auch die Frage, ob die kleinen Fenster das Einrichten von Arbeitsplätzen ermöglichen würden.

Stadtpräsident Beat Züsli will Studie abwarten

Aus touristischer Sicht dürfte ein Museum im Zeughaus an Attraktivität einbüssen. Sibylle Gerardi von Luzern Tourismus hält dazu fest: «Es ist für uns sehr wichtig, Tages- und Feriengästen sowie der Bevölkerung ein attraktives Kultur- und Museumsangebot zu bieten. Eine Beurteilung der passenden Räumlichkeiten gehört allerdings nicht zu unseren Kompetenzen.» Stadtpräsident Beat Züsli (SP) unterstreicht die grosse Bedeutung der beiden bisherigen Museen. Bezüglich einer neuen Institution auf dem Musegghügel gibt er sich zurückhaltend: «Ob das alte Zeughaus für die Museumsnutzung geeignet ist – auch punkto Erschliessung – dürfte die geplante Studie klären.» Er betont: «Es wäre wünschbar, für das Zeughaus eine attraktive Nutzung zu finden.»

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