Nach Kritik: Schweizer Bischöfe
setzen eine Arbeitsgruppe ein

Die Schweizerische Bischofskonferenz reagiert auf einen von der Luzerner Theologin Jacqueline Keune mitverfassten Forderungskatalog – und lässt es nicht bei salbungsvollen Worten bewenden.

Christian Peter Meier
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Felix Gmür, Bischof von Basel und Präsident SBK (Mitte), spricht an der Seite von Erwin Tanne (Generalsekretär SBK) und Encarnacion Berger-Lobato (Leiterin Marketing und Kommunikation SBK) während der Medienorientierung der Schweizer Bischofskonferenz vom 6. Juni 2019. (Bild: Keystone/Anthony Anex)

Felix Gmür, Bischof von Basel und Präsident SBK (Mitte), spricht an der Seite von Erwin Tanne (Generalsekretär SBK) und Encarnacion Berger-Lobato (Leiterin Marketing und Kommunikation SBK) während der Medienorientierung der Schweizer Bischofskonferenz vom 6. Juni 2019. (Bild: Keystone/Anthony Anex)

«Die Sorgen der Gläubigen sind auch die Sorgen der Bischöfe!» Unter diesem Titel – samt Ausrufezeichen – informierte am Donnerstag die Schweizerische Bischofskonferenz (SBK) über die Ergebnisse ihrer jüngsten Vollversammlung. In der österreichischen Propstei St. Gerold hatten sich die Würdenträger in den Tagen zuvor unter anderem «mit verschiedenen offenen Briefen und Appellen» beschäftigt, «die zur Erneuerung der katholischen Kirche aufrufen».

Jacqueline Keune. (Bild: PD)

Jacqueline Keune. (Bild: PD)

Fraglos ist damit auch jenes Papier gemeint, mit dem die Luzerner Theologin Jacqueline Keune und sechs weitere Personen ihrem Unmut kürzlich Luft verschafften. «Wir haben es satt!», machten sie den Bischöfen – ebenfalls mit Ausrufezeichen – klar und liessen ihnen im Hinblick auf eine gleichwertige, glaubwürdige und nicht-klerikale Kirche 20 Forderungen zukommen (wir berichteten). Diese und ähnliche Aktionen blieben offenbar nicht wirkungslos:

«Die SBK erkennt darin den Ausdruck einer Krise in unserer Kirche»

, schreiben die Bischöfe. Die gestellten Fragen und Forderungen seien «in ihrer Komplexität und Diversität so herausfordernd, dass die SBK diese im Verbund mit vielen Gläubigen angehen möchte.» Eine Arbeitsgruppe werde eine Auslegeordnung der angesprochenen Themen vornehmen. Und sie solle auch prüfen, «nach welchen Methoden die Themenblöcke am besten angegangen werden können, welche Personen beigezogen werden sollten und welche Vorschläge allenfalls zuhanden der Universalkirche zu formulieren sind».

Das tönt ein wenig so, als wären die Bischöfe mit ganz neuen Problemstellungen konfrontiert worden. Dabei ist das Gegenteil der Fall: Denn der Forderungskatalog von Jacqueline Keune und ihren Mitstreiterinnen kreist um alte Anliegen wie die Gleichstellung der Frauen in der katholischen Kirche, die Abschaffung des Pflichtzölibats, die Gleichwertigkeit von Geweihten und Nicht-Geweihten und er thematisiert auch die Skandale um sexuelle Übergriffe und Machtmissbrauch.

Keune freut sich über die Aussagen

Was also hält die freischaffende Luzerner Theologin von der Reaktion der Bischofskonferenz? Ist sie enttäuscht? Im Gegenteil: «Ich freue mich über die Aussagen. Die Bischöfe scheinen sich eingehend mit unseren Forderungen auseinandergesetzt zu haben», sagt Jacqueline Keune auf Anfrage und weiter: «Man hätte uns auch mit ein paar salbungsvollen Worten abspeisen können.»

Wer aber eine Arbeitsgruppe einsetze, räume ein, dass vieles im Argen liege, und signalisiere, die Themen ernsthaft bearbeiten zu wollen. Dafür sei es nun auch höchste Zeit, betont Keune – und verweist etwa auf den kürzlichen Kollektivaustritt von sechs bekannten Frauen aus der römisch-katholischen Kirche. «Unterdessen verlassen uns auch qualifizierte Leute, Frauen und Männer, die einen beträchtlichen Teil ihrer Zeit und Kompetenz in ein kirchliches Engagement investiert und nun einfach genug haben.» Umso zentraler sei es, dass die Bischöfe die Krise erkennen und sie quasi zur Chefsache erklären würden.

Wichtig ist für Jacqueline Keune nun, wie die Arbeitsgruppe zusammengesetzt wird:

«Das darf keine interne Veranstaltung von lauter Klerikern werden.»

Zwingend dabei sein müssten auch Frauen und Laien im kirchenrechtlichen Sinn. Könnte sich die Luzernerin vorstellen, auch selber in der Gruppe mitzuwirken? «Selbstverständlich», bekräftigt sie.