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Museum ins Zeughaus, Richter an die Reuss: Luzerner Regierung präsentiert millionenschwere Umzugspläne

Für das neue Luzerner Museum bringt der Regierungsrat das Zeughaus auf dem Musegghügel ins Spiel. Mit den dadurch frei werdenden Gebäuden an der Reuss möchte er zudem eine alte Pendenz beseitigen.
Evelyne Fischer
Das alte Zeughaus Musegg wird als Museumsstandort geprüft. (Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 3. Juli 2019)

Das alte Zeughaus Musegg wird als Museumsstandort geprüft. (Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 3. Juli 2019)

Von solch einem Einstand kann mancher neue Finanzdirektor nur träumen: Am Dienstag wurde publik, dass die Luzerner Regierung den Trägerbeitrag für die Pädagogische Hochschule (PH) ab 2020 um über zwei Millionen Franken erhöhen will (Artikel vom 3. Juli).

Am Mittwoch nun gaben Finanzdirektor Reto Wyss (CVP) sowie Bildungs- und Kulturdirektor Marcel Schwerzmann (parteilos) bekannt, von der Kürzung des Betriebsbeitrags für das historische und das Natur-Museum abzusehen – solange, bis das neue «Luzerner Museum für Natur und Gesellschaft» eröffnet wird. Es geht um 800'000 Franken, die ab 2021 weggefallen wären. Deren jährliches Budget beträgt 3,8 Millionen Franken.

Die scheinbare Grosszügigkeit ist unter anderem dem guten Rechnungsabschluss des Kantons geschuldet: Das Jahr 2018 schliesst mit einem Plus von 67,5 Millionen Franken – 119 Millionen besser als budgetiert. Entsprechend gross ist der Spielraum beim Aufgaben- und Finanzplan.

Investitionsbedarf beträgt 18 Millionen Franken

Kulturdirektor Marcel Schwerzmann liess gestern noch eine weitere Katze aus dem Sack: Das neue «Luzerner Museum für Natur und Gesellschaft» soll ins denkmalgeschützte alte Zeughaus auf dem Musegghügel ziehen, die frei werdenden Gebäude kämen dann fürs Kantonsgericht in Frage. Mehr dazu lesen Sie hier:

Zwar könnten sowohl das sanierungsbedürftige Natur-Museum wie auch das Zeughaus den Raumbedarf von 2300 Quadratmetern decken, heisst es in einer Mitteilung. Letzteres berge aber «das grösste Potenzial», da dort auch die benötigten Kulturgüterräume eingerichtet werden könnten. Es gäbe Platz für die 30'000 Objekte des historischen Museums und die 1,5 Millionen Exponate des Natur-Museums – von der Käfersammlung bis zum Mammutzahn. «Erste grobe Kostenschätzungen gehen von Investitionskosten von rund 18 Millionen Franken aus. Rund die Hälfte davon entfiele aufs Museum», sagt Schwerzmann.

Museumsdirektor zerzaust die Pläne der Regierung

Der Kulturdirektor verhehlt nicht: Das Zeughaus hat auch Mankos. Es ist dezentraler gelegen und die steile Strasse erschwert den Zugang für Behinderte oder Familien. Unklar ist auch, ob die Räume wegen der kleinen Fenster als ständige Arbeitsplätze genutzt werden können. Kein Wunder, hält der heutige Museumsdirektor Christoph Lichtin wenig von diesen Plänen. «Wir haben den Standort Zeughaus in der Arbeitsgruppe für das neue Konzept evaluiert und aus den nun genannten kritischen Gründen verworfen.» Noch deutlicher drückt sich Lichtin, der Ende Monat abtritt, über die mögliche Nachnutzung durch die Gerichte aus:

«Ich halte es für fragwürdig, wenn 90'000 Besucherinnen und Besucher der Museen den hervorragenden Standort in der Pfistergasse zugunsten von Steuerbetrügern und anderen Kriminellen aufgeben müssten.»

Das Natur-Museum und das Historische Museum am heutigen Standort. (Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 22. Januar 2018)

Das Natur-Museum und das Historische Museum am heutigen Standort. (Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 22. Januar 2018)

Es sei zwar «positiv», dass die Regierung den inhaltlichen Richtungsentscheid – ein flexibleres und aktuelleres Museum, keine fixen Dauerausstellungen mehr, Aussenstationen auf der Landschaft – gutheisse und mit dem Verzicht auf die Beitragskürzung die Mittel zur Verfügung stelle, unter neuer Direktion diesen Weg weiterzugehen. Lichtin:

«Aber für ein Museum im Zeughaus muss das Konzept stark überarbeitet werden.»

Das nun vorliegende Konzept gehe klar von einem Museum an zentraler Lage aus. Eine Informationszentrale für Laufpublikum mache beim Zeughaus weniger Sinn, weil dieses nicht in Passantenlage sei. Bisher ging man auch davon aus, dass die eingelagerte Sammlung extern untergebracht wird, losgelöst vom Museum. Auf Wunsch gäbe es Führungen. «Es ist fraglich, ob es die Besucher begrüssen, keinen freien Zugang zur Sammlung zu haben, die sich im gleichen Gebäude befindet.»

Widerstand kündigt bereits die kantonale SP an, die einen Vorstoss einreichen will. Die Zugänglichkeit des Museums würde «deutlich verschlechtert», teilt die Partei mit. Auch fragt sich die SP, ob eine «derart prominente Lage mit Reussanstoss» fürs Kantonsgericht wirklich nötig sei.

PH verlegt Schulräume vom Zeughaus in die Sentimatt

Im Zeughaus sind heute rund 5100 Quadratmeter nutzbar. Einen Teil davon hat die PH Luzern gemietet. «Es ist schon länger geplant, dass die PH im Verlaufe der nächsten Monate nach dem Auszug der Kunst- und Designschule Räumlichkeiten in der Sentimatt bezieht», sagt Marcel Schwerzmann. Weitere Flächen würden als Lager oder für temporäre Ausstellungen verwendet. Schwerzmann sagt:

«Gewisse Mietflächen in den oberen Geschossen sind nicht ausgebaut und können nicht beheizt werden und sind daher ungenutzt.»

Aufgrund der «Komplexität» sollten die Resultate der Detailstudie bis im Frühsommer 2020 vorliegen. Bislang war noch von einer möglichen Eröffnung 2023 die Rede, nun spricht man von einer Inbetriebnahme «in rund fünf Jahren». Sollte sich die Zeughaus-Idee zerschlagen, würde der Fokus wieder aufs Natur-Museum gelegt. Geplant ist, bei der Fusion der beiden kantonalen Museen 2 bis 3 Vollzeitstellen abzubauen, heute sind es deren 18.

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