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Interview

Luzerner Lehrabschlüsse: Dieser Mann prüft die Prüfungen

Die Luzerner Lehrabschlussprüfungen sind im Gange. Oberster Aufseher ist dabei neu Roger Maurer. Er spricht über seine Aufgaben und über das Spicken – wo er schon kuriose Fälle gesehen hat.
Matthias Stadler
Roger Maurer ist der neue Prüfungsleiter im Kanton Luzern. Bild: Dominik Wunderli (14. Mai 2019)

Roger Maurer ist der neue Prüfungsleiter im Kanton Luzern. Bild: Dominik Wunderli (14. Mai 2019)

Sie sind zuständig für die jährlichen Qualifikationsverfahren (QV) der Lehrabsolventen im Kanton Luzern. Da muss man Prüfungen ja schon fast gerne haben. War das bei Ihnen als Schüler tatsächlich der Fall?

Roger Maurer: Ich war im selben Boot wie alle anderen auch (lacht). Seinerzeit erachtete ich es als notwendiges Übel. Die Prüfungen gehörten nun einmal dazu.

Hat sich seit Ihrer Schulzeit bezüglich Prüfungen viel verändert?

Ja. Die Prüfungen sind anspruchsvoller geworden, aber auch die Durchführung und das Expertenwesen haben sich verändert – wie auch die Gesellschaft. So wird heute beispielsweise viel schneller Einsprache gegen Prüfungsresultate gemacht und vieles hinterfragt. Zudem entstehen heute neue Berufe, andere fallen weg. Der Wandel ist in der Berufsbildung sehr gut spürbar. Das bedingt auch Anpassungen von Prüfungsformen und Inhalten.

Die Lehrabschlussprüfungen finden in diesen Wochen statt. Für Sie wohl die stressigste Zeit des Jahres?

Die Spitzen sind von Mai bis Juli, ja. Aber auch sonst wird es mir nicht langweilig. Ich trage die Gesamtverantwortung dafür, dass die Qualifikationsverfahren rechtskonform und reibungslos durchgeführt werden. Am Schluss sind mein Team und ich dafür besorgt, dass die Fähigkeitszeugnisse pünktlich auf den Tag X ausgestellt werden – dies bei gut 7500 Lehrabschlussprüfungen pro Jahr. Nach den Prüfungen erfolgt der Startschuss für die Nachbearbeitungen. Dazu kommen auch die ersten Planungen für das QV im nächsten Jahr.

Wie stellen Sie sicher, dass die Prüfungen nicht zu schwierig und nicht zu einfach ausfallen?

Wir sind ein Rädchen im ganzen System. Wir arbeiten mit dem Bund, den Branchenverbänden und dem Kanton zusammen. Die Branchen legen das Niveau der Prüfungen fest, wir wirken beim Inhalt also nicht mit. Wir stellen aber Ausreisser nach oben oder unten fest und sprechen uns dann mit den Verbänden ab, wie man dem entgegenwirken kann. Wir schauen zum Beispiel, dass die Prüfungsfragen verständlich formuliert werden.

Ein Thema, das Schüler immer wieder beschäftigt, ist das Spicken. Mit welchen Mitteln versuchen Sie, Betrügen zu verhindern?

Wir versuchen es möglichst einzudämmen. Ein Mittel, um dem Spicken vorzubeugen, ist beispielsweise, dass die Schüler ihre Handys vor den Prüfungen abgeben und erst danach wieder abholen können. Das wird mittlerweile überall so gehandhabt. Es gilt aber festzuhalten, dass sich die Fälle von Spicken im Promillebereich bewegen. Junge Personen sind manchmal unbedacht und realisieren leider zu spät, welche Konsequenzen ihr Verhalten hat. Betrügen wird mit harten Sanktionen bestraft, die zum Nicht-Bestehen des Qualifikationsverfahrens führen.

Trotzdem gibt es wohl Schüler, die nichts unversucht lassen.

Ja, ich habe schon alles erlebt. Ein kurioser Fall war, als ein Schüler seinen Zwillingsbruder an die Prüfung geschickt hat, in der Hoffnung, dass dieser eine bessere Prüfung ablegt. Das ist dann aufgeflogen.

Sie sind als Prüfungsleiter des Kantons Zürich nach Luzern gekommen. Weshalb?

Mein Wunsch war, dass ich wieder näher zum Puls des Geschehens und an die Basis der Prüfungen rücken kann. Das hatte ich in Zürich durch die Grösse des Kantons nicht mehr. Ich war weit weg vom eigentlichen Geschehen. Dort hatte ich nicht mit den Chefexperten zu tun, sondern in erster Linie mit den 39 Kommissionen. Und das ist in Luzern anders. Aufgrund der Organisationsstruktur erlebe ich hier eine grössere Effizienz in der Durchführung der Prüfungen, die Entscheidungswege sind kürzer und dadurch ist vieles besser nachvollziehbar.

Sie sind seit Kurzem in Luzern. Gibt es hier beim Prüfungswesen akuten Änderungsbedarf?

Nein. Ich erlebe hier ein System, das funktioniert. Die Prüfungsdurchführung basiert auf einem Milizsystem. Zu diesem gilt es, Sorge zu tragen. Mein Anliegen ist es, dieses System langfristig zu sichern.

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