Luzerner CVP-Spitze begrüsst neue Diskussion um das «C»

Alle paar Jahre ringt die CVP mit dem «C» in ihrem Namen. Aktuell wird die Diskussion von CVP-Schweiz-Präsident Gerhard Pfister angestossen. Exponenten der Luzerner Christlichdemokraten unterstützen das.

Lukas Nussbaumer
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Soll die CVP ihren Namen ändern? Soll das «C» verschwinden? Zur Klärung dieser Fragen ist ein parteiinterner Prozess gestartet worden.

Soll die CVP ihren Namen ändern? Soll das «C» verschwinden? Zur Klärung dieser Fragen ist ein parteiinterner Prozess gestartet worden.

Bild: Walter Bieri/Keystone

Geht es bei der CVP um den Buchstaben «C» in ihrem Namen, gehen die Emotionen in der Regel hoch. Für die Einen ist «christlich» für eine Mittepartei, die ein breites Wählerspektrum ansprechen will, nicht mehr zeitgemäss. Für Andere vergrault man mit der ständig wiederholten Frage Stammlande wie Luzern. Und für wiederum Andere würde die CVP mit dem Verzicht auf das «C» im Namen ihre Seele verkaufen, befürchtete alt Bundesrat Arnold Koller 2012 in einem Interview mit unserer Zeitung. Fazit der internen Debatten rund um das vor sieben Jahren gefeierte 100-Jahr-Jubiläum der Partei: Das «C» bleibt.

Kurze Zeit später erreichte die «C»-Frage auch Luzern. Die Parteileitung dachte laut über die Streichung des Worts «christlich» im Parteiprogramm nach. Der Begriff stehe ja schon im Namen, begründete der damalige Präsident Pirmin Jung die Pläne. Aktuell umschreibt die Luzerner CVP ihr «C» mit folgendem Satz: «Wir haben christlich-ethische Werte.»

Christian Ineichen «nicht involviert» in Werte-Debatte der CVP Schweiz

Nun lanciert CVP-Schweiz-Präsident Gerhard Pfister die Diskussion erneut, wie die «NZZ am Sonntag» berichtet. Das Präsidium befasse sich derzeit mit der zweiten Etappe eines Strategieprozesses, und das beinhalte auch eine Analyse der Marke CVP, so der in Oberägeri wohnhafte Zuger Nationalrat. Zur Disposition steht also – wieder einmal – der Name.

Christian Ineichen begrüsst dies, obwohl das «C» im Kanton Luzern in den letzten Jahren kein Thema gewesen sei, sagt der Präsident der CVP des Kantons Luzern auf Anfrage. «Ich stehe solchen Diskussionen immer offen gegenüber.» Er selber sei in die von der Mutterpartei lancierte Frage der eigenen Identität, die auch ein Zusammengehen mit der BDP beinhaltet, jedoch «überhaupt nicht involviert». Ebenso offen gibt sich der Marbacher, wenn es um eine mögliche Fusion mit anderen Mitteparteien geht. Mit der Luzerner EVP pflege man «einen guten Austausch». Schwieriger sei dies mit der BDP, die im Kanton Luzern «ja fast inexistent» sei.

JCVP-Präsident: «Auch Firmen machen Standortbestimmungen»

Offenheit in alle Richtungen signalisiert auch Elias Meier, Präsident der Jungen CVP des Kantons Luzern. Eine Standortbestimmung sei «nichts Aussergewöhnliches, das machen Firmen ebenfalls regelmässig». Er sehe in der Verankerung des «C» im Namen sowohl Vor- als auch Nachteile. Deshalb wolle er sich jetzt nicht auf ein Dafür oder Dawider festlegen. Für das «C» spreche die grosse Tradition und die damit verbundenen Werte, die er teile.

Als ein Argument für eine Streichung führt das Vorstandsmitglied der JCVP Schweiz das grössere Wählerpotenzial an, das ohne «C» zu erreichen wäre:

«Es gibt nun einmal Leute, die zwar unsere politischen Inhalte teilen, sich aber am ‹C› stören.»

Er gehe die kommenden Diskussionen jedenfalls unbefangen an, so der 29-jährige Oberkircher Meier, der wohl Mitglied sein wird der JCVP-internen Arbeitsgruppe zur künftigen Ausrichtung der Partei.

Präsidentin der städtischen CVP: «Bin nicht bei der CVP, weil sie katholisch geprägt ist»

Es gibt parteiintern keine Denkverbote: Diese Haltung vertritt auch Karin Stadelmann, Vizepräsidentin der Kantonalpartei, Co-Präsidentin der Christlichsozialen Vereinigung (CSV) des Kantons Luzern und Präsidentin der städtischen CVP. Wichtig sei, alle Gruppierungen der Partei einzubeziehen und das Thema ergebnisoffen anzugehen. Sie selber assoziiert das «C» nicht mit ihrer religiösen Überzeugung, wie sie betont: «Ich habe mich der CVP angeschlossen, weil ich ihre Inhalte teile und nicht, weil sie katholisch geprägt ist.» Sie selber erlebe die «C»-Problematik immer wieder, wenn ihr die Frage gestellt werde: Muss ich als CVP-Mitglied auch bei der Kirche sein, ja gar katholisch?

Der Fokus der 2018 gegründeten Luzerner CSV liege denn auch auf sozialen und ökologischen Anliegen. Das «C» stehe für Chancenvielfalt, für Konsens. Das bedeute Offenheit gegenüber anderen Mitteparteien, sagt die 34-jährige Stadtluzernerin – und präzisiert: «Ich hätte wenig Vorbehalte gegenüber einer Fusion mit der BDP und der EVP. Schliesslich waren wir in der Stadt auch schon Listenpartner.»

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