Zäh wie schlechter Mozzarella oder flüssig wie Tomatensauce: So läuft das Geschäft der Luzerner Lieferdienste

Nicht alle Luzerner Pizza-Lieferdienste verzeichnen während der Coronakrise höhere Umsätze. Das hat verschiedene Gründe, wie eine Umfrage zeigt.

Alexander von Däniken
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Die meisten Pizza-Lieferdienste melden mehr Bestellungen. Das bedeutet nicht in jedem Fall höhere Gewinne.

Die meisten Pizza-Lieferdienste melden mehr Bestellungen. Das bedeutet nicht in jedem Fall höhere Gewinne.

Symbolbild: Boris Bürgisser

«Einmal Pizza Prosciutto bitte.» Solche Bestellungen dürften in diesen Zeiten Hochkonjunktur haben. Schliesslich sind die Restaurants noch geschlossen und manchen Eltern fehlt wohl die Zeit fürs Kochen, wenn die Kinder zu Hause unterrichtet werden müssen. Oder ist es anders und die aussergewöhnliche Lage weckt die Experimentierfreude in der heimischen Küche? Eine Umfrage bei verschiedenen Luzerner Pizza-Lieferdiensten zeigt: Die Antwort hat mehr Zutaten als eine Margherita.

Bei Dieci in Ebikon läuft das Geschäft seit Corona ausgezeichnet, wie Co-Geschäftsführer Sam Spirig sagt:

«Wir verzeichnen zwischen 15 und 25 Prozent mehr Umsatz als üblich.»

Vor allem montags und dienstags, sonst eher ruhige Tage, kämen mehr Bestellungen herein. «Die Kunden gönnen sich jetzt auch etwas teurere Pizze, zum Beispiel mit Büffelmozzarella oder San-Daniele-Rohschinken. Ausserdem werden mehr Desserts bestellt», sagt Spirig. Generell werde die ganze Menükarte nachgefragt, nicht nur die üblichen Favoriten.

Gut funktioniere die kontaktlose Lieferung: Kunden bestellen und bezahlen online, der Kurier legt die Pizza vor der Haustüre ab. Allerdings fällt so das Trinkgeld für die Kuriere weg, wie auch Spirig einräumt. «Wir haben bereits entsprechende Kundenrückmeldungen erhalten und prüfen, ob das Trinkgeld online überwiesen werden kann.» Dass in diesen Zeiten auch «reguläre» Restaurants Take-away und Lieferdienste anbieten, begrüsst Sam Spirig: «Es freut uns, dass Mitbewerber in dieser ungewöhnlichen Situation versuchen, das Beste herauszuholen. Denn das belebt das Liefergeschäft.»

Kosten für Fahrer und Benzin steigen

Auch bei Best Pizza in Luzern gehen so viele Bestellungen ein wie noch nie. Doch mehr Umsatz bedeutet nicht automatisch mehr Gewinn, sagt Geschäftsinhaber Mahmud Hemn:

«Die Kosten sind höher als üblich. Reichen normalerweise drei Autos am Wochenende, sind jetzt fünf im Einsatz.»

Dazu kämen zusätzliche Fahrer und mehr Benzinkosten. Und: Da Best Pizza die Bestellungen über das Portal eat.ch abwickelt, gehen jeweils rund zehn Prozent an Provision verloren.

Mahmud Hemn macht ein Beispiel: Vor 15 Jahren habe er mit seinem Lokal an der Baselstrasse einen Viertel weniger Umsatz gemacht als heute, aber mehr Gewinn erwirtschaftet. Entsprechend froh ist der Inhaber, wenn der Lockdown aufgehoben wird, «auch wenn ich glücklich bin, dass ich im Gegensatz zu Restaurants in dieser Zeit mein Geschäft weiterführen kann».

Nachmittage laufen besser

Schlechter als in normalen Zeiten läuft das Geschäft bei der Telepizza-Filiale an der Luzerner Zentralstrasse. Geschäftsführer Adrian Wieser sagt:

«Wir sind zwischen fünf und zehn Prozent unter dem normalen Umsatz.»

Grund ist das geschlossene Restaurant und der eingeschränkte Take-away-Betrieb. Gut laufe hingegen der Lieferdienst an sonst eher lauen Nachmittagen. Laut Wieser ein Anzeichen, dass die Leute vermehrt zu Hause sind. «Auch das Angebot der kontaktlosen Lieferung wird rege genutzt.» Das werde sich nach der Lockerung des Lockdowns wohl wieder ändern. Denn laut Wieser würden viele Kunden den direkten Kontakt mit den Kurieren schätzen. «Ich freue mich jedenfalls auf die Rückkehr der Normalität.»

Weder schlechter noch besser läuft das Geschäft bei einigen Pizzalieferdiensten auf der Landschaft. So sagt stellvertretend der als «Bobi» bekannte Geschäftsführer von Mercato Pizza in Schenkon, dass sich die Bestellungen im üblichen Rahmen bewegen.