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Letzte Pflege: So funktioniert der mobile Palliativdienst in anderen Kantonen

Der Kanton Luzern muss einen mobilen Palliative-Care-Dienst einführen, was nicht überall gut ankommt. Ein Blick über die Zentralschweiz hinaus zeigt: Der Dienst ist eine Bereicherung – gerade für die Spitex.
Yasmin Kunz
Zuhause sterben: Vielen Schwerkranken könnte dies ein mobiler Palliativdienst ermöglichen. (Symbolbild: Jens Büttner/Keystone, 19. März 2018)

Zuhause sterben: Vielen Schwerkranken könnte dies ein mobiler Palliativdienst ermöglichen. (Symbolbild: Jens Büttner/Keystone, 19. März 2018)

Darin sind sich alle einig: Menschen an ihrem Lebensende haben Anrecht auf eine angepasste Betreuung und Linderung ihrer Beschwerden. Ebenfalls ziemlich unbestritten ist: Die meisten Menschen, die unheilbar krank und dem Tod nahe sind, wollen in ihrem vertrauten Umfeld sterben.

Tatsache ist aber: Im Kanton Luzern werden über 90 Prozent der im Spital Verstorbenen von zu Hause eingewiesen. 72 Prozent der Sterbefälle im Spital weisen eine Aufenthaltsdauer von unter 14 Tagen auf. Und bei der Hälfte der im Spital Verstorbenen liegt die Aufenthaltsdauer sogar unter einer Woche. Das belegen Zahlen einer Untersuchung der Hochschule Luzern von 2015. Anders ausgedrückt: Viele dieser Betroffenen könnten bei einer entsprechend ausgebauten Palliativversorgung zu Hause gepflegt und begleitet werden.

Schweiz: Ein Drittel mehr mobile Palliativdienste

Und das ist auch im Interesse der Luzerner Regierung. Sie schlägt in der Revision des Gesundheitsgesetzes vor, dass Kanton und Gemeinden künftig einen mobilen Palliativpflegedienst betreiben sollen – oder aber dafür sorgen müssen, dass eine private oder öffentliche-rechtliche Organisation diesen Dienst übernimmt. Dieses Anliegen kommt nicht bei allen Politikern gut an (Ausgabe vom 8. April). Befürchtet wird unter anderem die Konkurrenz zu bereits bestehenden Spitex-Angeboten.

Das Bedürfnis nach palliativer Versorgung im eigenen Zuhause wächst. Das zeigen die neusten Zahlen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Wurden 2013 insgesamt in 19 Kantonen 28 mobile Palliativdienste gezählt, waren es im vergangenen Jahr 41 mobile Palliativdienste in 21 Kantonen. Das entspricht einer Zunahme von rund 30 Prozent.

Betroffenen und Angehörige würden entlastet

Ein mobiler Palliativpflegedienst würde nicht nur Spitäler, sondern auch Betroffene, Angehörige und Betreuer entlasten, ist sich Ruedi Joss sicher. Er ist Präsident des Vereins Palliativ Luzern und ehemaliger Chefarzt Onkologie am Luzerner Kantonsspital. Die Befürchtung, dass mit dem mobilen Palliative-Care-Dienst (MPCD) die Spitex konkurrenziert wird, teilt er nicht:

«Es handelt sich beim geplanten mobilen Palliativdienst um ein subsidiäres und ergänzendes Angebot zur Spitex, das erst auf Wunsch der lokalen Betreuenden tätig wird.»

Zudem, so Ruedi Joss, verfüge das Personal vom palliativen Dienst über eine Zusatzausbildung für ebendiese Fälle. Er macht ein Beispiel: «Ein Hausarzt ist in der Grundversorgung tätig. Kann er nicht mehr helfen, verweist er den Patienten an einen Spezialisten. Ähnlich würde es sich mit der Spitex und dem mobilen Palliativdienst verhalten: Weiss das Pflegefachpersonal der Spitex nicht mehr weiter, erhalten sie bei den Mitarbeitern des mobilen Palliativdienstes Unterstützung.»

Ostschweiz: Mobiler Dienst «nicht mehr wegzudenken»

Jahrelange Erfahrung bezüglich eines mobilen Palliativdienstes kann die Ostschweiz vorweisen. Der sogenannte Brückendienst deckt die palliative Versorgung in den Kantonen St. Gallen, den beiden Appenzeller Halbkantonen sowie dem Fürstentum Liechtenstein ab.

Katharina Linsi ist Geschäftsführerin von Palliative Ostschweiz und bestätigt Ruedi Joss’ Aussagen: «Die Spitalaufenthalte nehmen ab und die Betroffenen schätzen das Angebot von palliativer Pflege zu Hause sehr.» Auch für die Angehörigen schwerkranker Menschen an ihrem Lebensende sei der mobile Dienst eine Entlastung, so Linsi. Der Brückendienst – dotiert mit knapp drei Vollzeitstellen – habe sich in der Ostschweiz etabliert «und ist heute nicht mehr wegzudenken». Linsi erinnert sich allerdings auch an die schwierige Anfangszeit. «Insbesondere bei der Spitex war die Skepsis gross», sagt sie. Man habe Angst gehabt, konkurrenziert zu werden. Heute zeige sich jedoch ein komplett anderes Bild:

«Die beiden Organisationen arbeiten Hand in Hand – es ist eine Win-Win-Situation, da es sich beim Brückendienst um ein ergänzendes und unterstützendes Angebot handelt.»

Er komme dann zum Tragen, wenn es nicht mehr nur um die Grundversorgung geht. Die Etablierung des Dienstes habe etwa zwei bis fünf Jahre gedauert.

Die Fallführung liege nach wie vor bei der Spitex vor Ort, erklärt Linsi. «Der mobile Palliativdienst kommt so oft wie nötig und so wenig wie möglich zum Einsatz.» Erfahrungsgemäss reiche oft schon eine telefonische Beratung und das Pflegepersonal der Spitex kann die Arbeit selber weiterführen. «Und in schwierigen Fällen, wo die Behandlung des Patienten einer palliativen Ausbildung bedarf, kommt der Brückendienst vor Ort.» Es sei häufig der Fall, dass der Brückendienst vor Ort Unterstützung leistet und die Spitex den Fall nachher selber übernehmen kann. «Das Spitex-Personal kann vom Wissen der speziell geschulten Pflegefachpersonen profitieren.» Die Mitarbeiter des Brückendienstes – allesamt mit einer zusätzlichen Weiterbildung in der Palliativ-Pflege – seien rund um die Uhr erreichbar.

Schwierig, ausgebildetes Personal zu finden

Der Grossteil der Kosten für den Brückendienst tragen die Kantone St. Gallen und Appenzell Ausserrhoden, wie die Geschäftsführerin von Palliative Ostschweiz sagt. Der restliche Betrag wird über die Abrechnung der Pflegeleistungen abgedeckt und 20 Prozent finanziert die dortige Krebsliga. Weil das fachliche Wissen des mobilen Palliativdienstes immer mehr gefragt ist, will man den Dienst künftig ausbauen. Die Schwierigkeit bestünde vor allem darin, genug Personal zu finden, sagt Katharina Linsi. Einerseits, weil dieses speziell geschult ist. Anderseits, weil die Präsenzzeiten sehr hoch sind, zumal der Dienst Tag und Nacht zur Verfügung steht.

Hanspeter Vogler, Leiter Fachbereich Gesundheitswesen beim Gesundheits- und Sozialdepartement des Kantons Luzern, könnte sich gut vorstellen, dass ein mobiler Palliativ-Care-Dienst für den Kanton Luzern – und später vielleicht auch weitere Zentralschweizer Kantone – ähnlich organisiert wäre.

Schwierige Finanzierung

In allen Kantonen sind die mobilen Palliativpflegedienste regional organisiert, haben jedoch ein kantonales Dach. Sämtliche Dienste verfügen über ein ärztliches Backup und sind 24 Stunden sieben Tage via Telefon-Pikett erreichbar. Fest steht auch: Die meisten Besuche finden zu Hause statt. Im Durchschnitt beträgt die gesamte Beratungszeit pro Fall 15 Stunden. Die Finanzierung stellt in den Kantonen eine Herausforderung dar. Die Kanton Zürich beteiligt sich nicht an den Kosten. Im Kanton Graubünden übernimmt der Kanton 55 Prozent der Kosten. Und der Kanton St. Gallen finanziert jährlich 250 000 Franken an den Dienst. Der Kanton Luzern rechnet mittelfristig mit Kosten von rund 600'000 Franken pro Jahr.

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