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Berufsbeistände: «Wir müssen die Lebenswelt von Suchtkranken besser verstehen»

Mit welchen Suchtmitteln die Polizei auf der Gasse konfrontiert ist, wirkt sich auch auf die Realität von Sozialarbeitern. Nun präsentierte die Luzerner Polizei Berufsbeiständen, wogegen man derzeit ankämpft – und auch wogegen nicht.
Ismail Osman
Die Polizei präsentierte unter anderem auch beschlagnahmtes Marihuana. (Bild: Luzerner Polizei)

Die Polizei präsentierte unter anderem auch beschlagnahmtes Marihuana. (Bild: Luzerner Polizei)

Vor rund 25 Jahren wurde offenen Drogenszenen, wie etwa auf dem Zürcher Lettenareal, der Riegel vorgeschoben. Selbstredend war’s mit dem Konsum von Drogen damit aber nicht vorbei. Die Szene – und auch die konsumierten Substanzen – haben sich seither teilweise drastisch verändert. Entsprechend müssen sich sowohl Polizei wie auch andere involvierte Behörden auf diese Entwicklungen einstellen.

Diesbezüglich gewährten Mitglieder der Fachgruppe Betäubungsmittel der Luzerner Kriminalpolizei diese Woche einen kleinen Einblick in ihre Arbeit und den Gegebenheiten, mit denen sie sich derzeit konfrontiert sehen. Der Rahmen dafür war die Frühjahrstagung des Zentralschweizer Verbands der Berufsbeiständinnen und Berufsbeistände (ZVBB). So wurde etwa aufgezeigt, wie sich Handel und Verkauf weg von öffentlichen Plätzen und hin zu Bars, Restaurants oder sogenannten konspirativen Wohnungen verlagert habe. Im Zuge der rasanten technologischen Entwicklung haben sich auch ganz neue Schauplätze des Drogenhandels aufgetan – beispielsweise im Darknet, dem äusserst anonymen Teil des Internets, wo mit allem, von Rauschmitteln bis Waffen oder Kinderpornografie, gehandelt wird. «Gerade bei jungen Menschen ist das Darknet – und insbesondere die dort erhältlichen teils völlig unbekannten Substanzen – beliebt», erklärte Eugen Sidler, Leiter der Fachgruppe Betäubungsmittel, den rund 60 anwesenden Berufsbeiständinnen und Berufsbeiständen. «Es ist ein Riesenproblem, das sich noch verstärken wird», warnte Sidler. Eine weitere Gefahr bei sehr Jungen sieht Siedler im Missbrauch von Medikamenten: «Wir reden hier von 15-/16-Jährigen, die, um länger für Prüfungen büffeln zu können, Ritalin oder Ähnliches missbrauchen oder wegen Prüfungsstress etwa auf starke Angstlöser wie Xanax zurückgreifen.»

Anschauungsunterricht mit sichergestellter Ware

Die anwesenden Polizisten brachten zudem drei Tische voll mit allen Sorten von beschlagnahmten Substanzen und Drogen-Paraphernalien wie Pfeifen, Pressen, Mühlen und Verstecke. Dabei machten die Polizisten auch deutlich, wo ihre Prioritäten liegen. Sidler sagt:

«Wir müssen uns sehr stark auf den Handel mit starken Drogen, nämlich Kokain und Heroin, fokussieren.»

Für alles, was darüber hinausgeht – gerade auch mit Bezug auf die erwähnte Kriminalität im Netz –, fehlt es grösstenteils an Ressourcen. Einen Umstand, den die Luzerner Polizei schon seit Jahren bemängelt und in der Vergangenheit auch lautstark angekreidet hat.

Was aber zogen die anwesenden Beistände aus der Präsen­tation? «Sie führt in jedem Fall die Verschiedenartigkeit von Substanzabhängigkeiten vor Augen», sagt Ignaz Heim, Präsident der Vereinigung der Berufsbei­ständinnen und Berufsbeistände (SVBB). «Es gibt für uns im Arbeitsalltag kein Patentrezept im Umgang mit Suchtkranken. Umso wichtiger sind solche Einblicke», sagt Heim.

Präsident fordert tieferes Verständnis der Ursachen

«Ein Beistand vertritt jene Personen, die nicht mehr für ihr eigenes Wohl sorgen und ihre Würde bewahren können. Bei Suchtkranken erscheint es mir deshalb enorm wichtig, ein gewisses Verständnis von dessen Realitäten zu haben. Berufsbeistände müssen Gelegenheiten schaffen, um direkten Einblick in deren Welt zu erlangen», sagt Heim. In der Praxis genüge es deshalb nicht, als Beistand die betroffene Person lediglich im Rahmen des eigenen Büros zu erleben. Hier müsse man – wenn immer möglich – tiefer gehen, ist Heim überzeugt. Tiefer müsse das Verständnis betreffend der Suchtursache sein: «Der Substanzenmissbrauch ist ja ‹nur› ein Symptom. Wenn wir lösungsorientiert arbeiten wollen, müssen wir die Ursachen der Sucht zumindest im Ansatz begreifen.» Diese sei oft eine Reaktion auf eine Überforderung oder unerfüllte Grundbedürfnisse.

Präsentationen, wie jene der Luzerner Polizei, sieht Heim denn vor allem als wertvolle Weiterbildung und Chance, die Berufsbeistände für diese Realität zu sensibilisieren.

Mehr Informationen zu Berufsbeiständen finden Sie unter www.svbb-ascp.ch

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