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Kriminalgericht: Für sexuelle Handlung mit einem Kind drohen einem Luzerner vier Jahre Gefängnis

Während zwei Jahren soll ein Schweizer den Sohn seiner Freundin sexuell missbraucht haben. Bei der Verhandlung hat der Beschuldigte die meisten Vorwürfe bestritten.
Roger Rüegger/Evelyne Fischer

Ein heute 48-jähriger Schweizer wird beschuldigt, den Sohn seiner Freundin über einen Zeitraum von zwei Jahren sexuell missbraucht zu haben. Dafür musste er sich am Dienstag vor dem Luzerner Kriminalgericht verantworten.

Der Mann soll laut Anklageschrift mit dem Buben von August 2014 bis Ende August 2016 mehr als 200 Mal sexuelle Handlungen vorgenommen haben. Das Kind war damals noch keine zehn Jahre alt. Während sich die Übergriffe des Mannes im ersten Jahr auf die Wochenenden beschränkten, verging er sich 2016 mehrere Male pro Woche an dem Kind. Dabei soll der Beschuldigte selber Handlungen vorgenommen haben und aber auch von dem Buben verlangt haben, dass er ihn berühren soll.

Die Luzerner Staatsanwaltschaft beantragt für den Beschuldigten eine Freiheitsstrafe von vier Jahren unbedingt. Die Strafe soll zugunsten einer stationären Massnahme aufgeschoben werden. Gemäss einem Gutachten leidet der Beschuldigte unter Pädophilie.

Die Schilderungen der Anklageschrift standen teils diametral im Gegensatz zu den Äusserungen des Beschuldigten vor Gericht. Die Vorwürfe betreffend sexueller Handlungen seien «absoluter Quatsch», sagte der hagere, schwarz gekleidete Mann. Er wirkte abgeklärt, uneinsichtig, ohne jegliche Reue. «Die Mutter hat dem Buben eingetrichtert, was er sagen muss», gab er zu Protokoll. Ihr Motiv sei Rache. Sie habe Anzeige erstattet, um ihn möglichst schnell aus der Wohnung zu haben. Zuvor hätten sie lange ein gutes Verhältnis gehabt. Der Bub habe ihn als «Papi gewählt und ich habe das auch so repräsentiert».

Sexuelle Handlungen mehrere Male pro Woche

Die Staatsanwältin sagte in ihrem Plädoyer: «Das Schamgefühl des Beschuldigten entspricht nicht dem eines Durchschnittsmenschen. Er lebte und zelebrierte die Nacktheit.» Wie der Beschuldigte zuvor geschildert hatte, hätten dies aber auch seine Partnerin und dessen Sohn so praktiziert.

Die Handlungen, die sich zwischen dem Beschuldigten und dem Buben abspielten, wurden von der Vertreterin der Anklage so zitiert, wie sie der Bub bei einer Einvernahme tätigte. Diese hätten ekelhafter kaum sein können. Details lassen wir weg. Fakt ist, dass bei den Übergriffen nicht nur Hände im Spiel waren.

Dass es zu den besagten sexuellen Handlungen gekommen ist, wird gemäss der Kriminalgerichtspräsidentin durch den Schulpsychologen gestützt: Ihm hatte sich der Bub im Juni 2016 unaufgefordert anvertraut und von der belastenden Situation erzählt.

Die Taten ereigneten sich an verschiedenen Orten. Zu Hause in der Dusche, auf dem Bett oder auf dem Sofa. Aber auch in der Öffentlichkeit beim Baden in der Reuss. Der Beschuldigte hat dem Kind gemäss Anklage zu verstehen gegeben, er sei sein Vater, beziehungsweise Stiefvater. Deshalb könne er solche Dinge von ihm verlangen. Andernfalls würde er ihm auch keine Liebkosungen mehr entgegenbringen. Tatsächlich soll er eine der wichtigsten Bezugspersonen für das Kind gewesen sein.

Übergriffe mit Video festgehalten

Die Handlungen hat der Beschuldigte mehrere Male gefilmt. Mindestens drei Aufnahmen konnten bei einer Hausdurchsuchung sichergestellt werden. Eine zeigt den Buben und das Geschlechtsteil des Beschuldigten. Dieser drohte dem Kind, die Aufnahmen allen zu zeigen, wenn er jemandem verraten würde, was sie zusammen tun. Die Staatsanwältin sprach von «geradezu erdrückenden Beweisen».

Bei der Befragung durch die Richter, bestritt der Mann die Vorfälle - vielmehr gab er dem Buben die Schuld. Dieser habe von sich aus immer mit dem «Schnäbi» spielen wollen. Dass er sich über 200 Mal an dem Kind vergriffen hat, bestritt er. Die Aufnahme habe er nur gemacht, um der Kindsmutter dies zu beweisen. «Ich filmte, um zu dokumentieren», so seine Schilderung der Dinge. Der Mann wird der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern, sowie der mehrfachen sexuellen Nötigung angeklagt.

Bei Hausdurchsuchungen wurden ausserdem mehrere Speichermedien mit verbotener Pornografie gefunden. Diese hatten tatsächliche sexuelle Handlungen mit Kindern und Tieren zum Inhalt. Auch soll der Mann mehrere Dateien im Internet verbreitet haben. Unter anderem auch Nacktfotos des Buben.

Auch diesen Vorwurf taxierte der Beschuldigte als «völligen Quatsch», er kenne die betreffende Plattform nicht einmal – obwohl er sich auf dieser mit der eigenen Telefonnummer registriert hatte.

Weiter musste sich der Beschuldigte wegen Tierquälerei verantworten. Er hat in seiner Wohnung eine kleine Echse gehalten. Das Tier wurde bei der Hausdurchsuchung tot in seinem verschmutzten Terrarium gefunden. Weder Wasser noch Futter war im Terrarium vorhanden.

Bereits wegen verbotener Pornografie verurteilt

Der Beschuldigte ist nur teilweise geständig. Der Verteidiger beantragte, sein Mandant sei der mehrfachen sexuellen Handlung mit einem Kind und der mehrfachen sexuellen Nötigung freizusprechen. Schuldig sei er der mehrfachen verbotenen Pornografie und der Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz. Die Strafe sei zugunsten einer stationären Massnahme im offenen Vollzug aufzuschieben.

Bereits im November 2012 wurde der Beschuldigte wegen mehrfacher verbotener Pornografie zu einer bedingten Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt. Weil er wusste, dass er mit der neuerlichen Anzeige gegen die Bewährungsauflagen verstösst, hat er zum vorzeitigen Massnahmenvollzug eingewilligt und ist seit dem 13. September 2017 im Massnahmenzentrum Mossnang.

Beschuldigter spricht vom «vermeintlichen» Opfer

Der Verteidiger beantragt, dass sein Mandant baldmöglichst vom geschlossenen zum offenen Massnahmenvollzug wechseln kann. Der Beschuldigte ist nur teilweise geständig.

Das letzte Wort des Beschuldigten zielte in dieselbe Richtung wie schon bei der Befragung zu Beginn der Verhandlung. Das «vermeintliche Opfer», wie er den Buben darstellt, habe sich bei den Einvernahmen widersprochen. Er bat die Richter, auch ihm glauben zu schenken und ihn nicht für Taten zu verurteilen, die er nicht begangen habe. «Ich bitte um ein gerechtes Urteil.»

Das Urteil wird den Parteien schriftlich eröffnet.

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