Knatsch um die Tarife der Stadthalle Sursee – bekannte «Gugger Night» ist gestrichen

Da es den «Diebetormtöibeler» für ihr jährliches Konzert in der Stadthalle Sursee zu teuer wurde, beerdigt sie ihre «Gugger Night». Die Betreiber finden die Tarife fair – nicht zuletzt aufgrund der Hallengrösse.

Matthias Stadler
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Die «Diebetormtöibeler» beim Narrenlaufen an der diesjährigen Fasnacht. Ihren Anlass «Guuger Night» will die Gruppe nicht mehr durchführen. (Bild: Boris Bürgisser, Sursee, 28. Februar 2019)

Die «Diebetormtöibeler» beim Narrenlaufen an der diesjährigen Fasnacht. Ihren Anlass «Guuger Night» will die Gruppe nicht mehr durchführen. (Bild: Boris Bürgisser, Sursee, 28. Februar 2019)

Die Fasnacht ist zwar längst vorbei, hallt in einem gewissen Sinn aber bis heute nach: Jeweils am Samstag vor dem Schmutzigen Donnerstag veranstaltet die Guuggenmusig «Diebetormtöibeler» in der Stadthalle Sursee die «Gugger Night». Seit Jahren findet der Anlass, der laut den Organisatoren jeweils um die 1500 Besucher anlockt, in der Multifunktionshalle statt. Doch jetzt zieht die 1997 gegründete und gemäss eigenen Angaben mittlerweile grösste Guuggenmusig der Stadt Sursee die Reissleine. Wie der «Surseer Woche» kürzlich zu entnehmen war, hat die Formation beschlossen, den Anlass nicht mehr durchzuführen.

Grund dafür ist laut Tambourmajor Mario Cozzio der «ausserordentlich hohe Mietpreis» für die Stadthalle. Gemäss eigenen Angaben liefert die Guuggenmusig im Schnitt rund 8500 Franken ab. Darin enthalten sind der Mietpreis von 2200 Franken, Umsatzabgaben sowie die effektiven Nebenkosten für Einrichtungs- und Aufräumarbeiten durch das Hallenpersonal. Das Aufstellen geht jeweils am Donnerstag und Freitag über die Bühne, abgegeben wird die Halle am frühen Sonntagmorgen. «Wir verstehen nicht, wie man die Tarife so hoch ansetzen kann», erklärt Mario Cozzio gegenüber unserer Zeitung. Er zieht den Vergleich mit Nachbargemeinden. Die Miete derer Hallen sei um einiges tiefer.

In der Tat bezahlen ortsansässige Vereine etwa für die Miete der Mehrzweckhalle in Oberkirch pro Tag 500 Franken, wie ein Blick in die Gebührenordnung zeigt. Der Gemeinderat kann zudem auf Gesuch hin Tarifreduktionen bewilligen. Die Festhalle Seepark in Sempach kann inklusive Nebenräume für 1850 Franken pro Tag (Wochenendtarif) gemietet werden. Hinzu kommen die Ausgaben für den Hauswart sowie die Nebenkosten.

«Im Vergleich zu Guuggenmusigen in anderen Gemeinden fanden wir es schon immer unfair, wie wir in Sursee behandelt werden», sagt Cozzio. Er bedauert, dass Surseer Vereine so tief in die Tasche greifen müssen: «Gerade auch, weil wir auch sonst aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und uns einbringen.»

Genossenschaftsmitglieder bestimmen Tarife

Die Stadthalle Sursee wird von einer Betriebsgenossenschaft geleitet. 300 Genossenschaftsmitglieder, die alle je einen Anteilsschein gezeichnet haben, bestimmen die Geschicke der Halle. Geschäftsleiter Christian Albisser möchte sich auf Anfrage nicht mehr zu diesem Thema äussern. Gegenüber der «Surseer Woche» sagte er, dass die Stadthalle die grösste Event- und Sporthalle der Region sei. Ein Preisvergleich mit den Nachbargemeinden ergebe wenig Sinn. Zudem seien die Gebühren und Tarife transparent und fair.

Die Surseer Bildungsvorsteherin Heidi Schilliger Menz erklärt gegenüber unserer Zeitung, dass die Tarife nicht vom Stadtrat, sondern von der Delegiertenversammlung der Betriebsgenossenschaft festgelegt werden. Der Rat nehme diese lediglich zur Kenntnis. «Sie sind für jeden einsehbar auf der Homepage aufgeschaltet.» Der Stadtrat unterstütze das Vereinsleben in Sursee, «aber wir greifen nicht in kommerzielle Anlässe ein. Denn wir wollen die Autonomie der Vereine nicht beschneiden.»

Weiter erklärt Heidi Schilliger Menz, dass der Stadtrat Freude habe, wenn das kulturelle Leben in Sursee auch durch spezielle Anlässe bereichert werde. «Doch wenn ein Verein eine Veranstaltung macht, muss er letztlich sowohl Chancen wie Risiken selber abwägen und tragen.»

Auf «risikoärmere Anlässe» fokussieren

Wie wäre die Situation mit tieferen Tarifen? In Sursee wird gemunkelt, dass der Anlass nicht mehr so viele Besucher anzieht wie auch schon. Mario Cozzio erklärt, dass die Guuggenmusig 4000 bis 5000 Franken Verlust pro Durchführung der «Gugger Night» gemacht hat. Wenn die Tarife der Stadthalle ähnlich tief wie jene der Nachbargemeinden wären, könnten schwarze Zahlen geschrieben werden, betont er.

Ob die «Diebetormtöibeler» den Anlass dereinst wiederbeleben werden, lässt Cozzio zurzeit offen. «Zuerst fokussieren wir uns auf risikoärmere Anlässe und Helfereinsätze, um unsere Finanzlage sicherzustellen.» Bezüglich Standort zeigt er sich nicht sonderlich optimistisch, da die Alternativen in Sursee fehlen würden. Möglicherweise werde sich die Guuggenmusig auf andere lokale Anlässe fokussieren, etwa auf die «Soorser Änderig» oder das Städtlifest.