Kirchenaustritte setzen Hilfswerk zu: Fastenopfer büsst an Spenden ein

Bei der Stiftung mit Sitz in Luzern gingen in den letzten Jahren immer weniger Spenden ein. Darum wird bis Ende Jahr ein neues Markenkonzept erarbeitet.

Alexander von Däniken
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Die aktuelle ökumenische Kampagne.

Die aktuelle ökumenische Kampagne.

Nadia Schärli (Luzern, 2. März 2020)

Das dunkelblaue Papiersäckchen mit dem roten Logo der Stiftung Fastenopfer wurde früher fleissiger gefüllt. Darauf deutet ein Bericht von Urs Borer im aktuellen Pfarreiblatt des Pastoralraums im Rottal hin. Borer, Fachverantwortlicher Diakonie, schreibt darin, dass die drei Pfarreien Buttisholz, Grosswangen und Ettiswil in den letzten 25 Jahren durchschnittlich 49'700 Franken an Fastenopfer spendeten – 2018 und 2019 waren es aber nur noch 29'400 Franken.

Ein Blick in die Jahresberichte der Stiftung Fastenopfer mit Sitz in Luzern bestätigt den Eindruck: Zwischen 2013 und 2018 ging das Total an Spendeneinnahmen und Beiträgen um 9,7 Prozent zurück. Davon weist allein der Anteil an zweckbestimmten Spenden einen Ertragsrückgang von 24,8 Prozent auf:

Zahlen der Stiftung Fastenopfer

Beträge in Millionen Franken
Total Spenden/Beiträge
Zweckbestimmte Spenden
Jahresergebnis
201320142015201620172018Jahr05101520

Hilfswerk rechnet nicht mit weiteren Einbussen

Die Stiftung gibt es seit knapp 60 Jahren. Sie setzt sich als Hilfswerk der Katholikinnen und Katholiken für benachteiligte Menschen, eine gerechtere Welt und die Überwindung von Hunger und Armut ein. Die Verknüpfung mit der katholischen Kirche wirft die Frage auf, ob der Spendenrückgang mit dem Mitgliederschwund zu tun hat. «Ja, da gibt es einen direkten Zusammenhang», bestätigt Matthias Dörnenburg, in der Fastenopfer-Geschäftsleitung für die Kommunikation verantwortlich.

Matthias Dörnenburg

Matthias Dörnenburg 

Immerhin seien die vorläufigen Zahlen für 2019 gegenüber dem Vorjahr stabil. Auch das Jahresergebnis stimme. Das sei vor allem auf eine treue Spenderschaft zurückzuführen. Habe aber auch mit Massnahmen zu tun, welche die Stiftung bereits eingeleitet hat. «Wir konnten die internen Verwaltungskosten senken. Ausserdem gelingt es uns besser, unsere Kernbotschaft, die wir schon lange haben, auf den aktuellen Zeitgeist abzustimmen.» Konkret werde derzeit intensiv über Klimagerechtigkeit gesprochen; über die Auswirkungen im Süden und was im Norden getan werden kann. Die Stiftung Fastenopfer setzt sich laut Dörnenburg schon immer für einen Ausgleich zwischen Norden und Süden ein – auch mit Projekten in der Schweiz. Beispiele sind die von Fastenopfer mitinitiierte Konzernverantwortungsinitiative oder die Unterstützung einer Petition gegen ein Freihandelsabkommen mit Malaysia. «Um vermehrt mit neuen Zielgruppen in Kontakt zu treten, nutzen wir verstärkt Online-Medien aber auch Instrumente wie die Klimagespräche, bei denen wir mit Menschen im direkten Austausch sind.»

Nicht nur auf Fastenzeit ausgerichtet

Thematisch passt auch die aktuelle ökumenische Kampagne: Sie ist dem Schutz von Kleinbauern und der Frage des Zugangs zu Saatgut gewidmet, da Kleinbauern weltweit über 70 Prozent der Nahrung produzieren. Unabhängig davon ist die Stiftung daran, ihre Kommunikation zu überdenken. Bis Ende dieses Jahres soll ein Markenkonzept erarbeitet werden, um laut Dörnenburg aufzuzeigen, dass das Hilfswerk nicht nur auf die Fastenzeit ausgerichtet ist.

Zudem setzt Fastenopfer auf Transparenz: «Wir machen öffentlich, wie viel Geld in welches Projekt fliesst, und publizieren auch unsere Jahresrechnungen oder Studien über unsere Programmarbeit. Spenden ist immer auch eine emotionale Angelegenheit. Da will man wissen, wofür die Spende benötigt wird», sagt Dörnenburg. Die Stiftung trägt das Gütesiegel der Zewo seit 1969.

Beim Pendant von Fastenopfer, dem reformierten Hilfswerk «Brot für alle», ist die Tendenz ähnlich, aber nicht so dramatisch. Die Spendenerträge insgesamt nahmen zwischen 2013 und 2018 um 5,4 Prozent auf 11,2 Millionen Franken ab, wie den Jahresberichten zu entnehmen ist. Deutlicher ging der Anteil der zweckgebundenen Spenden zurück; von 4,3 auf 3,2 Millionen Franken – ein Minus von 34,4 Prozent.

Vorträge, Dinkelfasten, Meditationen

Seit dem Aschermittwoch ist wieder Fastenzeit. Sie dauert heuer bis am 9. April. In dieser Zeit verzichten manche Menschen auf Alkohol und Süsses. Andere suchen Spiritualität, spenden oder üben sich in der Gruppe im Verzicht. Eine Auswahl an religiösen Anlässen:
Stadt Luzern: Fastenvorträge der Theologischen Fakultät der Universität Luzern in der Jesuitenkirche zum Thema Frau und Kirche, jeweils von 18 bis 18.45 Uhr. Am 15. März Adrian Loretan über «Frauendiskriminierung ist begründungspflichtig, nicht deren Zugang zu den Ämtern», am 22. März Robert Vorholt über «Mutter Kirche und ihre Töchter: Skizzen eines ideologiefreien Anfangs im Spiegel des Neuen Testaments», am 29. März Monika Jakobs über «Verkennende Anerkennung: Warum sich Frauen in der Kirche noch immer nicht frei entfalten können». Weitere Infos: www.unilu.ch/fakultaeten/tf/
Kriens: Einfaches Dinkelfasten, angeboten vom Hildegard-Kreis Kriens. Orientierungsabend und Abgabe von Hildegard-Fastenprodukten am 9. März um 18 Uhr im Gallus-Treff, weitere Treffen am 16., 18. und 20. März. Weitere Infos: www.kath-kriens.ch
Pastoralraum Oberseetal: Fastenopferprojekt «Gemeinsam dem Klimawandel trotzen» mit Gottesdiensten in Ballwil, Eschenbach, Inwil und Hochdorf. Unterstützt wird ein Projekt in Haiti. Am 15. März in Eschenbach und am 22. März in Hochdorf wird Spaghetti serviert. Weitere Infos: www.pr-oberseetal.ch
Pastoralraum Michelsamt: Fastenwoche mit Meditationen, vom 30. März bis 3. April, jeweils von 19 bis 19.45 Uhr im Pfarrhaus St. Stephan in Beromünster (Anmeldungen bis 18. März an pfarramt.beromuenster@kathmichelsamt.ch, 041 930 15 41). Weitere Infos: www.kathmichelsamt.ch