Christine Räber: «Karate ist eine Lebensschule»

Karate gibt Selbstvertrauen und stärkt die Persönlichkeit. Christine Räber praktiziert die Kampfkunst seit 20 Jahren. Über das Pfingstwochenende nimmt sie am Master Camp der Karateschule Taisho in Kriens teil.

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Christine Räber (zweite von rechts) im Training der Karateschule Taisho. (Bild: PD)

Christine Räber (zweite von rechts) im Training der Karateschule Taisho. (Bild: PD)

Üblicherweise finden Berichterstattungen über Karate im Sport-Teil einer Zeitung statt. Es geht um Wettkämpfe, Schläge, Blocktechniken, Würfe. Mindestens so wichtig wie der äussere ist aber der «innere Weg». Karate unterstützt die persönliche Entwicklung und die ausgewogene Entfaltung des Menschen. «Mir hat es geholfen, selbstsicherer im Leben zu stehen und die Hindernisse, die sich einem im Alltag in den Weg stellen, besser zu konfrontieren», sagt Christine Räber (64). «Deswegen ist Karate eine Lebensschule.»

Nach der Geburt des zweiten Kindes hatte sie ein Rückbildungstraining gesucht und landete auf Empfehlung in einer Fitnessgruppe in Altdorf, die von Toni Romano geleitet wurde. Sie war von diesem Lehrer und seiner Art Training so begeistert, dass sie 14 Jahre in dieser Gruppe mitmachte. Nach ihrem Umzug nach Luzern half sie Romano, der schon damals die Karateschule Taisho führte, bei administrativen Arbeiten. Gleichzeitig ging ihr Sohn in das Karatetraining. Es dauerte, bis sie selber mit Karate begann.

Von der Philosophie zum Kampf

Karate sei ihr lange eine Spur zu heftig und zu rau erschienen, sagt Räber. «Ich interessierte mich für die fernöstliche Philosophie und fühlte mich eher von Yoga und Tai Chi angezogen.» Aber dann nahm sie Privatunterricht bei Elisabeth Schüpfer und war extrem angetan. «Ich spürte: Das ist genau das Richtige für mich!» Die Erklärung dafür hat sie selber erfahren: «Wenn du dich persönlich weiterentwickeln willst, musst du das machen, was dich herausfordert und nicht das, was dir ohnehin liegt».

Zu ihrer persönlichen Herausforderung gehörte lange Zeit, dass sie mit dem «Kumite» Mühe hatte. Kumite ist neben «Kata» ein Grundpfeiler des Karate. Während man bei Kata quasi mit einem imaginären Gegner kämpft, steht man bei Kumite einem realen Kämpfer gegenüber. Räber: «Auch wenn man die Schläge kontrolliert ausführt, also vor dem Ziel abstoppt, lag mir das Kämpfen am Anfang gar nicht.»

Heute denkt sie anders. «Es ist noch immer herausfordernd, aber es stresst mich nicht mehr.» Wenn sie mit einem Partner oder einer Partnerin kämpfe, spüre sie sofort, wo sie stehe, ob sie den Kopf noch voller Gedanken habe, oder eben «leer» sei und entsprechend schnell und aus dem Moment heraus reagieren könne. «Beim Kämpfen zeigt dir das Gegenüber, was mit dir los ist. Eigentlich bist du selber der Gegner», sagt Räber.

Das Karate ist für Christine Räber zu einer Kraftquelle geworden. Auch wenn sie mal müde oder wenig motiviert an ein Training komme: «Nachher bin ich zu hundert Prozent neu aufgeladen und spüre eine umfassende Zufriedenheit.» Das ist der kurzfristige Aspekt. Es gibt auch einen nachhaltigen, der Qualitäten wie Konzentration, Reflektion und Präsenz beinhaltet und der mit dem regelmässigen Training sukzessive in Körper und Geist übergeht. «Mit dem Karate bin ich disziplinierter geworden. Ich habe auch gelernt, etwas durchzuziehen und bei Widerständen nicht gleich aufzugeben.»

Drei Tage lang ins Karate eintauchen

Nun freut sich Christine Räber auf das Master Camp, das von Karate Taisho organisiert wird. Hochkarätige Karate-Lehrer aus der Schweiz und Italien werden verschiedene Kurse leiten. Die Teilnehmenden decken ein breites Spektrum ab, vom Anfänger bis zum Profi, von Zehnjährigen bis zum 75-jährigen. Es geht um Austausch, Begegnung und darum, neue Sichtweisen kennenzulernen. «An diesen drei Tagen kann man richtig in das Karate eintauchen. Es entsteht eine starke Energie.»

Die Karateschule Taisho, die vor zwei Jahren von Luzern nach Kriens gezügelt ist, gibt es seit 36 Jahren und wird von Toni Romano und Mariann Romano geleitet. Toni Romano studierte mehrere Jahre in Japan, ist Träger des 8. Dan und im Karate eine internationale Koryphäe. «Auch wenn ich seit kurzem nach Zürich gezügelt bin, werde ich weiterhin zweimal in der Woche bei Taisho Karate trainieren.»

Hinweis: Das «Karate Master Camp» findet am Pfingstwochenende in Luzern statt. Weitere Informationen unter: www.taisho.ch