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Japans Probleme mit den Geisterhäusern

Acht Millionen Häuser stehen in Japan leer – weil ihr ursprünglicher Besitzer schon längst verstorben ist. Doch kaufen will solche Immobilien kaum jemand. Dies liegt nicht nur daran, dass sich solche Häuser auf dem Land befinden.
Angela Köhler
Ein verlassenes Haus in Miyoshi, Japan. (Bild: Carl Court/Getty Images)

Ein verlassenes Haus in Miyoshi, Japan. (Bild: Carl Court/Getty Images)

SOS für Japans ländliche Gegenden. «Schluss mit dem Amtsschimmel» und «Eile ist zwingend geboten», mahnen alle grossen Tageszeitungen und verlangen von der Politik in seltener Eintracht schnelles Handeln. Während die Metropolen Tokio, Osaka, Sapporo oder Yokohama explodieren, wird es abseits der Ballungsgebiete immer trauriger. Die Jugend zieht in die Städte. Die Alten sterben weg und mit ihnen Häuser und Dörfer. Schon heute gibt es weit mehr als acht Millionen Geisterhäuser, liegen rund 36 000 Quadratkilometer Land brach. Die verlassenen Gebäude, in Japan Akiyas genannt, werden immer mehr zum Problem für den Staat, die Kommunen und natürlich für die Nachbarn.

Marode Häuser sind nicht nur Symbole des Abstiegs und Untergangs, die den Wert der noch bewohnten Immobilien senken. Häufig besteht auch noch Einsturz- und Feuergefahr. Einfache Lösungen gibt es jedoch nicht. Viele der auf dem Lande üblichen Einfamilienhäuser bleiben nach dem Tod des Besitzers leer stehen und verfallen. Die Erben haben oftmals keine Lust und auch kein Geld, das jeweilige Grundstück zu übernehmen, weil Erb- und Grundsteuern zu hoch sind. Abriss oder Renovierung sind ohnehin weitere sehr kostspielige Angelegenheiten.

Der Missstand hat Methode

In Japan besteht keine Pflicht, ein Grundstück staatlich registrieren zu lassen. Deshalb melden sich rechtmässige Nachbesitzer oftmals gar nicht. Doch ohne sie ist es juristisch sehr kompliziert, ein Haus zu verkaufen oder platt zu machen. Selbst wenn die Immobilien auf den Markt kommen können, ist es sehr schwer, sie zu veräussern. Junge Leute wollen nicht aufs Land, und in Japan ist es generell sehr unpopulär, ein «gebrauchtes Haus» zu kaufen. Der Marktanteil von «Second-Hand-Häusern» liegt bei nur 15 Prozent.

Degeneration und Verfall ziehen viele Gebiete in den Abgrund. Nach Schätzungen könnte die Zahl der unbewohnten Bauten in Japan bis 2033 auf 20 Millionen steigen, bis 2040 eine Fläche von 83 000 Quadratkilometern verwaist sein. Landesweit werden dann 7,2 Millionen Hektar Grund und Boden keinen namentlich eingetragenen Besitzer haben, das entspricht in etwa der Grösse Österreichs. Bis dahin sterben 900 Städte und Dörfer aus, prognostiziert der ehemalige Innenminister Hiroya Masuda. Den wirtschaftlichen Schaden beziffert der Politiker auf über 2 Milliarden Euro.

Der Staat trägt die Kosten für Sicherung und Abriss, wenn es keine eingetragenen Besitzer gibt. Die japanischen Medien fordern die Regierung auch deshalb immer dringender auf, die Registrierung von Grundstücken verpflichtend zu machen sowie Steuern und Gebühren deutlich zu senken.

Die Regierung in Tokio reagiert hilflos bürokratisch. Schon 2014 wurde ein «Gesetz für besondere Massnahmen zur Förderung des Umgangs mit verlassenen Häusern» erlassen. Dadurch können Leerstände unter bestimmten Bedingungen auch ohne Zustimmung des Eigentümers abgebrochen werden. Gleichzeitig sollen Besitzer bei der Renovierung oder beim Abriss finanziell unterstützt werden. Viele Kommunen bieten im Internet mittlerweile solche Grundstücke an. Bislang ohne spürbaren Erfolg, wie die Statistik zeigt.

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