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Interview

Heinz Bossert, Präsident des Luzerner Detaillistenverbands, tritt ab: «Kämpfen wurde mir in die Wiege gelegt»

Heinz Bossert hört als Präsident und Geschäftsführer des Detaillistenverbands auf. Damit endet eine 37-jährige, vom Widerstand gegen längere Ladenöffnungszeiten geprägte Ära. Der 63-Jährige blickt zurück – und sagt, warum er Korintha Bärtsch gewählt hat.
Interview: Lukas Nussbaumer
Heinz Bossert (63) im Sitzungszimmer des Hauses an der Burgerstrasse 17 in der Stadt Luzern, das dem kantonalen Detaillistenverband gehört. (Bild: Pius Amrein, 28. Mai 2019)

Heinz Bossert (63) im Sitzungszimmer des Hauses an der Burgerstrasse 17 in der Stadt Luzern, das dem kantonalen Detaillistenverband gehört. (Bild: Pius Amrein, 28. Mai 2019)

Mit Heinz Bossert verlässt eine Verbandsgrösse die Bühne, die tiefe Spuren hinterlässt. Ohne das Engagement des Präsidenten und Geschäftsführers des kantonalen Detaillistenverbands (DVL) hätte das Stimmvolk kaum drei Mal Nein gesagt zu längeren Ladenöffnungszeiten. Der 63-Jährige spricht über seine 37 Jahre beim DVL, sein Verhältnis zum Gewerbeverband – und zur Politik.

Sie treten zwei Jahre vor der Pensionierung ab. Warum?

Heinz Bossert: Auf diesen Zeitpunkt habe ich mich schon vor neun Jahren festgelegt. Ich möchte mehr Zeit mit meiner Familie verbringen, ausspannen, mich mit Geschichte und Philosophie befassen und die Senioren-Uni besuchen.

Sie könnten doch in die Politik einsteigen.

Nein. Ich wurde zwar oft gefragt, habe aber zum Glück immer Nein gesagt. So geriet ich nie in einen politischen Interessenskonflikt und konnte mich voll für das Kleingewerbe einsetzen.

Sie bezeichnen sich als bürgerlich, haben beim zweiten Wahlgang der Regierungsratswahlen aber die Grüne Kandidatin Korintha Bärtsch unterstützt. Warum?

Weil ich für die Konkordanz einstehe. Und weil ich mit dem Vorgehen gewisser Wirtschaftsverbände im Wahlkampf nicht einverstanden war.

Sie reden vom Gewerbeverband und von der Industrie- und Handelskammer.

Ja. Sie haben Korintha Bärtsch mit ihrer Kampagne diskreditiert. Das war der Auslöser für meinen Beitritt in ihr Komitee.

Mit dem Gewerbeverband haben Sie das Heu auch bei den Ladenöffnungszeiten nicht auf der gleichen Bühne. Sie drohten gar mit dem Austritt.

Das war vor fünf Jahren, als sich der Gewerbeverband frontal gegen unsere Anliegen gestellt hat. Seither haben wir einen Sitz im Vorstand des Gewerbeverbands und können unsere Sichtweise direkt einbringen.

Ein hart erkämpfter Erfolg – und er hat Ihr Image als Feindbild Nummer 1 aller Liberalisierer zementiert, auch wegen Ihrer Direktheit.

Jeder Erfolg war ein Kampf und auch ein Chrampf. Mein Vorteil war die 37-jährige Konstanz. Auf der Gegenseite haben die Protagonisten immer wieder gewechselt. Einer meiner Grundsätze lautet: Das, was ich denke, sage ich. Und ich verkörpere das, was ich sage.

Aufgeben war nie ein Thema?

Nein. Ich stamme aus einfachen Verhältnissen. Das Kämpfen wurde mir in die Wiege gelegt. Und ausserdem hat mich mein Förderer und Vorvorgänger Hans Schärli zum Kämpfen eingestellt.

Nun haben Sie aber Zugeständnisse gemacht: Der Kompromiss aller Parteien, wonach die Läden am Samstag bis um 17 Uhr und an Wochentagen bis um 19 Uhr offen haben dürfen, entspricht nicht Ihrer ursprünglichen Haltung. Geben Sie mit zunehmendem Alter eher einmal nach?

Altersmilde würde ich das auf keinen Fall nennen, ich vertrete schliesslich die Interessen unserer Mitglieder. Das Ja zum überparteilichen Kompromiss, dem notabene auch unsere Sozialpartner zugestimmt haben, entspricht der realistischen Einschätzung der politischen Situation. Aber natürlich: Bei einem Kompromiss müssen alle Seiten Zugeständnisse machen, auch wir.

Dafür scheint der Kompromiss mehrheitsfähig.

Das denke ich auch. Obwohl eine Gruppierung rund um die Grossverteiler Migros, Coop und Manor jetzt noch einmal kräftig Druck macht für eine weitergehende Liberalisierung.

Dann droht bei einem Ja des Kantonsrats zum Kompromiss das Referendum der Grossverteiler?

Das ist nicht ganz auszuschliessen. Aber wir wären bereit, ich würde den Abstimmungskampf im Mandatsverhältnis leiten.

Das birgt neues Konfliktpotenzial mit dem Gewerbeverband, der sich Ihrer Ansicht nach zu wenig für das Kleingewerbe einsetzt.

Der Gewerbeverband kommt in die Bredouille, wenn er sich nur noch um die Grossen kümmert und die Basis zu wenig wahrnimmt. Das ist nicht in Ordnung, wir Kleinen sind Mitglieder des Gewerbeverbands. Das ist kein Statement gegen den Gewerbeverband, sondern Ausdruck meines Einsatzes für Kleinbetriebe.

Also doch etwas Altersmilde?

(lacht)

Ich will einfach als der konstruktive Kritiker rüberkommen, der ich auch bin.

Was können Sie denn loben?

Ich habe während 37 Jahren einen fairen Arbeitgeber erleben dürfen. Dafür bin ich sehr dankbar. Ebenso für die Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern, die ich als konstruktiv und wenig dogmatisch wahrgenommen habe.

Das Lädelisterben konnten Sie nicht aufhalten.

Das ist so. Aber ich bin überzeugt: Das Kleine und Überschaubare wird wieder Wertschätzung finden, ebenso die persönlichen Kontakte und die Beratung.

Eine von Ihnen vorgeschlagene Beratungsgebühr ist allerdings versandet.

Da habe ich mich etwas verschätzt, weil wir als kantonale Organisation zuwenig Einfluss haben. Das müssen die nationalen Branchenverbände in die Hand nehmen.

Nun wird Ihre in Personalunion ausgeübte Funktion als Präsident und Geschäftsführer aufgeteilt. Warum?

Trotz über 40 Bewerbungen gab es niemanden, der diese Doppelfunktion übernehmen konnte oder wollte.

Mit welchen Gefühlen werden Sie Ihren Nachfolger einarbeiten?

Mit sehr positiven. Ich habe eine wunderbare Zeit mit vielen schönen Momenten erlebt. Dennoch gebe ich die Verantwortung gerne weiter. Die Doppelfunktion war oft auch belastend und hat an meinen Kräften gezehrt.

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