Gemeinderat von Weggis favorisiert Neubau für Hallenbad

Der Gemeinderat möchte rund 15 Millionen Franken in das Hallenbad investieren. Doch zunächst ist die Bevölkerung gefragt.

Niels Jost
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Das alte Hallenbad in Weggis soll durch einen Neubau ersetzt werden.

Das alte Hallenbad in Weggis soll durch einen Neubau ersetzt werden.

Bild: Jakob Ineichen (28. Januar 2020)

Zu eng, zu alt, zu klein. Das Weggiser Hallenbad nahe Hertenstein entspricht nicht mehr den neuesten Anforderungen – weder was das Platzangebot noch die Technik, die Bausubstanz oder die Betriebsabläufe betrifft. So weit, so klar. Doch soll das über 50-jährige Gebäude einem Neubau weichen, saniert oder gar abgerissen werden? Und was soll sich die Gemeinde das kosten lassen?

Dies möchte der Gemeinderat von der Bevölkerung wissen. Noch bis am 27. Februar kann sie sich in der Vernehmlassung dazu äussern. Bereits am Dienstagabend hat er zu einer Orientierungsversammlung geladen und den Zwischenbericht mit dem aktuellsten Stand der Dinge vorgestellt. Der Grundtenor war positiv.

Sanierung würde keinen Mehrwert bringen

Doch welche Optionen sollen überhaupt weiterverfolgt werden? Für den Gemeinderat ist klar: Er favorisiert einen Neubau. Den ersatzlosen Abriss sowie eine Sanierung schliesst er aus. Letztere würde ungefähr 4,4 Millionen Franken kosten, aber den Badegästen keinen Mehrwert bieten sowie die bautechnischen und betrieblichen Anforderungen kaum erfüllen, heisst es dazu im Zwischenbericht. Weiter bestünden «hohe Risiken», dass ein Sanierungsprojekt nicht genehmigt werden könnte, da es die Anforderungen im Brandschutz und behindertengerechten Bauen nicht erfüllen könnte. Gemeindepräsident Roger Dähler sagt zudem: «Führen wir nun bloss eine Sanierung durch, stehen mittelfristig erneut Arbeiten an. Ein Neubau ist daher vorzuziehen.»

Eine Machbarkeitsstudie zeigt vier Neubauvarianten auf. Diese unterscheiden sich primär darin, wie viel Wasserfläche den Badegästen zur Verfügung stehen würde. Bei der kleinsten Variante für 14 Millionen Franken wäre ein Schwimmbecken von 25 mal 9 Metern realisierbar – heute verfügt das Hallenbad über ein Becken von 25 mal 10 Metern inklusive Lernschwimmbecken sowie über einen kleinen Saunabereich. Die Maximalvariante für 16,9 Millionen Franken sähe ein 25-mal-11-Meter-Becken, einen Whirlpool sowie ein Nichtschwimm- und ein Planschbecken vor. Diese Variante möchte der Gemeinderat weiterverfolgen. Dähler begründet: «Die favorisierte Variante ist im Vergleich zur kleinsten ‹nur› knapp drei Millionen Franken teurer – der Mehrwert hingegen ist viel grösser.» So könnte durch das breitere Wasserangebot eine grössere Zielgruppe angesprochen werden, was in höheren Einnahmen aus den Eintritten resultieren würde.

Diese Einnahmequelle sei wichtig, sagt Dähler. «Wie fast alle Hallenbäder in der Schweiz wird auch unseres nicht selbsttragend sein.» Aktuell betrage das jährliche Defizit zwischen 300000 und 400000 Franken. Ein Neubau würde die Gemeinde inklusive Abschreibungen, Betriebskosten und Kapitalzinsen rund 1,4 Millionen Franken pro Jahr kosten, was in etwa einem Steuerzehntel entspricht.

Die gute Finanzlage der Gemeinde erlaube es aber, diese Investition bei gleichbleibendem Steuerfuss zu tätigen. Dähler ist sich bewusst: «Es sind grosse Investitionen, doch es ist eine Aufgabe der Gemeinden, Investitionen in öffentliche Anlagen und deren Unterhalt zu tätigen. Ein Hallenbad trägt zur attraktiven Wohn- und Lebensqualität von Weggis bei.»

Nachbargemeinden sollen sich beteiligen

Die Investitionen seien insbesondere auch dahingehend vertretbar, weil nicht nur Vereine und Privatpersonen vom Hallenbad profitieren würden, sondern auch die Schulen. Diese müssen seit der Einführung des Lehrplan 21 den Schwimmunterricht durchführen.

Das Weggiser Lido-/Hallenbad besuchen nicht nur die Schüler aus dem eigenen Dorf, sondern auch jene aus Küssnacht, Vitznau und Greppen. Daher ist angedacht, dass sich auch diese Gemeinden an den Kosten beteiligen – Greppen hat dafür bereits eine Million Franken in der Finanzplanung reserviert, und mit Gemeindepräsident Herbert Imbach sitzt ein Vertreter aus Vitznau in der Lido-Kommission. «Das Projekt hat eine regionale Ausstrahlung», betont Roger Dähler. Aus diesem Grund seien ebenso die Bürger der Nachbargemeinden eingeladen worden, sich in der Vernehmlassung zu äussern.

Die Rückmeldungen aus dieser Umfrage werden anfangs März analysiert. Anschliessend wird sich der Gemeinderat für eine definitive Stossrichtung entscheiden und diese an der Gemeindeversammlung vom 4. Mai vorstellen. Danach wird ein Architekturwettbewerb lanciert. Über den Projektierungs- und Baukredit kann die Stimmbevölkerung von Weggis dann voraussichtlich im Frühling 2021 befinden – die Eröffnung des neuen Hallenbads würde frühestens zwei Jahre später erfolgen.